Wikipedia soll Video-Plattform werden

Noch in diesem Sommer will die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia außer Text, Fotos und Grafiken bewegte Bilder zu Wissens-Artikeln anbieten. In der ersten Phase stehen den Wikipedia-Autoren nur freie Videos zur Verfügung. Nach Informationen des Branchendiensts Technologyreview.com hofft die federführende Wikimedia Foundation aber, mit dem Schritt Content-Provider zu motivieren, mehr urheberrechtlich geschützte Videos der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

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Nutzer sollen die Filmdateien nicht nur einbetten, sondern auch edieren und kommentieren können. An dem Projekt ist auch die Mozilla Foundation beteiligt, die den Firefox-Browser entwickelt. Die neue Funktion zum Einbinden von Bewegtbildern wollen die Entwickler in zwei bis drei Monaten anbieten. Über einen „Add Media“-Button sollen Nutzer dann mit wenigen Klicks ein Video in einen Wikipedia-Artikel integrieren können. Begründete Bedenken um urheberrechtliche Auseinandersetzungen räumt die Online-Enzyklopädie mit einer radikalen Entscheidung aus dem Weg: Zugriff gibt es voerst nur auf Open-Source-Medien. Konkret steht Material aus den Online-Datenbanken Internet Archive (200.000 Videos), Wikimedia Commons (rund eine Million Video-Dateien) und Metavid, das freie Video-Archiv des US-Kongresses zur Verfügung.

Damit wird das Wikipedia-Angebot vorerst noch hinter dem kommerzieller Video-Plattformen zurückbleiben. Die zunächst anvisierten freien Video-Inhalte sind überwiegend dokumentarischer oder historischer Art. Später soll das Angebot auf passendes Video-Material aus dem gesamten Internet erweitert werden.

Offenbar setzt die Wikimedia-Foundation von Gründer Jimmy Wales auf eine Sogwirkung des neuen Angebots. Das Kalkül: Die enorme Reichweite der erfolgreichsten Online-Enzyklopädie wird Rechteinhaber dazu bewegen, Video-Material freizugeben. Dazu könnten neben Musik-Labels auch öffentlich-rechtliche Fernsehsender zählen. Daran scheint der Deputy Direkter der Wikimedia Foundation, Erik Moeller, allerdings noch Zweifel zu hegen: Die Aufgabe der öffentlichen Sender „sollte es sein, alles daran zu setzen, die Reichweite zu maximieren; das sehe ich derzeit jedoch nicht“.

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