„Quality“: gefällig, aber nicht innovativ

"Qvest"-Gründer Contstantin Rothenburg launcht ein neues Magazin – und alle schauen hin. Denn "Quality" zielt auf die Lücke, die "Vanity Fair" und "Park Avenue" hinterlassen haben: Gesellschaft, Wirtschaft, Politik sind die Themen, die Optik ist opulent. "Das Magazin über Menschen und Marken" – wie Rothenburg "Quality" definiert – unterhält mit seiner grün angehauchten Erstausgabe (Titelthema: "die grüne Konservative") bestens. Aber: ist die von "Quality" gefüllte Lücke auch eine Marktlücke?

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Denn das, was „Quality“ zuallererst liefert – Reportagen, Portraits, Hintergründe – findet sich in ähnlicher Thematik immer wieder auch in „SZ Magazin“, „Zeit Magazin“, „Brandeins“ und anderswo. Auch die Bildsprache  ist edel, aber nicht neu. Und die Autoren, unter anderem Sven Michaelsen, Philipp von Studnitz oder Steffi Kammerer, die kennt man doch von…? Ja genau, die kennt man noch – von ihrer Zeit bei „Park Avenue“ etwa.

Doch Chefredakteur Rothenburg ist offensichtlich klar, dass „Quality“ Anleihen nimmt – und stellt sich selbstbewusst und augenzwinkernd der zu erwartenden Kritik: gleich im Editorial lässt er die Leser wissen, er möge „irgendwie Dinge, vor denen die Leute Angst haben“. Um direkt unter das Editorial in Fußnoten darüber aufzuklären, von wem er diesen Satz und auch die restlichen in seinem Vorwort hat. Unter anderem: Karl Lagerfeld in einem „Park Avenue“-Interview, Ewan McGregor im „SZ Magazin“ und Bundespräsident Köhler in der „Bild“.

Diese feine Ironie ist es denn auch, die „Quality“ von Titeln wie „Vanity Fair“ und „Park Avenue“ abhebt. Eine werbekundenfreundliche Bildstrecke läuft etwa unter der Headline „Product Placement“. Auf der letzten Seite geben in der Rubrik „Wahre Werte“ bekannte Persönlichkeiten ihre Marken-Fetische preis. Und alle Artikel haben am oberen Heftrand eine klein gedruckte Überzeile, die mal “ Wie Kunst und Kommerz doch zusammengehen“ heißt, ein anderes Mal: „Wie man Wurstwaren mit Mythos würzt“. Der aufmerksame Leser wird solche Anspielungen im ganzen Heft finden – und sich freuen, wenn er sie versteht.

Weniger aufmerksame Leser werden allerdings auch ihren Spaß an der 176-seitigen Erstausgabe von „Quality“ haben. Nicht zuletzt wegen der Optik. „Quality“ erscheint in Übergröße, außen hochglänzend, innen zeitgeistgemäß schlicht – jedoch ohne das Auge zu langweilen; immer wieder gibt es etwas zu entdecken. Schon bei einem ersten Durchblättern stellt man fest, das Bilder bei „Quality“ das Sagen haben: allein im ersten Heft finden sich drei Bildstrecken, zudem sind sämtliche Reportagen mit umfassenden Bildmaterial versehen. Schade eigentlich, denn die Texte müssen sich nicht verstecken.

Vor allen Dingen die Portraits sind es, die überzeugen. Etwa das über die beiden österreichischen Musikerinnen Anja Plaschg und Eva Jantschitsch unter der Headline „Jelinext“ oder das über den „grünen“ Prinz Charles. Außerdem im Heft: Interviews mit den Modedesignern Thom Browne, Calvin Klein und dem Hamburger Interieur-Duo Peter Kempe und Thomas Kuball. Und Reportagen. Ein spannender Einblick in die Welt der Thonet-Möbel oder ein Lagebericht, der den aktuellen Hype ums Olivenöl widerspiegelt.

Die mit 3,50 € vergleichsweise günstige „Quality“ macht vieles gut, aber nicht besser als die Konkurrenz – und das könnte zum Problem für Chefredakteur Rothenburg werden, der das Magazin in Eigenregie herausbringt. Es fehlt das Alleinstellungsmerkmal. Man hätte Rothenburg gewünscht, dass er im Blätterwald ein bisschen weniger nach links und rechts schielt. Und stattdessen seinen eigenen Weg geht.

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