Augstein finanzierte „Enteignet Springer“

Die Enthüllungen im Fall des Ohnesorg-Todesschützen Karl-Heinz Kurras haben die Debatte über die Hintergründe der 68er-Proteste neu entfacht. Zentrale Frage dabei: Welche Rolle spielten das DDR-Regime und die Stasi bei den Aufständen der Studentenbewegung? In einem Beitrag für die "FAZ" steuert der Schriftsteller Peter Schneider eine andere Variante bei: Die Mitarbeiter der "Enteignet Springer"-Kampagne hätten Geld von "Spiegel"-Gründer Augstein und "Stern"-Chefredakteur Nannen erhalten.

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In dem Feuilleton-Artikel vom Mittwoch hatte der Berliner Autor, der selbst zu den führenden Köpfen der Anti-Springer-Kampagne gehörte, behauptet, aus Ost-Berlin seien den Mitarbeiter keine Geldmittel zugeflossen. „Beträchtliche Summen“ hätten dagegen „Spiegel“-Chefredakteur Rudolf Augstein und „Stern“-Chefredakteur Henri Nannen gezahlt.
Die Kampagne „Enteignet Springer“ geht auf die Anfänge der Studentenproteste im Jahr 1967 zurück. Die Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Hochschulbundes forderte damals ein Gesetz gegen die Konzentration der Presse, um der „Machtsstellung“ des Springer-Verlags zu brechen und „die Meinungsfreiheit zu sichern“. In der Folgezeit eskalierten die Auseinandersetzungen, 1968 kam es zu Ausschreitungen, bei denen Gewalttäter Scheiben von Berliner Verlagsfilialen einwarfen.
Schriftsteller Peter Schneider hatte die Umstände in seinem Buch „Rebellion und Wahn“ 2008 erstmals thematisiert. „Ich selber habe Geld von Augstein und Nannen für die Kampagne bekommen“, so der 69-Jährige auf MEEDIA-Anfrage, „unter den Spendern waren viele Verleger.“ Über die Beweggründe macht sich Schneider keine Illusionen: „Springer war der größte Haifisch im Becken, das weckte auch Konkurrenzgefühle. Sicherlich waren da nicht nur noble Motive im Spiel, sondern auch der Versuch, einen marktbeherrschenden Verlag kleiner zu machen.“ Allerdings sei er auch überzeugt, dass sowohl der „Spiegel“-Gründer wie auch der „Stern“-Chef das „aufrichtige Gefühl hatten, dass Springer in diesen Jahren zu einer Gefahr für die Demokratie hätte werden können“.

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