Eric Schmidt rüffelt US-Zeitungsbranche

Klare Worte vom Google-Vorstand: Auf der jährlichen Verlegertagung der Newspaper Association of America erklärte Eric Schmidt, die Zeitungsbranche müsse sich mehr nach den Bedürfnissen ihrer Leser richten: Wenn man das nicht tue, habe man schließlich bald keine mehr, warnte der 53-Jährige. Schmidt forderte auf, die Möglichkeiten des WWWs besser zu nutzen. Dazu könnten auch Bezahl- und Micro-Payment-Modelle ihren Beitrag leisten, glaubt der Google-Vorstand, der Kooperationsbereitschaft zeigte.

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Der Eklat wurde vermieden: Als Eric Schmidt gestern Nachmittag in San Diego die Keynote bei der jährlichen Verlegertagung der Newspaper Association of America hielt, rechneten die Veranstalter mit dem Schlimmsten – nämlich mit Buhrufen und einer offenen Eskalation des schwierigen Verhältnisses zwischen Google und der Verlagsbranche.

Seit einiger Zeit ist die Wechselbeziehung tatsächlich ziemlich angespannt: Google hat sich binnen eines Jahrzehnts vom Studentenprojekt zum bei weitem wertvollsten Internet-Unternehmen der Welt entwickelt, das inzwischen Gewinne von mehr als einer Milliarde Dollar einfährt – pro Quartal.

Doch Google ist eben nicht nur eine Suchmaschine, sondern mit dem Nachrichten-Aggregator Google News inzwischen längst auch Wettbewerber der Verlage, die sich auch 15 Jahre nach der Geburt des WWWs noch immer schwer tun, Geld im Internet zu verdienen.

Google zeigt sich kooperativ: „Wir glauben, dass wir ein Geschäft mit Euch aufbauen können“

Das sei jedoch zum Teil selbstverschuldet, glaubt Google-CEO Eric Schmidt, der die Herangehensweise bemängelt. Viele Zeitungen wurden noch nicht genug an den Leser denken, bemängelt Schmidt: „Wenn Sie ihre Kunden nur genug verärgert, haben sie am Ende keine mehr“, warnte Schmidt, um gleichzeitig zu ermuntern: „Finden Sie heraus, was ihre Leser wollen“. Personalisierbare Nachrichten könnten eine Lösung sein, gab Schmidt der darbenden Branche mit auf den Weg.
Auch das die siechenden Erlöse angeht, ist Schmidt keineswegs hoffnungslos: Alles ließe sich ändern – mit Google. „Wir glauben, dass wir ein Geschäft mit Euch aufbauen können“, erklärte Schmidt. Und machte klar, dass daran kein Weg vorbeiführe: „Das ist die einzige Lösung, die ich sehe.“

Abonnentengebühren und Micro-Payment-Modelle wären die Lösung, glaubt Schmidt: Vor allem jedoch  bleibt Online-Werbung der Königsweg sprudelnder Erlöse. „Ich glaube, dass alle drei funktionieren“, erklärte Schmidt. „Als Analogie sehe ich die TV-Branche. Es gibt kostenloses, Kabel-TV und Bezahlfernsehen. Diese Struktur sieht für mich tragfähig aus.“  

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