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Warum der Gabriel Grüner-Preis wichtig ist

Zu den ganz großen Preisen und Auszeichnungen im Journalismus gehört das Gabriel Grüner-Stipendium nicht. Doch wer die zehnte Verleihung am Donnerstagabend im Auditorium der Hamburger Gruner + Jahr-Zentrale mitverfolgt hat, kann sich des Eindrucks nicht entziehen: Dieser Nachwuchs-Preis gehört zu den ganz wichtigen Ehrungen – auch und gerade in den Zeiten von Krise und Kostendruck. Benannt nach einem vor zehn Jahren ermordeten „Stern“-Reporter, steht der Preis für die Ur-Tugenden des Berufs.

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Zu den ganz großen Preisen und Auszeichnungen im Journalismus gehört das Gabriel-Grüner-Stipendium nicht. Doch wer die zehnte Verleihung am Donnerstagabend im Auditorium der Hamburger Gruner + Jahr-Zentrale mitverfolgt hat, kann sich des Eindrucks nicht entziehen: Dieser Nachwuchs-Preis gehört zu den ganz wichtigen Ehrungen – auch und gerade in den Zeiten von Krise und Kostendruck. Benannt nach einem vor zehn Jahren ermordeten „Stern“-Reporter steht der Preis für die Ur-Tugenden des Berufs.

Gewonnen haben zwei noch nicht einmal 25-jährige Journalisten, die mit dem Preisgeld eine Reportage realisieren können. Amrai Coen, 22, und der Fotograf Fabian Brennecke, 24, werden an die amerikanisch-mexikanische Grenze reisen und das Schicksal illegaler Einwanderer in die USA porträtieren. Ihr eingereichtes Konzept ist auch das Statement junger Berufseinsteiger, die trotz der entmutigenden Rahmenbedingungen an dem festhalten, was sie – wie viele andere vor ihnen – für ihre Mission halten: die Wahrheit zu erzählen, und das auch unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen.

Gabriel Grüner, der im „Stern“-Auslandsressort arbeitete und in vielen Krisengebieten im Einsatz war, wurde diese Grundhaltung zum Verhängnis. Am 13. Juni 1999, als der Krieg im Kosovo praktisch vorüber war, wurden der damals 35-Jährige zusammen mit dem langjährigen „Stern“-Fotografen Volker Krämer und ihrem Fahrer erschossen. Der Täter war offenbar ein russischer Söldner, der es auf das Fahrzeug der Reporter abgesehen hatte. Grüner war Idealist, aber kein Träumer. Er war sich der Gefahr bewusst, die in den rechtsfreien Räumen der verfeindeten Balkanrepubliken auch für Neutrale lauerten. Aber er wusste auch, dass sein Fernbleiben bedeutet hätte, dass Leid und Tragik vor Ort draußen in der Welt nicht oder weniger wahrgenommen würde.
Für die Hamburger Redaktion des „Stern“ war der Mord an den Kollegen ein bis heute nachwirkender Schock. Die Entsendung von Reportern in umkämpfte Gebiete wird seither noch sorgfältiger geprüft. Aber allen Beteiligten ist auch klar, dass es immer ein Restrisiko gibt. Chefredakteur Thomas Osterkorn, der die Veranstaltung eröffnete, berichtete über die langwierige und letztlich erfolglose Suche nach dem Mörder, bei der „Stern“-Redakteure intensiv recherchierten und den ermittelnden Behörden zentrale Indizien und Zeugenaussagen lieferten. Auch diese Nachforschungen in eigener Sache sind ein beeindruckendes Beispiel für investigativen Journalismus.
Neben Osterkorn, der wenige Tage nach dem Mordfall zusammen mit Andreas Petzold Chefredakteur wurde und auf Michael Maier folgte, war neben Angehörigen der Opfer und Weggefährten auch Gerd Schulte-Hillen gekommen. Der langjährige G+J-Vorstandschef, heute als Medienberater tätig, übernahm die Ehrung der Nachwuchsjournalisten und wies auf den Wert unerschrockener und bedingungsloser Wahrheitssuche hin. Dass Reporter bereit seien, ihr Leben zu riskieren, um die Realität zu schildern, spiegele die besondere Rolle der Medien für Demokratie und Freiheit.
Wem das angesichts der Strukturdiskussionen und Zahlenspiele, die das aktuelle Medien-Business beherrschen, ein wenig pathetisch erscheint, der sollte sich vor Augen halten, dass genau dieser leidenschaftliche Einsatz die lange Erfolgsgeschichte der großen Magazine begründet hat. Und es kann nicht falsch sein, dies der nachfolgenden Generation von Reportern zu vermitteln. Das Gabriel Grüner-Stipendium ist dazu eine gute Gelegenheit.

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