Das „Bild“-Phänomen Annemarie

Für die Inszenierung der aktuellen Staffel "Deutschland sucht den Superstar" muss man RTL Respekt zollen. Der Sender schafft es vor allem mit der Darstellung der 18-jährigen Annemarie Eilfeld als sexy Zicke, jeden Samstag neue Rekordquoten einzufahren. Treuer Helfer des Kölner Privatsenders ist einmal mehr die "Bild"-Zeitung, die mittlerweile einen wahren Annemarie-Kult betreibt. Dabei hat RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger selbst zugegeben, dass die aktuelle Staffel als Dokusoap konzipiert ist.

Anzeige

Annemarie Eilfeld ist der wahr gewordene Traum von RTL und der Boulevardpresse. Sie ist jung, sie sieht gut aus, sie macht alles mit. Was von den Streitereien und Skandälchen rund um die blonde Annemarie Eilfeld echt ist und was von den Strategen bei RTL und „Bild“ eingefädelt und erfunden wurde, kann man kaum noch auseinanderhalten. Und es ist im Prinzip auch egal. Wichtig für die beteiligten Medien ist, dass Quote und Auflage stimmen und das funktioniert ganz offensichtlich. Als Annemarie den Schmalspur-Paul-Potts Holger „disste“ und der anschließend vor laufender Kamera ausrastete, wurde das von „Bild“ genüsslich als „Eklat“ ausgeschlachtet.

Als die Kandidatin sich nach dem Eintrag ins Goldene Buch ihrer Heimatstadt Dessau kurz hinlegen musste, wurde das von „Bild“ mit riesigen Lettern als „Zusammenbruch“ verkauft. Die „Bild“-Zeitung“ und Bild.de quellen über vor Fotos der „sexy Annemarie“, mal im Häschen-Kostüm, mal verträumt einen Dankes-Brief an ihre Fans schreibend, mal mit knappem Höschen, auf dem der Bohlen-Spruch „Everybodys Arschloch“ steht. Annemarie hat als einzige Kandidatin bei „DSDS“ eine eigene Rubrik bei „Bild.de“ bekommen und „Bild“ verlost sogar 10.000 Euro unter den Zuschauern, die bei der Sendung für sie stimmen. Dass es außer ihr noch andere Kandidaten gibt, fällt bei der Berichterstattung von „Bild“ und Bild.de kaum noch auf.

Dass Annemarie Eilfeld von der „DSDS“-Jury unter Vorsitz von „Bild“-Intimus Dieter Bohlen regelmäßig abgewatscht wird, obwohl ihre Darbietungen auch nicht schlechter sind als die der mäßigen Konkurrenz, kann man auch als Bestandteil des Dokusoap-Charakters der Show abhaken. RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger hat im Rahmen eines Seminars keinen Hehl daraus gemacht, dass die aktuelle Staffel der Show kein ernsthafter Musiker-Wettstreit ist, sondern eine Dokusoap, also teilweise fiktionale Unterhaltung. „Annemarie Eilfeld ist fantastisch im Storytelling dieser Staffel. Zehn nett aussehende, nett singende, sich nett behandelnde Konkurrenten wäre die Entdeckung der Langeweile. Das ist nicht die Vision, die ich von einem Fernsehprogramm habe. Das ist dann ein schöner Musikwettbewerb, den kann man aber woanders machen und wahrscheinlich auch nicht mit 30 Prozent“, wird Sänger von dem Mediendienst DWDL.de zitiert.

Nächsten Samstag tritt Annemarie Eilfeld gegen ihre zwei verbliebenen Mit-Kandidaten Sarah Kreuz und Daniel Schumacher an. Und wenn es stimmt, was RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger sagte, dann muss Annemarie ins Finale kommen. Alles andere wäre schlechtes Storytelling.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige