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Fotojournalisten: Nur 22 Euro pro Bild

Was jetzt beim Treffen von Vertretern des DJV und dem Bund Deutscher Zeitungsverleger als vorläufiges Ergebnis präsentiert wurde, dürfte vielen Fotografen Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Abhängig von der Auflage sollen Fotografen lediglich 22 bis 33 Euro pro Bild bekommen. Der DJV spricht von einer "Entwertung journalistischer Arbeit". Dabei ziehen sich die Verhandlungen um angemessene Honorare für freie Journalisten seit 2003 in die Länge, mittlerweile in der 40. Runde.

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Freie Bildjournalisten haben es seit langem nicht einfach in Deutschland, jetzt haben sie es umso schwerer. Zumindest, wenn es nach den Wünschen des Bundes Deutscher Zeitungsverleger geht. Das vorläufige Ergebnis, das der BDZV jetzt unterbreitet hatte, dürfte viele Fotografen erschüttern. Sein Angebot: Die entsprechende Honorarspanne soll bei Fotos (Erstdruck) in Zeitungen mit einer Auflage von über 50.000 bis 100.000 lediglich zwischen 22 und 33 Euro liegen.

Im sonst für Honorarverhandlungen relevanten 12a-Tarifvertrag beträgt das Honorar in dieser Auflagenhöhe ab dem 1. Mai 2009 allerdings 65 Euro. Der Vorschlag des BDZV würde also eine Absenkung der Honorare auf die Hälfte oder sogar ein Drittel bedeuten. Überträgt man diesen prozentualen Unterschied auf niedrigere Honorare, beispielsweise auf die Auflagenstaffel von bis zu 10.000 (laut 12a: 38,40 Euro), läuft das auf ein Bildhonorar von 13 Euro hinaus (laut Berechnungen des DJV).

Auf Anfrage von MEEDIA teilte der BDZV mit, dass es sich „explizit nur um einen ersten Vorschlag und kein endgültiges Ergebnis“ handele. Die Kommissionen des BDZV und von Ver.di würden zu weiteren Verhandlungen zusammentreffen.

Bildjournalisten trifft Krise am stärksten

Doch damit nicht genug. Unter den Freien hat es die Bildjournalisten am schlimmsten getroffen. Während unter allen Freien bisher “nur” ein Drittel von signifikanten Auftragsrückgängen berichtet, ist dies bei über der Hälfte der freien Fotojournalisten der Fall. Wer vornehmlich für Bildagenturen arbeitet, ist noch schlimmer betroffen: Hier berichten über zwei Drittel der freien Bildjournalisten von signifikanten Auftragseinbrüchen. Das ergab die Konjunkturumfrage des DJV von über 1.200 freien Journalistinnen und Journalisten im März. Lediglich bei den Nachrichtenagenturen habe sich die Situation für freie Fotografen nur geringfügig verändert.

Immer wieder Probleme mit Springer

An anderer Front kämpft der DJV gegen den Axel-Springer-Verlag. Dem Verlag wurde bereits im Juni 2007 durch Einstweilige Verfügung verboten, einen Teil seiner Vertragsbedingungen gegenüber freien Journalisten zu verwenden. Die Vertragsbedingungen enthielten hinsichtlich “sonstiger” und “werblicher” Nutzung keinen Hinweis auf die Ansprüche der freien Journalisten für die Vergütung der Weiterverwertung ihrer Beiträge. Es wurde lediglich darauf verwiesen, ein Anspruch “könne” vereinbart werden oder richte sich “nach Absprache”. “Diese Abweichung [vom gesetzlichen Leitbild der angemessenen Vergütung] benachteiligt die Journalisten gegen Treu und Glauben unangemessen”, urteilte das Gericht am 9. Dezember 2008. Allerdings ging Springer in die Berufung. Die liegt nun beim Kammergericht in Berlin, bis zu einer Entscheidung wird noch viel Zeit vergehen.

„Entwertung journalistischer Arbeit“

Das aktuelle Angebot des BDVZ ist jedoch nur einer von vielen Tiefschlägen für die Fotografen. Nach der Einführung der „Bild“-Leserreporter im Jahr 2006 erzürnte Springer einmal mehr die Gemüter der Fotografen. Während Amateurfotografen mit ihren Schnappschüssen 500 Euro für ein Bild in der überregionalen Ausgabe bekamen, erhielten professionelle Fotojournalisten lediglich 200 Euro. Schnell machte das Gerücht die Runde, dass Fotografen sich fortan als Amateurreporter ausgeben und ihre Bilder über die 1414-Nummer an die „Bild“-Redaktion schicken würden.

Eine endgültige Regelung der Honorare für freie Bildjournalisten wird noch auf sich warten lassen. Erst einmal bis zur nächsten Verhandlungsrunde. „Es ist schlicht eine Entwertung journalistischer Arbeit. Der Fotojournalist wird nicht ernstgenommen“, teilte Michael Hirschler vom Fachausschuss Bildjournalisten des DJV MEEDIA auf Anfrage mit. „Wenn wir hier einen Punkt erreichen, an dem wir stocken, droht das Ende der Verhandlungen. Da besteht auch kein Grund zum Optimismus.“

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