Scoyo: Bertelsmanns echte Web-Innovation

Für Bertelsmann ist es wohl das wichtigste Web-Projekt des Jahres: Die Lernplattform Scoyo ist mutig, teuer und innovativ. Gerüchten zufolge, verschlang das Netz-Projekt bereits einen zweistelligen Millionbetrag an Anschubfinanzierung. Langfristig könnte eine fette Rendite winken. Denn mit Scoyo wird ein völlig neues Segment erschlossen: „In unserem Markt gibt es de facto keine Konkurrenz“, sagt Geschäftsführer Ralf Schremper im MEEDIA-Interview.

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Was bedeutet Scoyo?
Scoyo ist ein Phantasiename, der in den meisten Sprachen gleich ausgesprochen wird. Wie wir hören, denken viele Menschen dabei an „School for You“. Das gefällt uns.
Erklären sie in drei Sätzen: Was ist Scoyo?
Scoyo ist eine innovative Online-Lernplattform und bietet Inhalte an, die die Lernziele der 16 Bundesländer umfassen. Dieses Wissen wird in über 3.000 Lerngeschichten, Übungen und Tests spielerisch vermittelt. Oder vereinfacht: Kinder können, während sie in animierten Zeichentrickwelten spielen, nachhaltig lernen und dabei ihre schulischen Leistungen verbessern.
Wie baut man solch ein großes und ambitioniertes Projekt auf? Ist das nicht die reinste Mammutaufgabe?
Es ist in der Tat eine sehr umfangreiche Aufgabe. Unser Anspruch ist es, ein Online-Lernportal zu schaffen, das nicht nur gut aussieht, sondern echten Nutzen bringt. Weil es de facto keine Konkurrenz auf dem Markt gibt, mussten wir intern die Messlatte so hoch wie möglich ansetzen, um in der neuen Gattung „Edutainment“, die Lernen und Spielen verknüpft und sich aus den Wörtern Education und Entertainment zusammensetzt, eine Benchmark zu setzen. Die größte Aufgabe ist es, den Eltern gerecht zu werden, die für ihre Kinder nur das Beste wollen und die wir in diesem Ziel so erfolgreich wie möglich unterstützen wollen.
Wie viele Leute arbeiten an Scoyo mit?
Wir arbeiten – wie die meisten Start-Ups – mit sehr vielen freien Mitarbeitern, vor allem Technikern und Entwicklern. Das Team von Scoyo besteht derzeit aus etwa 60 Mitarbeitern.

In der Branche spricht davon, dass Bertelsmann für Scoyo zwischen 15 und 20 Millionen Euro investiert hat. Spüren Sie einen gewissen Druck, dass das Projekt auch ein Erfolg wird?

Solche Zahlen kommentieren wir grundsätzlich nicht, und für Bertelsmann kann ich nicht sprechen. Den Druck, den wir spüren, machen wir uns in erster Linie selbst. Wir bei Scoyo glauben an das neue Feld Edutainment und wollen hier Marktführer sein.

Scoyo gilt als das aktuell wichtigste Web-Projekt von Bertelsmann. Warum setzt das internationale Medienhaus im Netz gerade auf eine Lernplattform?
Diese Frage müssen Sie der Bertelsmann AG stellen. Scoyo ist ein eigenständiges Unternehmen. Daher können wir diese Frage nur aus unserer eigenen Perspektive beantworten: Im Bildungs-Bereich gibt es bisher keine hochwertigen Angebote, die Kinder spielerisch nutzen und dabei lernen können. In diese Lücke tritt Scoyo.
Gibt es ein internationales Vorbild für Ihre Plattorm?
Es gibt kein vergleichbares Angebot. Scoyo stellt somit eine echte Innovation dar.
Wie ist die Idee zu Scoyo entstanden?
Wir haben verschiedene Studien gemacht und festgestellt, dass es im Bereich Online-Bildung bisher keine etablierte Marke gibt, wie wir dies in anderen Internetsegmenten sehen. Außerdem gibt es kein Angebot, durch das Kinder spielerisch ihre schulischen Leistungen fördern. Mit scoyo möchten wir somit nicht nur eine bislang unbearbeitete Marktnische, sondern auch mit zukunftsorientiertem „game based learning“ eine Lücke im Internet schließen.

Wie bewirbt man solch ein Projekt. Die Kinder wird man ja kaum über Web-Werbung erreichen können?
Unsere Kommunikationsmaßnahmen umfassen drei Zielgruppen: Eltern, Kinder und auch Lehrer. Eltern müssen wir davon überzeugen, dass neue Medien und insbesondere das Internet nicht nur Gefahren für Kinder mit sich bringen, wie es immer wieder kolportiert wird, sondern auch Vieles vereinfacht. Und selbstverständlich auch Kinder, da sie letztendlich diejenigen sind, die scoyo aktiv nutzen sollen. Um sie für das Angebot zu begeistern, kommunizieren wir aktiv dort, wo sich Kinder aufhalten: in jungen Communities, Jugendzeitschriften und nicht zuletzt auch über Kanäle wie Youtube oder Twitter. Die Lehrer wurden frühzeitig in den Entwicklungsprozess von scoyo eingebunden, damit das Angebot aus didaktischen und medienpädagogischen Gesichtspunkten den Anforderungen standhält.

Sie engagieren sich stark im Bereich Medienkompetenz. Warum?

Medienkompetenz wird sich in den nächsten Jahren zunehmend zu einer der wichtigsten Säulen unserer Gesellschaft entwickeln. Bis vor einigen Jahren, und so bin ich ja selbst noch groß geworden, waren wir ja ausschließlich Empfänger – es sei denn, man hat in den Medien gearbeitet. Heute kann jeder, auch jedes Kind, das lesen und schreiben kann, ohne großen Aufwand zum Sender werden. Das birgt eine Menge Chancen – aber auch Gefahren. Erst wenn Eltern und Kinder gemeinsam das Internet und neue Medien entdecken und sich über das Gesehene unterhalten, ist gewährleistet, dass ein sicherer und vernünftiger Zugang zu Informationen besteht. Darum haben wir die Initiative für generationsübergreifende Medienkompetenz gegründet. Unser Ziel ist es, dass Kinder und Eltern sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen. Während Kinder technische Innovationen leichter verstehen und anwenden können, braucht es in vielen Fällen die Erfahrung von Erwachsenen, um das Gesehene zu verorten und in den richtigen Kontext einordnen zu können. Mit der Initiative wollen wir diese Brücke schlagen.
Mit wem arbeiten sie bei dieser Aktion zusammen?
Mit dem deutschen Kinderhilfswerk, der Stiftung Digitale Chancen sowie der BerlinMediaProfessionalSchool der Freien Universität Berlin.

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