Premiere soll Sky Deutschland werden

Der von Rupert Murdoch betriebene Umbau bei Premiere geht weiter – und soll nun auch namentlich vollzogen werden. So will sich der Pay-TV-Sender nach Informationen von "Branchenkennern" offenbar schon bald in Sky Deutschland umbenennen – nämlich, wenn der Antrag auf der Premiere-Hauptversammlung Ende Juni Zustimmung findet. Damit würde der Medienmogul seinem eigenen Vorbild folgen: 2004 hatte Murdoch Sky Italia übernommen und erfolgreich saniert. Seit 1989 besitzt Murdoch zudem die britische BSkyB.

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Eine Überraschung ist es nicht: „Im Hinblick auf die künftige Markenstrategie von Premiere wurden bis jetzt noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass Premiere die Nutzung des Markenzeichens Premiere einstellen wird“, hatte das im MDax gelistete Unternehmen bereits Anfang April im Zuge der Kapitalerhöhung im Börsenprospekt bemerkt.

Diese Möglichkeit scheint nun immer näher zu rücken. So zitiert die Nachrichtenagentur dpa einen „Branchenkenner“ mit den Worten: „Das ist definitiv beschlossene Sache. Die Marke Premiere ist tot.“ Laut dem Bericht soll die Umbenennung Ende Juni auf der Premiere-Hauptversammlung beschlossen werde.

Auftakt zur Sky-Gruppe vor 20 Jahren mit BSkyB

Damit würde Rupert Murdoch, der mit News Corp. nach Zukäufen in mehreren Tranchen über 30 Prozent am Unternehmen hält, Premiere an die Marken seiner weiteren Pay-TV-Beteiligungen anpassen. Bereits vor 20 Jahren war Murdoch durch den Zukauf des damaligen Sky Channels in den europäischen TV-Markt eingestiegen.

Ein Jahr später fusionierte er mit Sky  British Satellite Broadcasting (BSB) – die British Sky Broadcasting (BSkyB) war geboren. 2003 installierte  Rupert Murdoch schließlich seinen Sohn James als CEO, hält inzwischen aber nur noch 38 Prozent an der an der Londoner Börse gelisteten Fernsehgruppe.

Auf 100 Prozent bringt es Murdoch dagegen bei seiner zweiten Sky-Beteiligung – der italienischen Tochtergesellschaft Sky Italia, die News Corp. 2004 übernommen hatte.
Hier schließt sich der Kreis: Der heutige Premiere-CEO Mark Williams war zuvor Vorstandsvorsitzender von Sky Italia.
Umbenennung kostet: 256 Millionen Euro müssten abgeschrieben werden

So erscheint es nur allzu logisch, dass Murdoch, der Premiere als Großaktionär praktisch kontrolliert, nun denselben Weg einschlägt und seine Beteiligungen auch als Marke zusammenführt – schließlich gilt die Marke Premiere als verbrannt.
Doch die Umbenennung kostet – Premiere selbst hatte sie im Börsenprospekt auf Euro und Cent beziffert.  

„Sollte sich der Vorstand dazu entschließen, die Verwendung der Marke Premiere einzustellen und sie durch eine andere Marke zu ersetzen, müsste der Wert des Markenzeichens Premiere abgeschrieben werden, wodurch sich Premieres Periodenergebnis um 256,4 Mio. Euro verringern würde.“       

Ob Abschreibungen in dieser Höhe dem notorisch defizitären Unternehmen tatsächlich so gut tun, wird von Anlegern heute sehr kritisch beurteilt. Die  Aktie verliert gegen den positiven Markttrend um 5 Prozent auf 1,86 Euro. Zur Erinnerung: Erst im vergangenen Jahr hatte der Pay-TV-Sender 270 Millionen verloren. Für das abgelaufene erste Quartal rechnen Analysten mit einem Fehlbetrag von 74 Millionen Euro.

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