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Jetset-Satire für die Facebook-Generation

Die Feuilletons sind voller Lob, Modezeitschriften küren die Serienheldinnen zu Stilikonen. Für den Hype ist nicht etwa eine Neuauflage von "Sex and the City" verantwortlich, sondern deren erster, würdiger Nachfolger: Die Highschool-Serie "Gossip Girl", eine bitterböse Satire auf die New Yorker Upper Class von "O.C., California"-Macher Josh Schwartz, bietet Fernsehunterhaltung auf höchstem Niveau und soll zum neuen Vorzeige-Format von ProSieben werden.

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Während in den erfolgreichen US-Teenie-Serien „Beverly Hills, 90210“ und „O.C., California“ die Cocktails nach dem Surfen noch am Strand getrunken wurden, geht es bei „Gossip Girl“ wesentlich düsterer zu. Schauplatz ist nicht das kunterbunte Kalifornien, sondern die glamouröse New Yorker Upper East Side.

Hier spielen eine Handvoll „rich kids“, allesamt Schüler einer Elite-Highschool, böse Spielchen, wechseln ihre besten Freundinnen wie Handtücher und lieben sich im Kreis. Die neueste digitale Technik ist dabei immer allgegenwärtig – mit Mobiltelefon und Facebook lässt sich nun mal wesentlich besser intrigieren. Naheliegend, dass die allwissende Erzählstimme aus dem Off, das „Gossip Girl“, eine Bloggerin ist.

Und so wird auch gleich zu Anfang die Rückkehr Serenas (Blake Lively), die ein Jahr zuvor aus ungeklärten Gründen verschwand, dank Handykamera sofort im Internet gepostet. Über die Heimkehr des It-Girls ist allerdings nicht jeder aus ihrer alten Clique erfreut. Besonders nicht ihre beste Freundin Blair (brilliant: Leighton Meester), als sie erfährt, dass Serena mit ihrem Freund geschlafen hat. Ein gelungener Auftakt für einen der vielleicht schönsten, auf jedenfall aber gemeinsten Zickenkriege im deutschen Fernsehen.

Die Fronten sind schnell klar. Die gute, blonde Serena liegt im Kampf mit ihrer Erzfeindin Blair meist um eine Nasenlänge vorn und der Zuschauer freut sich. Doch trotz vieler witziger, weil bitterböser Dialoge ist das Drama in „Gossip Girl“ immer präsent. Eigentlich sind die „rich kids“ arme Kinder. Zwar haben sie ein prall gefülltes Portemonnaie und sind mit umwerfender Schönheit gesegnet. Doch am Beispiel ihrer Eltern wird deutlich, dass gute Startbedingungen noch lange kein Lebensglück versprechen.

Diese sind in der Regel operiert, geschieden, verbittert und benutzen ihren Nachwuchs, um ihre eigene Karriere voranzutreiben. Dagegen wirken die Intrigen der Kids noch harmlos. In einem nachdenklichen Moment bringt es der junge Chuck auf den Punkt: „Wir haben Anspruch auf unseren Treuhandfonds, auf ein Haus in den Hamptons, auf jeden Fall auf ein Drogenproblem, aber Glück steht bestimmt nicht auf der Agenda.“

Als Antipoden zu den ultrareichen Teenies werden die Geschwister Jenny und Dan Humphrey eingeführt, die allerhand Anstrengungen unternehmen müssen, um von ihren Mitschülern überhaupt wahrgenommen zu werden. Die eine oder andere Abendstunde an der Nähmaschine ist eben nötig, wenn das Geld für die angesagten Kleider fehlt.

Überhaupt: Die Mode. Stylist Eric Daman („Sex and the City“) hat aus „Gossip Girl“ ein wahres Fashion-Spektakel gemacht. Die Protagonisten tragen ausschließlich teure Designer-Kleider, die sie perfekt mit Vintage-Accessoires und den dazu passenden It-Bags kombinieren. Schon jetzt sind Modemagazine wie „Vogue“ und „Glamour“ voll mit dem neo-konservativen Preppy-Stil der Figuren.

Hier zeigt sich auch schon die paradoxe Mischung, die wohl für den Erfolg von „Gossip Girl“ verantwortlich ist. Während einerseits ein wahres Konsumfest gefeiert wird, die Frauenzeitschriften dankbar jeden Trend aufgreifen und das Merchendising boomt, ist die Serie zugleich konsumkritisch, in dem sie durch das Mittel der Übertreibung die Tragik des dekadenten Jetset-Lebens entlarvt. Feuilleton und Boulevard sind folglich gleichermaßen begeistert.

Das ist vom Prinzip nicht wirklich neu und wurde schon auf unterschiedlichste Art in US-Serien wie „Nip/Tuck“ oder „O.C., California“ durchgespielt. Doch „Gossip Girl“ treibt es auf die Spitze und übertrifft selbst diese hervorragenden Serien an Opulenz, Stil und Boshaftigkeit. Zu kritisieren ist dabei eigentlich nur eins: Der Sendeplatz am Nachmittag. Die Serie hätte eine Ausstrahlung zur Prime Time verdient.

„Gossip Girl“ läuft immer samstags 16 Uhr auf ProSieben

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