10 Gründe, warum die Deutschen versagen

Die deutsche Schlagerwelt leckt sich die Wunden. Die mit großen Hoffnungen gestartete Nummer von „Alex swings Oscar sings“ beim Eurovision Song Contest fiel gnadenlos durch und belegte nur den 20. Platz. Deutsche Misserfolge bei dem europäischen Lieder-Wettbewerb haben eine traurige Tradition. MEEDIA analysiert, total subjektiv, warum die Deutschen beim „Song Contest“ immer und immer wieder aufs Neue versagen: der Versuch einer Aufarbeitung der Grand Prix-Dauerpleite.

Anzeige

1. Die Deutschen sind zu unsympathisch

Eine bittere Erkenntnis, aber man muss sich ihr stellen. Die Deutschen dürften beim Eurovision Song Contest nicht direkt als Sympathieträger durchgehen. Zu humorlos, überheblich und beleidigt sind Jahr für die Jahr die Einlassungen in den Medien und Teilen der Öffentlichkeit, wenn mal wieder ein deutscher Beitrag baden ging. Einen Außenseiter-Bonus dürfen die Deutschen aber auch nicht für sich verbuchen. Immerhin ist Deutschland eine große Industrienation mit selbst ernannten Alleskönner-Nimbus. Der „Song Contest“ mag für manchen Kleinstaat eine willkommene Gelegenheit sein, dem großen „Zahlmeister“ aus dem Westen wenigstens hier zu demonstrieren, dass man mit Geld nicht alles kaufen kann.

2. Die leidige „Balkan-Connection“

Die viel zitierte „Balkan-Connection“ oder das „Balkan-Bollwerk“ oder die „Ost-Mafia“, wie sie in Medien gerne genannt wird. Gemeint ist die deutschstämmige Theorie, dass sich die osteuropäischen Staaten untereinander die Stimmen zuschanzen und die armen Westeuropäer (gemeint: die Deutschen) dabei leer ausgehen. Da muss man sagen: Pech gehabt. Zumal es ja nicht so ist, dass die westeuropäischen Staaten leer ausgehen. So konnten sich in jüngerer Zeit schon die finnischen Hardrock-Karnevalisten Lordi auf dem Siegertreppchen platzieren und aktuell gewann der Titel aus Norwegen. Für Anhänger der „Ost-Mafia“-Theorie kein Argument: Der Sänger ist schließlich gebürtiger Weissrusse…

3. Der „Song Contest“ wird zu ernst genommen

Hier liegt wohl der Kern der Sache. Die deutschen, die ARD zumal, nehmen den Wettbewerb einfach zu ernst. Den größten Erfolg in der jüngeren Vergangenheit hatten deutsche Beiträge von Stefan Raab, die entweder durch erfrischende Un-Ernsthaftigkeit glänzten („Wadde hadde dudde da?“, „Guildo hat euch lieb“) oder musikalisch Substanz hatten (Max Mutzke). Die beschwingte Nummer von Texas Lightning („No no, never) war ebenfalls ein toller „Song Contest“-Beitrag. Als der durchfiel, verstanden die Deutschen prompt die Welt nicht mehr. Dabei gilt: mehr Selbstbewusstsein!

4. Zu sehr aufs Gewinnen fixiert

Die Deutschen sind zu sehr aufs Gewinnen fixiert. Seit Nicole mit der weißen Gitarre „Ein bisschen Frieden“ sang, steht die Nation unter einer Art innerem Zwang, den Contest-Coup zu wiederholen. Warum eigentlich? Warum Nicole damals den Sieg davonträllerte, kann auch kein Mensch rational begründen.

5. Der „Song Contest“ ist unberechenbar

Denn der „Song Contest“ ist unberechenbar. In einem Jahr gewinnt eine Transsexuelle aus Israel, im anderen finnische Zombie-Clowns, dann eine osteuropäische Uffta-Uffta-Kapelle und diesmal eben ein norwegischer Harry-Potter mit Geige. Was soll‘s? Nur die Deutschen analysieren nach jedem „Song Contest“ mit hingebungsvollem Masochismus warum es diesmal wieder nichts geworden ist und basteln am todsicheren Erfolgs-Rezept für das nächste Mal. Mit den bekannten Ergebnissen.

6. Den Trends wird hinterhergehechelt

Das hat zur Folgen, dass die deutschen Beiträge zum „Song Contest“ keine Trend machen, sondern bestenfalls den Trends vom vergangenen Jahr hinterherhecheln. Sex zieht? Prima! Dann eben die No Angels, die prompt den letzten Platz belegten. Sofort wird analysiert: zu wenig international! Dann wird halt die US-Stripperin Dita von Teese für viel Geld verpflichtet, damit sie sich im Hintergrund entblättert. Wie diese Art von Scheckbuch-Mentalität ankommt, konnte man am Wochenende besichtigen. Gar nicht gut. Jetzt heißt es, dass gefühlvolle Titel und Balladen gut weggekommen sind. Man kann sich ausrechnen, in welche Richtung der nächste deutsche „Song Contest“-Beitrag gehen wird.

7. Zu USA-orientiert

Die deutschen Titel sollen immer „internationale Qualität“ haben, auf das „europäische Publikum zugeschnitten“ sein usw. Dann freut man sich wie Bolle, wenn „Alex swings Oscar sings“ bei Oprah Winfrey im US-Fernsehen auftreten. Da ist man zwar wahnsinnig international, hat aber offenbar vergessen, dass es sich um einen europäischen Wettbewerb handelt.

8. Das Vor-Auswahlverfahren wird ständig geändert

Erfolg braucht Bestand. Bisher wurde das Vorauswahl-Verfahren noch in jedem Jahr umgekrempelt. Nach der aktuell miserablen Position heißt es bereits am nächsten Tag schon wieder, dass man „im kommenden Jahr radikal neu denken“ muss. So der Mr. „Song Contest“ Thomas Schreiber. Diesmal wurde der Beitrag hinter den Kulissen ausgetüftelt, weil man nichts dem Zufall, bzw. dem Publikum überlassen wollte. Nächstes mal wird es dann wohl wieder ein Voting geben oder ein mehrteiliges Casting oder eine Kooperation mit ProSieben. Egal, auf jeden Fall irgendetwas anderes!

9. Zu viel Marketing-Arithmetik

Ein bisschen was fürs Auge (Dita von Teese), ein Chart-erprobter Produzent (Alex Christensen), ein internationaler Sänger (Oscar Loya) fertig ist das Erfolgsprogramm der deutschen Sanges-Apparatschiks. Dazu Auftritte im US-Fernsehen und ein ordentlicher Presserummel wegen Frau von Teese. Die Deutsche haben die Marketing-Schraube diesmal deutlich überdreht. Authentisch wirkte da gar nichts mehr, sondern der Erfolg sollte mit der PR-Brechstange her. So etwas wird gnadenlos abgestraft.

10. Die Deutschen spielen immer die beleidigte Leberwurst

„Soll Deutschland überhaupt noch am Grand Prix teilnehmen“, fragt „Bild.de“ nach der neuerlichen Niederlage. Solche Schlagzeilen sind dem Image der Deutschen bei der Veranstaltung natürlich wenig förderlich. Zudem wird jedesmal peinlich aufgerechnet, wieviele Punkte „wir“ vergeben haben und wieviele Punkte daraufhin zurückkamen. „Wir“ gaben den Norwegern diesmal volle Punktzahl. Zurück kamen aber „nur“ vier. Da schwingt teutonisches Beleidigtsein und der Vorwurf der Undankbarkeit mit. Das macht einen nicht gerade attraktiv. Siehe Punkt 1.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige