Spannende Tage für die „New York Times“

Wenn einem das Wasser zum Halse steigt, greift man zu riskanten Maßnahmen. So erhöht die sorgengeplagte „New York Times“ zum dritten Mal in nur zwei Jahren ihren Copypreis: ab heute kostet die Zeitung von Montag bis Samstag 2 Dollar statt 1,50, für die Sonntags-Ausgabe muss man sogar 5 statt 4 Dollar zahlen. Die Preiserhöhung betrifft zunächst nur den Einzelverkauf. Der Abopreis bleibt erst einmal stabil, dürfte aber später angepasst werden - sofern es am Kiosk nicht zur größeren Verkaufseinbußen kommt.

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Wenn einem das Wasser zum Halse steigt, greift man zu riskanten Maßnahmen. So erhöht die sorgengeplagte „New York Times“ zum dritten Mal in nur zwei Jahren ihren Copypreis: ab heute kostet die Zeitung von Montag bis Samstag 2 Dollar statt 1,50, für die Sonntags-Ausgabe muss man sogar 5 statt 4 Dollar zahlen. Die Preiserhöhung betrifft zunächst nur den Einzelverkauf. Der Abopreis bleibt erst einmal stabil, dürfte aber später angepasst werden – sofern es die nächsten Wochen am Kiosk nicht zur größeren Verkaufseinbußen kommt.
Die NYT liefert rund 70% ihrer verkauften Auflage über Abos aus. Der Hintergrund für diesen Schritt sind dramatische Erlöseinbrüche: alleine im letzten Quartal hatte die Times ein Umsatzminus von 19 Prozent hinnehmen müssen, wobei die Anzeigenerlöse im Vergleich zum Vorjahr sogar um 27% zurückgegangen sind. Das hat dazu geführt, daß der Verlag, zu dem auch „The Boston Globe“ und weitere 16 Tageszeitungen gehören, in den ersten 3 Monaten dieses Jahres 74 Mio Dollar verloren hat.
Die heutige Preiserhöhung gilt als riskant. Aufgrund der Wirtschaftskrise sparen die Konsumenten hier in den USA inzwischen auch bei kleinsten Beträgen. Die Kaffeehaus-Kette Starbucks hat das die letzten Monate schmerzlich spüren müssen. Hinzu kommt, daß noch immer fast alle Artikel aus der New York Times kostenlos auf der Website der Zeitung (www.nytimes.com) angeboten werden. Zwar experimentiert und testet der Verlag intern mit verschiedenen Pay-Modellen, hat sich aber bisher zu keiner konkreten Maßnahmen durchringen können.
Dabei sind die Voraussetzungen eigentlich denkbar günstig: die Akzeptanz der Zeitung ist nach wie vor unbestritten, die NYT-Website dürfte das beste Zeitungsangebot der Welt bieten, und der neue Times Reader findet überall Beifall. Die Auswirkung der Copypreis-Erhöhung bei der Printausgabe wird in der US-Medienindustrie mit großer Spannung betrachtet. Sollte es zu keinen nennenswerten Auflagen-Einbußen kommen, könnte diese Preiserhöhung für die NYT zu einem kleinen Befreiungsschlag werden.
Wahrscheinlicher ist aber, dass sie den Verkauf unter die psychologisch wichtige 1 Mio.-Grenze drücken wird. Die „Weekday Circulation“ der New York Times beträgt zur Zeit 1,04 Mio. Exemplare, das Minus gegenüber Vorjahr betrug mehr als 3%. Vor der ersten Copypreis-Erhöung im Juni 2007 verkaufte die Zeitung 1,12 Mio Exemplare.

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