„Fotografen profitieren von neuen Verträgen“

Im Streit zwischen Fotografen-Verband Freelens und dem Jahreszeiten Verlag scheinen die Fronten verhärtet. Für Verlagsgeschäftsführer Peter Rensmann geht es um die Frage: "Wie kann sich ein mittelständischer Verlag noch aufwendige Fotoproduktionen leisten? Auf dem Weltmarkt gibt es doch schon heute längst zu jedem Thema sehr gute und günstige Agenturware". Im MEEDIA-Interview erklären der Verlagsmanager und der Merian-Chefredakteur Andreas Hallaschka ihre Position.

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Die Fotografen-Vereinigung und ihr Chef Lutz Fischmann kritisieren vor allem drei Punkte: Erstens, dass der Jahreszeiten-Verlag jetzt eine Zwangssyndikation von ihnen verlange. Das heißt erstens, dass Fotojournalisten gezwungen sind, alle ihre Bilder, die sie im Jalag-Auftrag machten, über die Foto-Agentur des Verlags zu vertreiben. Zweitens, dass der Jahreszeiten Verlag verlangen kann, dass die Fotografen alle Bilder, die während einer Jalag-Produktion entstehen, den jeweiligen Redaktionen zu überlassen. Das können – nach Einschätzung von Freelens – bis zu 15.000 Bilder sein. Und Drittens hat der Verlag das Recht, alle Bilder in der gesamten Gaske-Gruppe – also nicht nur innerhalb des Jahreszeiten Verlags –  weiterzuverwehrten.

Der Hauptvorwurf gegen Sie lautet, dass Sie mit den neuen Rahmenverträgen eine Zwangssyndikation einführen würden?
Rensmann: Das ist falsch. Wir wollen keine pauschale Zwangssyndikation. Wir sagen nur: Bei den Fotoproduktionen, bei denen wir uns um alles kümmern, alles organisieren und alles bezahlen, wollen wir anschließend nicht nur sieben Bilder drucken, sondern die guten Fotos auch selbst weitervermarkten. Wobei 50 Prozent aller Netto-Syndikations-Erlöse an den Fotografen gehen. 

Dafür, dass Sie die ganze Vorarbeit hatten und alle Kosten einer Produktion tragen, wollen Sie künftig auch mehr mitverdienen?

Rensmann: Für uns ist es einfach nicht einleuchtend, warum wir eine Foto-Idee entwickeln, die Location suchen und mieten oder die Modells buchen, die Produktion finanzieren usw., und am Ende des Tages verdient dann eine unbeteiligte dritte Fotoagentur mit.
Hallaschka: Ein ganz konkretes Beispiel: Wir werden im September ein Merian-Heft über Regensburg machen. Seit einem Jahr kämpfe ich dafür, dass Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ihr Schloss für uns aufschließt. Das macht sie jetzt. Nach einem Jahr Arbeit wird der Fotograf erst am Ende des Entwicklungsprozesses dazugebucht.


Sie wollen also für ihre ganzen Kosten und kreativen Vorleistungen einfach
mehr an jeder Fotoproduktion verdienen?

Rensmann: Für uns stellt sich vielmehr die Frage: Wie kann sich ein mittelständischer Verlag in diesen Krisenzeiten noch aufwendige Fotoproduktionen leisten? Auf dem Weltmarkt gibt es doch schon heute längst zu jedem Thema sehr gute und günstige Agenturware – auch exklusiv. Wir wollen weiterhin hochwertige eigene Produktionen, doch die müssen wir auch finanzieren können.

Kritiker wie der Freelens-Chef Fischmann werfen dem Jahreszeitenverlag vor, erst durch die Fotografen und deren Arbeit groß und bekannt geworden zu sein.
Hallaschka
: Das stimmt so nicht. Merian hatte mehrere erfolgreiche Zeitschriftenjahrzehnte auf dem Buckel, ehe Max Scheler Anfang der 80er Jahre bei „Merian“ die Reportagefotographie eingeführt hat und ehe sich die ersten Bildagenturen formierten. Im übrigen gilt dieses Verhältnis auch vice versa: Viele Fotografen konnten sich durch die Veröffentlichung in unseren Magazinen einen Namen machen und zum Beispiel auch Aufträge aus der Werbung akquirieren.

Was ändert sich konkret durch den neuen Vertrag?

Hallaschka: So neu sind die Regelungen der Rahmenvereinbarung gar nicht. Wir haben uns jetzt nur darauf geeinigt, keinerlei Streichungen in unserem bestehenden Basis-Vertrag zu erlauben.
 
Wie stark ist der Fotografen-Protest tatsächlich. Freelens spricht von über 300 Unterzeichnern?
Rensmann: Die Zahl ist sicher nicht falsch. Doch viele der Freelens-Unterzeichner arbeiteten in der Vergangenheit gar nicht oder kaum für den Jahreszeiten Verlag. Wir würden gerne auch mit vielen dieser Fotografen wieder oder erstmals zusammenarbeiten, aber das muss für beide Partner perspektivisch wirtschaftlich darstellbar sein. Viele Zeitschriften in Deutschland leisten sich einen so hohen Eigenproduktionsanteil mit deutschen Fotografen gar nicht mehr, wir wollen das weiter tun, können aber die Marktveränderungen dabei nicht ausblenden.
Hallaschka: Ich kann nur sagen, dass durch die neuen Rahmenverträge diejenigen, die mit uns derzeit intensiver zusammenarbeiten, schon durch ein erhöhtes Auftragsvolumen profitieren, also mehr Geld in der Kasse haben.

Wie kommen Sie darauf, dass die Jalag-Syndikation die Fotografen genauso gut vertreten kann, wie deren Stamm-Agentur?
Rensmann: Im Food- und im Beauty-Bereich beweisen wir seit Jahren, dass wir eine hochprofessionelle Syndikation haben, die auch schwarze Zahlen schreibt.

Die Angst der Fotografen bleibt, dass der Zwang, mit der Jalag-Syndikation zusammenarbeiten zu müssen, zu ihrem Nachteil ist?
Rensmann: Die Sorge verstehen und respektieren wir. Wir wollen Ängste oder Bedenken in individuellen Gesprächen besprechen und ausräumen. Wir sind jederzeit gesprächsbereit, bitten nur um eine ganzheitliche Bewertung unseres Vertragsangebots. Kaum eine Agentur bietet den Vertragspartnern einen Einnahmen-Anteil von 50 Prozent.

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