Die neue Nüchternheit bei Axel Springer

Der Vorstandschef der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, hat sein Haus und die Branche auf eine längere Durststrecke eingestimmt. In einem Interview mit Dow Jones Newswire zeigte sich Döpfner skeptisch, ob es noch in diesem Jahr oder Anfang nächsten Jahres bereits wieder aufwärts gehe. Auch Axel Springer werde die gute Entwicklung vom 1. Quartal 2009 nicht fortsetzen können, so der Vorsitzende. Es mehren sich die Zeichen, dass nun auch bei Springer verstärkt Kosten gesenkt werden.

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Eine Maßnahme ist die aktuell verkündete Zusammenfassung der Redaktionen von „Computer Bild“, „Computer Bild Spiele“ und „Audio Video Foto Bild“ unter der Leitung von Hans Martin Burr. Der hat als Losung ausgegeben, dass Synergien ausgeschöpft und Kosten optimiert werden sollen. In der Tat erscheint es heute nicht mehr zeitgemäß, drei derart ähnlich gelagerte Titel mit drei eigenständigen Redaktionen zu führen. Kamera-Handys gehören beispielsweise genauso zum Themenfeld der „Computer Bild“ wie zur „Audio Video Foto Bild“, gleiches gilt für Bildbearbeitungs-Programme, Multimedia-Computer und vieles mehr. Außerdem sind die drei Blätter weit von den Auflagen-Höhenflügen früherer Tage entfernt. Hier macht sich bemerkbar, dass sich viele Verbraucher ihre Infos mittlerweile gratis aus dem Internet besorgen.

Gespart wird auch bei Springers Regional-Flaggschiff „Hamburger Abendblatt“. Chefredakteur Claus Strunz zieht unter dem wohlklingenden Schlagwort vom „Abendblatt 3.0“ nicht zuletzt ein groß angelegtes Spar-Programm durch. Das „Abendblatt“ war neben der „Bild“-Gruppe stets eine der wichtigsten Rendite-Säulen im Springer-Konzern. Offenbar sieht man nun verschärften Handlungsbedarf. Der umtriebige Strunz will in einem Newsroom Print-Leute und Onliner an einen Tisch holen und sich von 32 so genannten „Under-Performern“ trennen. Zwar sollen gleichzeitig auch einige neue Leute eingestellt werden, die ganze Aktion macht aber nur Sinn, wenn unterm Strich ein deutliches Spar-Potenzial herausspringt.

Und dann ist da noch Axel Springer Financial Media. Bei der Münchner Verlagstochter mit Titeln wie „Euro“ und „Fonds & Co“ wurde der Umsatzflaute bisher mit Kurzarbeit begegnet. Wie es dort weitergeht, wenn die Krise sich hinzieht, ist unklar. Wirtschafts- und Anlegertitel sind von der aktuellen Krise der Finanzindustrie nach wie vor überproportional stark betroffen.

Anfang März teilte Döpfner angesichts der bereits akuten Medienkrise dem „Spiegel“ noch mit, er habe sich „noch nie so wohl gefühlt wie zurzeit.“ Nun sagte er Dow Jones Newswire, er schaue sich „eine Reihe von Assets“ mit niedrigen Bewertungen an, es sei aber nicht sicher, dass Springer überhaupt in diesem Jahr etwas kaufen werde. Die Sektlaune nach der Rekord-Bilanz 2008 ist bei Springer einer gewissen Nüchternheit gewichen.

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