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„Lampenfieber habe ich bei jeder Sendung“

Das ZDF hat einen neuen "heute"-Moderator: Mitri Sirin wird am 7. Mai erstmals die Nachrichten innerhalb des Morgenmagazins präsentieren. Der 38-jährige kommt vom RBB, wo er weiterhin "rbb aktuell" moderieren wird. Vom WDR nimmt der gebürtige Nordrhein-Westfale gerade Abschied, die Moderation der "Lokalzeit" wird er im Zuge seines ZDF-Engagements abgeben. Mit MEEDIA sprach Sirin über seine Erwartungen an den ZDF-Job und seinen "berühmten Migrationshintergrund".

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Herr Sirin, wie wird sich Ihre Arbeit bei den „heute“-Nachrichten von der Arbeit bei der „Lokalzeit“ im WDR und „rbb aktuell“ unterscheiden?

Mitri Sirin: Ich werd auf jeden Fall meinen Biorhythmus umstellen müssen, soviel ist klar. Na, aber auch sonst wird sich einiges ändern. Vor allem werde ich viel häufiger auf dem Schirm zu sehen sein, alle halbe Stunde zwischen sechs und neun Uhr – da muss man die ganze Zeit konzentriert sein und Spannung halten.

Wie groß ist die Herausforderung für einen erfahrenen Nachrichtenmann wie sie, zu „heute“ zu wechseln?

Natürlich ist es eine Herausforderung! Aus dem einfachen Grund, weil die „heute“-Nachrichten eine ganz andere Bedeutung haben. Jeder sieht sie, und dadurch befindet man sich in einem ganz anderen Blickfeld. Druck und Verantwortung sind größer.

Haben Sie noch Lampenfieber? Und wenn ja, was machen Sie dagegen?

Absolut ja. Man braucht es sogar, um die nötige Anspannung zu halten. Die Balance allerdings muss stimmen. Lampenfieber habe ich eigentlich immer zu Beginn jeder Sendung. Bestimmt ganz intensiv vor meiner ersten „heute“-Sendung.

Gab es bei dem Casting, an welchem sie für die „heute“-Nachrichten teilgenommen haben, eigentlich genaue Vorgaben, für die Sprechweise etwa?

Nein, Vorgaben gab es da keine. Ich stelle auch grundsätzlich vor solchen Castings keine Fragen, weil es mich einfach irritiert. Ich vertraue da auf mein Gefühl, auch wenn es darum geht, wie man Sachverhalte formuliert und Dinge ausspricht. Und ich glaub, das kam meine Art den Leuten vom ZDF entgegen.

Wie journalistisch muss ein Nachrichtenmoderator eigentlich denken?

Es kommt auf den Bereich an. Das wichtigste bei den Nachrichten ist schnell und professionell auf aktuelle Entwicklungen eingehen zu können. Ein Dauerzustand. Man spricht sich genau mit den Autoren der Stücke ab und beackert das Thema eben von allen möglichen Seiten. Im Grunde macht man die Arbeit, die ein Journalist immer machen sollte: recherchieren, hinterfragen, sich informieren.

Wie sieht Ihre eigene Mediennutzung aus? Schauen Sie sich andere Nachrichtensendungen an? Konsumieren Sie überhaupt abseits Ihrer Arbeit klassische Nachrichten, in welchem Medium auch immer?

Der Tag beginnt bei mir mit Radio und Zeitung. Tatsächlich geht das beides zusammen. Die klassischen Nachrichten-Formate im Fernsehen schau ich mir eigentlich immer an, außer wenn ich in den Urlaub fahre. Da wird total abgeschaltet. Das Internet darf ich nicht vergessen. Kann man sich ohne gar nicht mehr vorstellen. Vor allen Dingen wichtig, um sich ein Bild über die Nachrichtenlage im Ausland zu machen.

Als vor zwei Jahren Ihre Kollegin Dunja Hayali beim „heute-Journal“ anfing, bekam das ZDF noch wüste Drohanrufe bezüglich der Herkunft von Frau Hayali. Gab es bei Ihnen jetzt ähnliche Reaktionen?

Nein, da hab ich nichts mitbekommen. Aber das sind ja wirklich nur wenige  Verrückte, die sowas äußern, nicht das Gros der Zuschauerschaft. Ich meine, ich kenn das natürlich, ich habe so etwas schon bei anderen Arbeitgebern erlebt, aber das sind wirklich immer nur Ausnahmen.

Standen Sie in ihrer Karriere jemals unter, sagen wir: „besonderer Beobachtung“ wegen Ihres familiären Hintergrundes? Oft wird ja vom sogenannten „Migrantenbonus“ geredet – mussten Sie da besser sein als Ihre Kollegen, etwa, um zu beweisen, dass Sie den nicht nötig haben?

Beim RBB bin ich unter den Voraussetzungen gecastet worden; man suchte jemanden mit „Migrationshintergrund“. Aber man ist ja nun mal, wer man ist. Außerdem gucken die Vorgesetzten auch ganz genau darauf, was man kann – ich glaube, da profitiert niemand von einem „Migrantenbonus“. Man bekommt hin und wieder von Zuschauern Reaktionen, bei Autogrammstunden etwa, „Ach, Ihre Aussprache ist ja wirklich sehr gut“. Von Kollegen kommt so etwas natürlich nie. Außer vielleicht im Spaß… Nein, das Wichtigste ist, das man sein Handwerk beherrscht. Man kann da niemanden hinstellen, der vielleicht einen Migrationshintergrund hat, aber nicht  ordentlich präsentieren kann. Damit tut sich keine Redaktion einen Gefallen.

Welche Sprache würde bei Ihnen zu Hause gesprochen?

Türkisch und arabisch, da wir zu einer christlichen Minderheit in der Türkei gehören. Mit dem Arabischen bin ich also hauptsächlich aufgewachsen. Das Türkische war die zweite Fremdsprache.  

War es da für Ihre Eltern seltsam, dass Sie einen Beruf gewählt haben, in dem Sie ausschließlich Deutsch reden?

Nein, es war meinen Eltern ja ganz wichtig, dass wir, also meine Schwester und ich, eine vernünftige Schulbildung bekommen und eine vernünftige Ausbildung. Voraussetzung dafür ist natürlich die Sprache des Landes, in dem man lebt, perfekt zu beherrschen. Man muss dazu aber auch sagen dass bei uns zu Hause überwiegend deutsch gesprochen wurde.

Ärgern Sie manchmal eigentlich diese ganzen Fragen zum Thema Migrationshintergrund?

Nein, ich finde diese Fragen total berechtigt, weil sie dazu gehören. Ich habe ja nun einmal diesen berühmten „Migrationshintergrund“. Ich find die Bergrifflichkeiten nur ein wenig sperrig. Man sollte vielleicht einen Wettbewerb dazu ausrufen, der sich um einen neuen Begriff für „Migrationshintergrund“ kümmert – macht man ja zu allen möglichen Themen. „Migrationshintergrund“ klingt so sperrig. Nicht gerade sexy. Da tut Erfrischung Not. Es gibt natürlich Gründe dafür, warum sich dieses Soziologendeutsch durchgesetzt hat und warum es das immer noch gibt. Mich nerven diese Fragen aber auf gar keinen Fall. Ich bin sogar etwas stolz darauf, dass ich zur ersten bzw. zweiten Generation von Journalisten gehöre, die einen „Migrationshintergrund“ haben. das find ich gut.

Drei Fragen zum Schluss: Eine Nachricht, die Sie gerne einmal vermelden würden?

Oh, die hätte vermutlich mit Wetter und Weltfrieden zu tun… Hmm, im Ernst: ich würde tatsächlich gerne vermelden, dass der Konflikt im Nahen Osten für immer beigelegt worden ist. Das wäre was.

Angst, einmal etwas vermelden zu müssen, dass Ihnen nicht über die Lippen kommt?

Ja! Zum Beispiel, dass das Wort „Migrationshintergrund“ zum Wort des Jahres 2009 gewählt wurde.

Wir hatten das Thema schon, aber dennoch hake ich noch mal nach. Sie werden die frühen „heute“-Nachrichten moderieren, heißt, die zwischen 6.00 und 9.00 morgens. Wird es Ihnen schwer fallen, so früh auszustehen?

Ich kenne das ja noch aus frühen Radio-Zeiten. Ich weiß aber nicht, wie das auf Dauer wird. Da bin ich selbst mal gespannt auf mich und meinen Körper, wie der so reagiert. Auf jeden Fall bin ich froh, wenn es endlich losgeht! Ich freu mich einfach auf die Arbeit.

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