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„Neon“-Macher: Ratgeber für die Ratlosen

Neues von den "Neon"-Machern: Michael Ebert, 34, und Timm Klotzek, 35, haben ein Buch geschrieben. "Planen oder treiben lassen" ist der etwas andere Ratgeber für eine Generation, die an den strategischen Weichen ihres "verflixt komplizierten Lebens" planlos ist. 14 Kapitel behandeln alles, was über Glück oder Unglück entscheidet. Wichtige Erkenntnis: Lebensplaner und Treibenlasser gehen die Dinge völlig unterschiedlich an. Die schlechte (oder auch gute) Nachricht: Keine Strategie muss richtig sein.

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Die beiden Chefredakteure schreiben über das spezielle Lebensgefühl einer Generation, zu der sie gehören und die sie schon bei „Süddeutschen Zeitung“ mit dem Magazin „jetzt“ journalistisch begleitet haben. Eine Generation, für die nichts selbstverständlich ist, die im Streben nach Nachhaltigkeit zu verzweifeln droht. Nichts ist gesetzt, alles scheint ihr offen zu stehen. Aber glaube keiner, dass dies per se ein Vorteil ist.
„Zur richtigen Zeit die richtige Entscheidung zu treffen, ist eine der schwersten Aufgaben“, bekennen Ebert und Klotzek im Intro des Buches. Und sie verweisen auf den Untertitel, der ersten „Neon“-Ausgaben, der nach wie vor den Leitgedanken des Heftes ausdrückt: „Eigentlich sollten wir erwachsen werden.“ Die Unausweichlichkeit, sich irgendwann entscheiden zu müssen oder dies durch Untätigkeit eben auch zu tun, ist der Rahmen für die Themen, bei denen es um Job, Karriere, Partnerschaften, Familie, Finanzen, Reisen, Gesundheit, Freundschaft und das Altern geht. Um nur einige zu nennen.
Das Bemerkenswerte an diesem Lebensratgeber ist, dass er eigentlich keiner sein will. Ebert und Klotzek liefern die Topografie einer Problemlandschaft, ohne sich in die Entscheidungsfindung einzumischen. Schon damit ragt das Buch aus der Flut der Ratgeber aus der Besserwisser-Abteilung hervor, die ihre Leserschaft mit rigiden Direktiven gängeln und faktisch bevormunden. Den „Neon“-Gründern gelingt es dagegen, eben dies an keiner Stelle zu tun. „Leben oder treiben lassen“ ist ein Meisterstück der Diskretion und Toleranz gegenüber den individuellen Motiven und Bedürfnissen der Leser, denen die Pflicht (aber auch die Freiheit) zur Entscheidung bewusst überlassen bleibt.
Für viele, die bei klassischen Ratgebern Halt suchen und finden, dürfte die Lektüre eher quälend sein, denn sie werden die Anleitung zum Glücklichsein auf den 272 Seiten vergebens suchen. Andere werden es eher als Zeichen des Respekts vor ihrer persönlichen und einzigartigen Situation empfinden, dass ihnen kein Stufen-Plan für ein besseres Leben aufgetischt wird. Dafür erhalten sie sachdienliche Hinweise und Arbeitsstrategien, die ihnen helfen, bei einem elementaren Entscheidungsprozess voran zu kommen.
Man kann das ‚“Neon“-Buch aber auch anders nutzen: als Navigator für die Innenansichten der Generation Jetzt, die den Älteren trotz ihrer Vielschichtigkeit und globalen Orientierung manchmal merkwürdig uniform erscheint. Die Autoren sind Analysten, Instruktoren und oft genug auch selber Fallbeispiele. Damit liefern sie nicht nur Hilfe zur Selbsthilfe, sondern geben auch viel über das Lebensgefühl ihrer Altersgruppe preis.
Michael Ebert & Timm Klotzek: „Leben oder treiben lassen“, Heyne Verlag in der Verlagsgruppe Random House, 17,95 Euro

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