Neuer Verlagsschreck aus den USA

Mit der Website True/Slant ist ein neuer Verlagsschreck aus den USA an den Start gegangen. Das Angebot mischt Elemente des klassischen Journalismus mit denen von Social Networks und Twitter. Man kann einzelnen Autoren „followen“, diese wiederum sollen an Werbe-Erlösen auf ihren Seiten beteiligt werden. Neben klassischer Online-Werbung sollen Firmen zudem eigene Unter-Seiten gegen Bezahlung einrichten. Gegründet wurde True/Slant von dem ehemaligen AOL-Manager und „Wall Street Journal“-Journalisten Lewis Dvorkin.

Anzeige

Mit True/Slant ist ein neuer Verlagsschreck aus den USA an den Start gegangen. Das Web-Angebot mischt Elemente des klassischen Journalismus mit denen von Social Networks und Twitter. Man kann einzelnen Autoren „followen“, diese wiederum sollen an Werbe-Erlösen auf ihren Seiten beteiligt werden. Gegründet wurde True/Slant von dem ehemaligen AOL-Manager und „Wall Street Journal“-Journalisten Lewis Dvorkin.

Ziel von True/Slant ist es, ein alternatives Erlösmodell für Journalisten zu erschaffen. Bei True/Slant schreiben professionelle Journalisten und Autoren, hier werden sie Contributors genannt.

Laut Walt Mossberg vom „Wall Street Journal“ sind 65 Contributors am Start, die teilweise von der „Financial Times“, dem „Rolling Stone“, der „New York Times“, dem „Time“-Magazin oder dem „Boston Globe“ kommen. Klar, was dahintersteckt: Klassische Medien bauen Stellen ab. Einige derjenigen, die es beim Stellenabbau erwischt hat oder die eine Abfindung akzeptiert haben, wollen sich bei True/Slant eine neue journalistische Zukunft aufbauen.

Jeder Contributor bekommt eine eigene Unter-Seite bei True/Slant, wo er oder sie Artikel veröffentlichen kann. Das ist die Journalismus-Komponente. Darüber hinaus, kann man auf dieser Seite auch sehen, wo der Contributor innerhalb von True/Slant bei anderen kommentiert oder welche Artikel aus dem restlichen WWW er liest oder empfiehlt. Das ist die Social-Network-Komponente. Nun die Twitter-Komponente: Gefällt einem der Stil oder die Themenauswahl eines bestimmten Contributors, so kann man diesem „followen“, also folgen. Man abonniert praktisch keine Medienmarke, sondern einen Autoren. Nutzer können direkt die Seite des Lieblings-Contributors ansteuern, seinen RSS-Feed abonnieren und vieles mehr.

Die True/Slant Contributors müssen dabei nicht exklusiv für True/Slant schreiben. Sie können noch andere Projekte nebenher verfolgen oder in anderen Medien veröffentlichen. Die True/Slant-Macher erwarten aber, dass die Contributors regelmäßig kommentieren, den Dialog mit Lesern aufrecht erhalten und auch regelmäßig Original-Texte für True/Slant beisteuern. Die Contributors bekommen für ihre Bemühungen ein eher schmales Grund-Honorar und werden an den Werbe-Umsätzen ihrer persönlichen True/Slant-Seite beteiligt.

Neben der klassischen Online-Werbung sollen Firmen und Anzeigenkunden eigene True/Slant-Seiten einrichten können und dort mit den Nutzern kommunizieren. Dafür müssten die Firmen natürlich löhnen. Dieser Punkt geht in Richtung von Premium-Profilen für gewerbliche Kunden, womit in Deutschland auch gerade StudiVZ experimentiert.

Die Website True/Slant ist gerade erst gestartet und über die Qualität und Vielfalt der Inhalte lässt sich derzeit noch wenig sagen. Die Site sieht aber schick aus, das Layout ist angenehm dezent, die Nutzerführung gelungen. Das Konzept ist auf jeden Fall interessant und zielt sehr stark auf einen noch viel stärker auf Autoren hin zugeschnittenen Meinungs-Journalismus. In der True/Slant-Welt ist es nicht mehr so relevant, die „New York Times“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ oder den „Spiegel“ toll zu finden – man ist eher Fan eines bestimmten Autors und verfolgt dessen Beiträge und Kommentare über alle Medienmarken hinweg.

Auf hiesige Verhältnisse übertragen könnte man sich zum Beispiel vorstellen, dass ein Fan einem Autoren wie Harald Martenstein „followed“ und dann jeden seiner Artikel, Kolumnen und Kommentare direkt in den Reader gespült bekommt. Auch wenn Herr Martenstein mal woanders kolumnieren sollte als in der „Zeit“ oder dem „Tagesspiegel“.

Sollte das True/Slant-Konzept Erfolg haben, wäre das eine gute Nachricht für Journalisten, Autoren, Leser und eventuell sogar Anzeigenkunden. Und eine schlechte für Verlage.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige