dpa will besser und billiger werden

Bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) wird mit Hochdruck an einer strategischen Neuausrichtung der Produktion gearbeitet. Das "Handelsblatt" berichtet von einem internen Papier, laut dem alle Arbeitsprozesse bei der Agentur künftig viel stärker verzahnt werden sollen. Die dpa hat sich bei der Neuausrichtung Hilfe von der Unternehmensberatung IDS Scheer geholt. Bis September soll der Umbau der Agentur vollzogen sein.

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Derzeit wird in Berlin nach geeigneten Büros für den neuen integrierten Newsroom der dpa gesucht. Dort sollen dann möglichst Texte, Bilder, Grafiken, Audio- und Video-Beiträge Hand in Hand produziert werden. Orchestrieren soll den neuen multimedialen Gleichklang der künftige Chefredakteur Wolfgang Büchner. Er kennt das crossmediale Arbeiten bereits aus seiner Zeit als Chefredakteur bei „Spiegel Online“. Dort hatte er allerdings ein eher junges Team, das von Beginn an ein vernetztes und digitales Angebot aufgebaut hat. Bei der dpa sieht sich Büchner der Herausforderung gegenüber gestellt, althergebrachte Strukturen und unzeitgemäße Traditionen aufbrechen zu müssen. Kein leichter Job.

„Die Arbeit im integrierten Newsroom muss uns befähigen, schneller, besser und kostengünstiger zu werden“, zitiert das „Handelsblatt“ aus dem internen dpa-Strategie-Papier. Die Agentur versucht also genau das, was derzeit praktisch alle Zeitungshäuser probieren: mehr Qualität mit weniger Geld zu erreichen. Bitter für die dpa ist, dass manche Zeitungsverlage meinen, dies zu schaffen, indem sie auf die dpa verzichten. Jüngstes und prominentestes Beispiel ist die WAZ-Gruppe.

Gleichzeitig ist der dpa die günstigere und als flexibler geltende Konkurrenz auf den Fersen. Laut „Handelsblatt“ hat ddp im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis von 2,6 Mio. Euro erwirtschaftet (EBITDA). Die französische Agentur AFP wird angeblich großzügig vom französischen Staat alimentiert und lockt ebenso mit vergleichsweise günstigen Angeboten. Die Zahlen der dpa für 2008 sollen in der nächsten Woche bekanntgegeben werden.

Ein bisschen Hoffnung gibt es für die gebeutelte dpa aber auch. Das Experiment der „Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen“, sechs Wochen probeweise auf dpa zu verzichten, ging zu Gunsten des News-Dinos aus. Vorerst. „HNA“-Chef Horst Seidenfaden sagte im „medium magazin“: „Eine kleine Lokalzeitung ohne Kapazitäten an Korrespondenten und Mantelredaktionen kommt an dpa nicht vorbei.“ Er sagte aber auch: „In größeren Lokalredaktionen geht es auch ohne dpa.“ Wirklich gute Nachrichten sind selten geworden für die dpa.

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