Web im Wahlkampf immer wichtiger

Das Internet gewinnt im Superwahljahr 2009 immer mehr an Bedeutung. Rund zwei Drittel der deutschen wahlberechtigten User nutzen das Internet als Kanal, um sich über Politik zu informieren. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle W3B-Studie von Fittkau & Maaß. Somit liegt das Web als politische Informationsquelle auf Platz zwei gleich hinter dem Fernsehen, das mit 76 Prozent die Rangliste anführt. Die Online-Dependancen der Parteien spielen dabei aber immer noch eine untergeordnete Rolle.

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Trotz des immer wiederkehrenden Mantras, dass man in Deutschland vorerst noch keinen Web-Wahlkampf im Stile Barack Obamas erleben werde, gewinnt das Web als geeignete Quelle für politische Informationen zusehends an Bedeutung. Laut W3B-Umfrage wird das Internet vor allem von Männern sowie von potentiellen Wählern der FDP genutzt, um sich über Politisches auf dem Laufenden zu halten. Lediglich vier Prozent der deutschen Internet-Nutzer im Alter ab 18 Jahre informieren sich nach eigenen Angaben gar nicht über Politik.

Ein interessantes Ergebnis der Studie: Gerade im Wahlkampf hat das Web ein enormes Potential. Ein Drittel der deutschen Internet-Nutzer gibt an, im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl das Internet einsetzen zu wollen, um sich über Parteien und deren Programme zu informieren. Fast jeder Vierte (24 Prozent) will sich via Internet detaillierte, persönliche Informationen über Politiker verschaffen. Immerhin zehn Prozent gehen davon aus, dass das Internet einen wesentlichen Einfluss auf ihre Wahlentscheidung haben wird.

Als immer noch ausbaufähig  werden die Web-Auftritte der politischen Parteien wahrgenommen. Ob dieses Potential erschlossen werden kann, wird sich laut Studie in den kommenden Monaten zeigen. Die Anfänge sind bereits gemacht, fast alle Parteien bieten interaktive Online-Angebote an. Bislang sind die Versuche aber noch nicht besonders ausgereift. Die erzielten Reichweiten hinken denen eines Obama beim US-Wahlkampf noch hoffnungslos hinterher.

Im Augenblick sind News-Sites die wichtigsten Multiplikatoren politischer Themen und Inhalte. Mit großem Abstand führen Websites von Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsendern die Rangliste der meistgenutzten Internet-Informationsquellen an: Jeder zweite wahlberechtigte User sucht sich entsprechenden Content auf Web-Portalen von Zeitungen und Zeitschriften. Die Web Sites der verschiedenen Fernsehanstalten werden von 20 bis 40 Prozent angesurft. Im Vergleich dazu haben die deutschen Parteien noch großen Aufholbedarf: Lediglich jeder zehnte wahlberechtigte deutsche Internet-Nutzer gibt an, Partei-Websites als politische Informationsquelle zu nutzen. Auch die Internet-Seiten der Bundesregierung werden von nur 12 Prozent frequentiert.

Die vielzitierten Web 2.0-Angebote konnten sich trotz zahlreicher Initiativen unter anderem auf StudiVZ/MeinVZ oder Facebook bislang noch keine nennenswerte Position in der politischen Online-Landschaft erobern: Nur jeder zwanzigste Nutzer verwendet diese als Informationsquelle zum Thema Politik. Nur die Microblogging-Dienste wie Twitter werden noch weniger genutzt. Diese liegen abgeschlagen am Ende des Rankings mit nur einem Prozent.

Dennoch könnte sich der Aufwand für Parteien lohnen: Die W3B-Studie zeigt, dass sich immerhin noch über ein Drittel der Internet-Nutzer nicht entschieden hat, welcher Partei sie bei der Bundestagswahl seine Stimme geben möchte. Insbesonde unter den Internet-nutzenden Frauen finden sich noch viele Unentschlossene – und somit großes Potential für die Parteien, Wähler/innen im Netz zu gewinnen.

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