Merken Sie was, lieber „stern“-Leser?

Der "stern" bekam ein neues Kleid verpasst. Treffender wäre vielleicht: das alte Kleid des "stern" wurde hier und da ausgebessert und aufgehübscht. Chefredakteur Andreas Petzold preist das neue Layout im Editorial an. Die Attribute seien "Kraft, Klarheit und Stil", zitiert er Art Director Donald Schneider. Ich habe den neu gestalteten "stern" meiner Mutter vorgelegt, seit Jahrzehnten treue Leserin der Illustrierten: "Und Mama, fällt Dir was auf?" "Neee, was denn?" kam als Antwort zurück.

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Der „stern“ bekam ein neues Kleid verpasst. Treffender wäre vielleicht: das alte Kleid des „stern“ wurde hier und da ausgebessert und aufgehübscht. Chefredakteur Andreas Petzold findet im jüngsten Editorial große Worte für die kleinen Änderungen. Die Attribute des neuen „stern“-Layouts seien „Kraft, Klarheit und Stil“, so zitiert er den Art Director Donald Schneider. Ich habe den neu gestalteten „stern“ meiner Mutter vorgelegt, seit Jahrzehnten treue Leserin der Hamburger Illustrierten: „Und Mama, fällt Dir was auf?“ „Neee, was denn?“ kam als Antwort zurück.
Der „stern“-Leser merkt wahrscheinlich in den seltensten Fällen etwas von der Layout-Umstellung. Und in der Tat. Oben sehen Sie links das jüngste Cover des „stern“, der ersten Ausgabe in neuer grafischer Aufmachung. Rechts daneben der „stern“ in alter grafischer Aufmachung. Erkennen Sie den Unterschied? Eben! Was nicht heißen soll, dass es gar keine Unterschiede gibt und dass die Änderungen nur Mumpitz wären. Werfen wir mal einen Blick ins Blatt.

Oben sehen Sie die Inhalts-Doppelseite in altem Layout, unten in neuem. Die Unterschiede kann man mit der Lupe suchen. Die Fotos sind in der neuen Variante symmetrisch angeordnet, der Humor hat eine eigene Rubriken-Überschrift im Inhalt bekommen, sonst bleibt so ziemlich Alles beim Alten.

Kleine, aber feine Unterschiede findet man, wenn man sich die kleinteilige „Trends“-Seite mit Umfragen usw. anschaut. Links die neue Version, rechts die alte. Als erstes fällt aus, dass das Layout nun dreispaltig ist. Der Seitenkopf ist nun überall in roter statt schwarzer Schrift und etwas größer als früher. Der Kasten mit der „stern“-Umfrage hat keinen roten Kopf mehr und wirkt in der neuen Variante klarer. Betrachten wir nun eine typische Artikelseite:

Wieder gilt: links neu, rechts alt. Das neue Layout setzt fast komplett auf drei Spalten, was die Lesefreundlichkeit spürbar erhöht. Zudem benutzt die Redaktion nun sehr häufig eine Marginal-Spalte, um kleine Bilder oder Bild-Texteeinzuklinken. Im alten Layout fand sich noch häufig das zweispaltige Layout, das bisweilen ziemlich bleiwüstig daherkam.

Zu guterletzt „Was macht eigentlich…?“:

Mal abgesehen davon, dass dies das gefühlte tausendste „Was macht eigentlich…?“ mit Inger Nilsson ist – das neue, linke, Layout wirkt stimmiger, der Kasten weniger aufdringlich. Die Überschriften sind weniger verspielt und gewinnen dadurch, dasssie einheitlich schwarz sind. Jede Wette, einem Durchschnittsleser würde keine dieser Änderungen auffallen. Das merkt man erst, wenn man alt und neu direkt nebeneinander legt und vergleicht. Dann erkennt man, dass hier die Lesbarkeit deutlich verbessert wurde. Vor allem die neue Gestaltung derdreispaltigen Artikelseiten und die aufgeräumten kleinteiligen Seite gefallen. So gesehen sind die Veränderungen, die man nicht bewusst wahrnimmt, vielleicht sogar die besten. Da müsste der Chefredakteur im Editorial gar nicht so doll trommeln. Aber andererseits: Ein bisschen Stolz darf ja dabei sein und ansonsten würden wir Medienjournalisten es ja womöglich auch gar nicht merken, dass sich beim altbewährten „stern“ auch heutzutage noch was tut.

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