Lobo: „Das ganze Web 2.0 ist ein Hype“

Sascha Lobo ist der unumstrittene Star der deutschen Web-Szene: Der 34-jährige Berliner besitzt nach "Spiegel Online" die meisten Follower bei Twitter, einige der meistbeachteten Blogs der deutschen Internetlandschaft und hat zwei erfolgreiche Bücher veröffentlicht ("Wir nennen es Arbeit" und "Dinge geregelt kriegen"). MEEDIA sprach mit Lobo am Rande der Next09 über seinen Aufstieg, die weiteren Pläne und die Nachhaltigkeit von Internet-Hypes wie Twitter und Facebook.

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MEEDIA: Sie sind die Ikone des Web 2.0: Sie haben nach Spiegel_EIL die meisten Follower in Twitter, Ihre Blogs haben längst Kult-Status erreicht. Wie kam es zu dem Aufstieg?

Sascha Lobo: Naja, Ikone oder Kult sind ein bisschen  hochgegriffen. Aber ich habe mir schon vorgenommen, Dinge zu tun, die öffentlichkeitsrelevant sind. Das ist ein lang angelegtes Projekt.

Tatsächlich? Ärgert es Sie dann, wenn man Sie einen „Vermarkter in eigener Sache“ nennt?

Gar nicht. Ich empfinde das eher als Auszeichnung. Ich tue das ja auch zweckorientiert, denn es muss ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden. Das Netz ist zu relevant, um ignoriert zu werden. Es müssen viele Menschen die Web-Fackel nach vorne tragen. Ich mache das gerne.

Gebrannt hat die Web-Fackel zuletzt auch ziemlich hell auf der Internetkonferenz next09 letzte Woche. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Es war zwar wenig wirklich Neues dabei. Auf der anderen Seite sind es aber nicht mehr dieselben Leute. Es ist die Szene präsent, es sind aber auch Dax-Unternehmen hier vertreten. Das findet man sonst nicht oft. Auch ist die next09 internationaler geworden. Die Mischung stimmt.

Was hat Ihnen gefallen, was weniger?

Es waren einige gute Panels und Vorträge dabei. Es ist etwa nicht so schwer, Jeff Jarvis super zu finden. Das war fraglos ein Highlight der diesjährigen next. Auf der anderen Seite gab es auch Enttäuschungen. Der Auftritt von T-Mobile war leider völlig belanglos, ohne etwas Neues. Und Andrew Keen provoziert gerne, das weiß man ja schon vorher, kann am Ende aber seine Positionen nicht aufrechterhalten.

Wie ist Ihr eigener Auftritt verlaufen?

Die Moderation von „Der menschliche Faktor in einer vernetzten Arbeitswelt“ verlief sehr gut. Es war eine sehr dichte halbe Stunde. Ich habe mich auf der Bühne  wohlgefühlt. Der Track mit Martin Oetting und Sven Markschläger „Viral online vs. viral offline“ gehört zu den besten Bühnenveranstaltungen, bei denen ich je (als Moderator) dabei sein durfte.

Auf mancher Veranstaltung der next09 schien trotz der Krise wieder ein Hauch des New Economy-Hypes durch Kampnagel zu strömen. Haben Sie das Gefühl, dass solche Events wie die next09 überschätzt werden?

Das ganze Web 2.0 ist ein Hype. Es ist ein Medienthema, das natürlich gebührend zelebriert und ausgeschlachtet wird. Aber was ist schlecht daran? Es sind die PR-getriebenen Zyklen, die auch wieder abflachen – Substanz aber setzt sich durch. Und die ist ohne jede Frage da.

Ist sie das tatsächlich?

Natürlich! Das Internet ist längst gesellschaftliche Realität geworden, auch wirtschaftlich. Schauen Sie sich um, wie Menschen heute miteinander kommunizieren. Natürlich ist das trotzdem noch ein Mikrokosmos, der eigenen Gesetzen gehorcht. Eine leichte Ablösung von der Kohlenstoffwelt findet allerdings schon statt.

Das fällt vor allem beim beliebten Social Network Facebook und beim Kommunikationskanal Twitter auf.

Absolut. Es gibt immer dieses Wettrennen, wer die besten Tools für die Communities macht. Da sind Facebook und Twitter gerade ganz weit vorn.  

Doch lässt sich der Hype auch monetarisieren?

Ganz sicher. In 12 bis 18 Monaten zweifelt da niemand mehr dran, dass mit den Diensten Geld zu verdienen ist. Twitter steht da, wo Google im Jahr 2000 stand. Damals fragte die „Businessweek“: Wird Google jemals Geld verdienen? Heute lachen wir über die Frage und wissen: Nicht alles an der New Economy war eine Blase.

Und wie könnten Facebook und Twitter verdienen?

Wenn sie nur ein bisschen richtig machen, kann Twitter schnell achtstellige Umsätze erlösen. Denken Sie nur an Premium-Accounts mit verbesserter Usability und Statistikfeatures. Facebook sollte seine Vermarktung aggressiver ausbauen oder auch über Premium-Services nachdenken. Bei Xing zahlen die Leute unter anderem dafür, dass sie einsehen können, wer auf ihrem Profil war – eine vergleichbare Funktion könnte den Markt für Facebook eröffnen.
 
Wie geht es weiter mit Ihnen? Was sind die Pläne von Sascha Lobo in diesem Jahr?
 
Ich möchte es etwas langsamer angehen lassen. Aber es gibt natürlich weiter einige Projekte.

Zum Beispiel?

Gerade habe ich mit der Agentur Jovoto und Jonathan Weiss von peritor die Site Wahlgetwitter.de gelauncht, die die politische Stimmung im Netz abschätzbar machen soll. Wir tracken, wer sich via Twitter wie über welche politische Partei äußert. Außerdem bauen wir die Blogvermarktung adnation weiter aus.

Werden Sie sich aktiv im Wahlkampf engagieren?

Ich sitze im Online-Beirat der SPD und unterstütze die Partei natürlich. Der Wahlkampf spielt da sicher auch eine Rolle.

Welche weiteren Pläne gibt es?

Ich arbeite gerade an einem Roman.
 
Worum wird es gehen?

Um das Platzen der Internet-Blase.

Der ersten oder der zweiten?

Haben wir denn in den letzten Jahren tatsächlich eine Internet-Blase erlebt? Ich bin anderer Meinung. Es geht um die Hochphase und das Ende der New Economy, also der Zeit nach dem Jahrtausendwechsel. Lassen Sie sich überraschen!

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