TimeWarner trennt sich final von AOL

Es ist offiziell: Der Medienriese TimeWarner wird seine Internet-Tochter AOL abspalten. Das beschloss der Aufsichtsrat heute auf einer Sitzung in New York. Damit endet rund neun Jahre nach der Übernahme durch AOL die geschichtsträchtige Verbindung zwischen alten und neuen Medien, die sich in der Praxis als einziges Missverständnis entpuppte. AOL steht unter dem neuen CEO Tim Armstrong vor einer einschneidenden Restrukturierung, die in einem eigenständigen Börsengang gipfeln soll.

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Die Spekulationen hatten nicht getrogen: Wie das „Wall Street Journal“ in seiner Online-Ausgabe gestern berichtet hatte, würde auf der heute stattfindenden Aufsichtsratssitzung abgesegnet werden, was in der Praxis längst beschlossene Sache war – das Ende der ungleichen Medien-Ehe zwischen TimeWarner und AOL.

Nach einem Jahrzehnt der Irrungen, Wirrungen und massiven Wertvernichtungen wird die einst Traumhochzeit bejubelte Fusion zwischen- On- und Offlinewelt damit nun wieder aufgelöst. „Wir glauben, dass die Trennung das beste Ergebnis für Time Warner und AOL ist“, erklärt TimeWarner-CEO Jeff Bewkes den Schlussstrich. Die Trennung sei vielmehr „ein weiterer wichtiger Schritt in der Neugestaltung von TimeWarner.“

Zur Erinnerung: Am 10. Januar 2000 hatte AOL TimeWarner noch für 160 Milliarden Dollar übernommen. Zusammen hatten beiden Unternehmen zum Zeitpunkt des Zusammenschluss den virtuellen Börsenwert von 350 Milliarden Dollar.  Heute kommt Time Warner gerade mal auf eine Börsenbewertung von 27 Milliarden, während AOL nach jüngsten Beteiligungs-Abschreibungen von Google auf gerade noch fünf Milliarden Dollar kommt.  

Googles 5-Prozent-Anteil soll zurückgekauft werden

Mit der Übernahme der Geschäfte bei AOL durch den neuen CEO Tim Armstrong im März hat sich der Abspaltungsprozess konkretisiert. Armstrong hatte seinerzeit durchblicken lassen, dass nach der Restrukturierung auch wieder ein Börsengang denkbar wäre.  TimeWarner-CEO Bewkes erklärte gleichzeitig: „Ein unabhängiges AOL hat die bessere Chance, sein volles Potenzial als führendes Internet-Unternehmen zu entfalten.“

Dafür steht jedoch zuvor ein massiver Umbauprozess an: Festhalten will AOL an dem Internet-Zugangsgeschäft, während jüngst erworbene Beteiligungen wie Bebo, Userplane und Truveo im Untermnehmensbereich AOL Ventures ausgegliedert werden, dem weiteres Beteiligungskapital zufließen soll. Die letzten 5 Prozent am Unternehmen, die Google 2006 erworben hatte, will TimeWarner im dritten Quartal zurückkaufen. Im März hatte TimeWarner bereits die Abspaltung von einer Kabelsparte vollzogen.

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