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Jarvis: „Wir leben in einer Google-Welt“

Es war das Highlight des ersten Tages der next09: Die mit Spannung erwartete Eröffnungsrede von Internet-Ikone Jeff Jarvis. Und der 54-jährige Journalistikprofessor enttäuschte nicht: In seiner halbstündigen Keynote mit dem Arbeitstitel "The Great Restructuring" erklärte Jarvis, wie das Internet – und allen voran Google – die Welt verändert. Wirklich Neues hatte der US-Starblogger indes nicht zu berichten: Der Vortrag geriet zu einem unterhaltsamen Best-of seines Bestsellers "Was würde Google tun?"

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Der Mann ist ein echter Profi: „Breche nach Hamburg auf. Wünschte wirklich, ich wäre zu Hause auf der Couch“, lautet einer der letzten Tweets, geposted gestern Nachmittag amerikanischer Ostküstenzeit. 16 Stunden später steht der Absender auf der Bühne des Audimax auf Kampnagel in Hamburg: Ein schlaksiger 54-Jähriger, dem Müdigkeit kein bisschen anzumerken ist und der zum Entertainer geboren scheint.

Sein Name: Jeff Jarvis, der unbestrittene Star der next09. Und das nicht zu unrecht: Jarvis ist die ganz große Nummer – Professor an der City University von New York,  Medienberater, hochdekorierter Journalist („New York Daily News“, „San Francisco Examiner“, Erfinder der „Entertainment Weekly“), Buchautor („What would Google do?“). Vor allem jedoch ist der 54-Jährige eine der wenigen Web-Celebrities, die das Netz hervorgebracht hat: „Buzz-Machine“ gilt als das Medienblog schlechthin, mehr als 15.000 User folgen ihm auf Twitter.

„Wer nicht bei Google auffindbar ist, existiert nicht“

Das liegt zuletzt daran, dass Jarvis als einer der wenigen Medien-Veteranen den Paradigmenwechsel in seiner ganzen Radikalität erkannt hat und auch kein Problem damit hat, diesen Zeitenwandel beim Namen zu nennen: „Nicht nur die Finanzmarktkrise ist der Treiber der fundamentalen Veränderungen, die wir in diesen Tagen erleben“, macht Jarvis gleich zu Beginn des Vortrags klar, um dann Aufbruchsstimmung zu verbreiten: Es ist vielmehr die digitale Revolution, die die moderne Welt umfassend verändert.

Tatsächlich wird diese post-industrielle Welt ganz maßgeblich von einem Unternehmen geprägt: „Wir leben in einer Google-Welt“, erklärt Jarvis gleich zu Beginn seiner halbstündigen Keynote. Und diese Welt sieht so aus: Egal, was gesucht wird – am Ende, meist aber schon am Anfang, führen alle Weg zu Google. „Wer nicht bei Google auffindbar ist, existiert nicht“, bringt Jarvis seine Botschaft auf einen einfachen Nenner.

„Google hätte Twitter kaufen sollen“

Dieser neuen Weltordnung müsse sich jeder stellen – von der Privatperson bis zum Großunternehmen. „Privatsphäre ist einer der strapaziertesten Begriffe unserer Zeit“, erklärt der US-Starjournalist. Es herrsche vielmehr eine  „new publicness“, eine allgegenwärtige „neue Öffentlichkeit“, mit der die Alte Welt wohl noch etwas mehr Probleme habe, scherzt der extrovertierte US-Blogger.

So weit, so unterhaltsam. Schade nur: Im Kern trägt Jarvis überzeugend eine Kurzzusammenfassung seines Bestsellers „What would Google do“ vor, die gerade in Deutschland erschienen ist. Das ist alles sehr kurzweilig und belebend vorgetragen – wirklich neu und Trend setzend ist die Keynote indes nicht; Facebook und Twitter, die großen Emporkömmlinge der letzten zwölf Monate sind Jarvis nur eine Randnotiz („Google hätte Twitter kaufen sollen“) bzw. Anekdote wert.

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