next09: Das Fazit der Internetkonferenz

Die vierte Internetkonferenz next09 ist beendet. Die zweitätige Veranstaltung stand unter dem Motto: "Share Economy". Keine Frage: Die Ökonomie des Teilens ist längst eine der wichtigsten Triebkräfte des Internets, das beweisen nicht zuletzt die boomenden Social Networks, auch wenn ihre Wirtschaftlichkeit noch nachgewiesen werden muss. Doch das war für die meisten Konferenzbesucher eher ein Randthema: Geteilt haben die Teilnehmer nämlich vor allem eines – ihre Eindrücke. Und das natürlich via Twitter.

Anzeige

Die vierte Internetkonferenz next09 ist beendet. Die zweitätige Veranstaltung stand unter dem Motto: „Share Economy“. Keine Frage: Die Ökonomie des Teilens ist längst eine der wichtigsten Triebkräfte des Internets, das beweisen nicht zuletzt die boomenden Social Networks, auch wenn ihre Wirtschaftlichkeit noch nachgewiesen werden muss. Doch das war für die meisten Konferenzbesucher eher ein Randthema: Geteilt haben die Teilnehmer nämlich vor allem eines – ihre Eindrücke. Und das natürlich via Twitter, dem  heimlichen Star der Veranstaltung.  

Vielleicht ist es wirklich so einfach: Es sind wenige Minuten, die am Ende über die bleibenden Eindrücke entscheiden – nämlich die ersten und die letzten. Angefangen hat alles so: Dienstag, 12 Uhr im Pressebereich der next09 von Kampnagel, Minuten vor dem Auftakt des eigentlichen Events nähern sich zwei auf den ersten Blick ungleiche Männer – der eine sitzt müde über seinem MacBook, der andere schießt agil auf ihn zu, wie man es bei Veranstaltungen wie diesen so oft sieht. Man kennt sich, man schätzt sich.

Jeff Jarvis ist der eine, der offizielle Star des Events, eingeflogen aus New York, der zwei  Stunden später die Konferenz eröffnen wird – Thomas Knüwer, der andere, als viel gelesener „Handelsblatt“-Blogger („Indiskretion Ehrensache„) inzwischen  zu einem der schärfsten Beobachter der deutschen Internetmedien-Szene avanciert.
 
Diese Webszene erklärt Knüwer Jarvis schnell in flüssigem Englisch so: Er spricht von Sascha Lobo, den Jarvis bis dahin noch nicht kannte. „A real smart guy“, sagt Knüwer. Dann von der Blogger-Konferenz re:publica vor einem Monat, schließlich von der Dot.com-Szene in Berlin. Dann beginnt auch schon das Press-Briefing, in dem Jarvis gebeten wird, vorab in einem Satz zu erklären, worüber er reden wird. Er brauche die Rede ja dann aber nicht mehr zu halten, lautet Jarvis’ erster Satz überhaupt, für den er prompt die ersten Lacher des Tages erntet.  Schnell wird klar: Der Mann ist ein echter Profi.

So wie in den ersten Minuten geht es weiter – und zwar die ganzen zwei Tage. Man spielt sich die Bälle zu, man wirft Schlagworte, ‚buzzwords‘, ein  – nicht umsonst heißt Jarvis’ Blog Buzzmachine – , man ist nett zueinander, man teilt Erlebnisse – Neues und Altbekanntes. Das schließlich ist der Sinn des Netzwerkens – erst recht im omnitransparenten Internetzeitalter.

Andrew Keen provoziert: Google Monopolist wie im 19. Jahrhundert

„Share Economy“ lautet das eigentliche Motto, das SinnerSchrader der vierten Internetkonferenz auf die Fahnen geschrieben hatte. Dass das in Zeiten der Finanzmarktkrise vielleicht etwas voreilig war, ließ Matthias Schrader in seiner Eröffnungsrede selbst durchblicken – dankbar, fast etwas demütig kam der SinnerSchrader-Vorstand daher: nicht zuletzt, als er sich einen freudschen Versprecher erlaubt und sich statt der zahlreichen Teilnahme für die „Anteilnahme“ bedankte – menschlich, nur allzu menschlich.   

Obwohl die große Finanzmarktkrise doch immer unbewusst präsent war, wurde sie so gut verdrängt, wie es ging. Jeff Jarvis rief in seiner Keynote „The Great restructuring“ den großen gesellschaftlichen Wandel durch das Internet aus – und erklärte Google nicht zum Feind, bei sondern schlicht zum Modell. Berufsprovokateur Andrew Keen hielt dagegen:  Bei Google bestehe kein Unterschied zu den Monopolen des 19. Jahrhunderts, wetterte der Internet-Kritiker („The Cult of the Amateur“) im Stile eines Wahlkämpfers – und nannte Jarvis im Vorbeigehen einen „Cheerleader“.

Auf verlorenem Posten: Deutsche Twitter-Pioniere

So  streitbar, so unterhaltsam. Dazwischen war jedoch auch viel Leerlauf zu beobachten – und zwar erst auf der Corporate-Seite (Deutsche Telekom), vor allem bei den Pionieren der deutschen Twitterspäre, die merkwürdig auf verlorenem Posten standen wie die Viel-Twitterer Nicole Simon („Wenn eine Firma Twitter nutzt, sinkt die eMail-Last“) oder Martina Pickhardt, der die Twitterlesung vollkommen missriet.
 
Was am Ende der fast 80 Veranstaltungen in zwei Tagen bei den 1300 Teilnehmer hängen bleiben dürfte, wurde am Schlusstag verkündet. „Am Ende des Tages sind wir, was wir teilen“, glaubt etwa PR-Guru Brian Solis. LinkedIn-Europachef Kevin Eyres gab sich gegenüber den nationalen Herausforderern von Xing und StudiVZ auf dem namentlich bestbesetzten Panel zum Abschluss enorm handzahm und erklärte buchstäblich mit den Schlussschätzen großzügig: „Jeder gewinnt“. So ist das also: Gewinner teilen gerne.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige