Krise: G+J-Chef schließt Kurzarbeit nicht aus

Brandrede in der Baumwall-Kantine: In einer 30-minütigen Ansprache an die Mitarbeiter von Gruner + Jahr schwor Vorstandschef Bernd Buchholz am Mittwochnachmittag seine Hamburger Mannschaft auf drastische Sparmaßnahmen ein. Der 47-Jährige erklärte, das Anzeigengeschäft sei im ersten Quartal gegenüber dem schon schwachen Vorjahr um 25 Prozent eingebrochen, beim Konzernergebnis habe Gruner + Jahr in diesem Zeitraum Verlust geschrieben. Buchholz schloss auch Kurzarbeit bei einzelnen Objekten nicht aus.

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Für die rund 900 Mitarbeiter hatte Buchholz keine guten News: „Die Krise trifft uns dramatisch. Die Umsätze brechen weg.“ Dass in manchen Medien schon wieder von einem Ende des Konjunktureinbruchs die Rede sei, könne er nicht bestätigen: „Das Licht am Ende des Tunnels sehen wir noch nicht.“ Er kritisierte, dass durch Lancierung von Interna der Eindruck entstanden sei, Gruner + Jahr stehe schlechter da als andere Großverlage: „Das ist aber nicht so.“
Auch wenn der Vorstandschef keinerlei konkrete Zahlen oder Maßnahmen verkündete („Es gibt noch keine Beschlüsse“), machte der promovierte Jurist klar, dass alle Bereiche derzeit auf Kostenoptimierung sondiert würden. Dazu zähle vor allem der Anzeigenbereich, aber auch der „Workflow in den Redaktionen“. Auch Kurzarbeit sei ein Thema, das geprüft werde. Allerdings: „Vom Qualitätsjournalismus rücken wir nicht ab.“ Dieser müsse aber bezahlbar bleiben. Und: „Wir schauen uns alles genau an, Sparen nach der Rasenmähermethode wird es nicht geben.“
Beim energiegeladenen Auftritt ging Buchholz auch mit dem Betriebsrat hart ins Gericht. So warf er einigen der G+J-Arbeitnehmervertretern vor, Gespräche über Zugeständnisse „rundheraus“ abzulehnen. Dadurch seien auch Verhandlungen über einen Sozialpakt blockiert habe. Durch diesen hätten Arbeitsplätze gesichert werden können, in dem alle Mitarbeiter auf Sonderzuwendungen, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld verzichtet hätten. Anwesende Betriebsratsmitglieder widersprachen dieser Darstellung.
Die Reaktionen der Angestellten auf die dramatische Situation seien, so der Vorstandschef, in drei Kategorien einzuteilen: Die einen schätzen die Lage realistische ein, andere, die bei profitablen Titeln arbeiteten, glaubten, man könne die Probleme lösen, indem man weniger profitable Angebote oder Verlustbringer einstelle.  Die dritte Gruppe habe einfach Angst, und die könne er auch keinem nehmen. Buchholz stellte klar: „Alle Titel sind betroffen. Gruner + Jahr muss weiter investieren, um zukunftsfähig zu bleiben.“
Einen Zeitplan für die zustimmungspflichtigen Maßnahmenpakete gibt es noch nicht. Insider rechnen damit, dass frühestens Ende Juni erste Beschlüsse vom Gruner + Jahr-Aufsichtsrat gebilligt werden können. Die Umsetzung dürfte dann zum Ende des dritten Quartals erfolgen.

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