Boris Becker: Überdosis Selbstvermarktung

Die Hochzeitsvorbereitungen von Ex-Tennisspieler Boris Becker und seiner Verlobten Lilly Kerssenberg interessierten am Sonntag nur 1,29 Millionen 14- bis 49-jährige Zuschauer. Für RTL ein schlechter Wert unterhalb des Senderdurchschnitts. Der Sender hat sich von seinem Exklusiv-Vertrag für die Vermarktung der Becker-Hochzeit sicher mehr versprochen. Selbst wenn die Quoten für die Trauung leicht besser werden. Der Fall Becker ist ein Lehrstück für Selbstvermarktung, die an ihre Grenzen stößt.

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Das Problem von Boris Becker ist, dass er nichts mehr zu bieten hat außer sich selbst. Seine Zeiten als Tennis-Star liegen lange zurück, seine Fähigkeiten als Moderator sind begrenzt, sein Tätigkeit als Geschäftsmann beschränkt sich auf seine Rolle als Filialist einer Automarke. Zu wenig für einen, der den Ruhm als Lebenselixier braucht. Was Boris Becker geblieben ist, ist er selbst mit all den selbst fabrizierten Skandalen und Skandälchen, die ihm gerade genug Aufmerksamkeit sichern, um sich von Werbevertrag zu Werbevertrag zu hangeln.

Da war die Verlobung mit der sehr blonden Sandy Meyer-Wölden inklusive Blitz-Trennung, dann wochenlanges Raunen über seine Beziehung zu Lilly Kerssenberg mit dem vorläufigen Höhepunkt der Bekanntgabe der Hochzeitspläne auf dem Sofa von Thomas Gottschalk bei „Wetten dass..?“. „Bild am Sonntag“ war offenbar eingeweiht und so konnte pünktlich am Tag nach der TV-Sendung das große Boris-Exklusiv-Interview erscheinen. „Liebes-Interview“ nennt man das.

Kurz darauf startete Becker seinen Internet-TV-Kanal samt Kooperationsvertrag mit Bild.de und gab die Vermarktung der eigentlichen Hochzeit bei RTL bekannt. Natürlich exklusiv. Boris Becker hat erkannt, dass ihm nur noch sein Privatleben zur Vermarktung bleibt und er lässt alle Schranken fallen. Jedes Fitzelchen Boris Becker wird inflationär zu Markt getragen. Nicht etwa von den Boulevard-Medien – von ihm selbst.

„Bild“, „RTL“, „InStyle“ und Co. sind eifrig dabei. Denn Medien haben einen unauslöschlichen Beißreflex, wenn es um Exklusivinhalte geht – egal wie banal sie auch sein mögen. Das Problem ist nur: Dem Publikum will es nicht recht schmecken. Die miesen Quoten für Teil Eins des „Boris traut sich“-Specials bei RTL sind die Quittung für eine Selbstvermarktungsstrategie, die zu weit getrieben wurde.

Exklusive Einblicke in das Leben eines Promis sind nämlich nur dann interessant, wenn tatsächlich etwas Neues, Interessantes und Überraschendes zu sehen ist. Die Zuschauer dürften aber mittlerweile durchaus mitbekommen haben, dass es über Boris Becker nichts mehr zu erfahren gibt, was er nicht selbst schon tausendfach in die Welt hinausposaunt hat, um seine Werbepartner bei Laune zu halten. Der alte Spruch „Willst du was gelten, mach Dich selten“ gilt auch in der Promi-Welt. Boris Becker scheint ihn nicht zu kennen.

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