Geldbündel für „Enteignet Springer“?

Die Rolle der großen Verleger bei den Studentenunruhen in den 60er Jahren wird derzeit in allen Medienhäusern diskutiert. Nach der Behauptung des Schriftstellers Peter Schneider in der FAZ, Rudolf Augstein sowie der "Stern"-Gründer Henri Nannen hätten "beträchtliche Summen" für die Kampagne "Enteignet Springer" gespendet, werden jetzt weitere Details bekannt. Nach Darstellung von Schneider hat Augstein einem Kampagnen-Mitarbeiter 50000 Mark in bar zugesteckt. Auch Gerd Bucerius soll Geld beigesteuert haben.

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Die Rolle der großen Verleger bei den Studentenunruhen in den 60er Jahren wird derzeit in allen Medienhäusern diskutiert. Nach der Behauptung des Schriftstellers Peter Schneider in der FAZ, Rudolf Augstein sowie der „Stern“-Gründer Henri Nannen hätten „beträchtliche Summen“ für die Kampagne „Enteignet Springer“ gespendet, werden jetzt weitere Details bekannt. Nach Darstellung von Schneider hat Augstein einem Kampagnen-Mitarbeiter 50000 Mark in bar zugesteckt. Auch Gerd Bucerius soll Geld beigesteuert haben.
Freimütig schildert der Schriftsteller die Einzelheiten der Geldübergaben. So sei Rudolf Augstein zweimal um Spenden gebeten worden, die er in „Tranchen von je 25000 DM“ übergeben habe, indem er „die von einem Gummi zusammengehaltenen Bündel aus der Hosentasche“ zog. Schneider erinnert sich: „Augstein, Nannen, Bucerius spendeten großzügig für die Antispringerkampagne – sicher auch aus Eigeninteresse gegenüber dem übermächtigen Konkurrenten Springer, aber auch aus genuiner Neugier und Sympathie für den rätselhaften Virus der Rebellion, der sich in der Republik verbreitete.“ Und weiter: „Sie alle hatten das Gefühl, daß sich nach den Jahren des Schweigens und der Verklemmung in Deutschland etwas ändern müsse, und verwöhnten die Bewegung vorsorglich mit Spenden, um sich nicht bekennen zu müssen.“
Schneider berichtet auch vom Besuch eines Komitee-Mitarbeiters in der Hamburger „Zeit“-Redaktion, bei dem der Studentenführer Rudi Dutschke Verleger Gerd Bucerius stark beeindruckt habe. Nach Darstellung des damaligen Stellvertretenden „Stern“-Chefredakteurs Manfred Bissinger, heute Geschäftsführer des Hoffmann und Campe Verlages, auf die sich Schneider beruft, sollen die drei aus Berlin angereisten Aktivisten je 5000 Mark in einem Umschlag erhalten haben. Zudem habe Bucerius „auf Bissingers Konto 50000 DM für die Antispringerkampagne überwiesen, die Bissinger pünktlich an Dutschke weiterreichte.“
Erstaunlich ist, dass die Diskussion um die Ereignisse erst durch den Artikel Schneiders  in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ausgelöst wurde. Der Schriftsteller hatte davon nämlich schon in seinem 2008 erschienenen Buch „Rebellion und Wahn“ berichtet. Dort liefert er auch eine Anekdote über eine steuerliche Panne bei der Geldüberweisung: „Allerdings hatte die Sache für Bissinger ein Nachspiel. Das Finanzamt sah in der Spende eine Einnahme Bissingers und forderte eine Steuerzahlung von rund 22000 DM.“ Im Beisein Bissingers habe „Stern“-Chefredakteur Nann bei Bucerius angerufen und ihm davon berichtet.
Bucerius habe eine Spende am Telefon „standhaft verleugnet“. Zwei Tage später habe Bissinger jedoch den vom Finanzamt geforderten Betrag auf seinem Konto gehabt – nach Auskunft der Bank eine anonyme Bareinzahlung.
Augstein finanzierte „Enteignet Springer“

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