Wenn‘s mit dem Cover-Sex nicht klappt

Angespannte Medien-Ostern. Bei Burda gab Vorstand Philipp Welte die Einstellung von "Amica" bekannt. Bei Axel Springer wird die Redaktion der Billig-Frauenzeitschrift "Frau von heute" aufgelöst. ProSiebenSat.1-Vorstand Marcus Englert will einen Großteil der Online-Beteiligungen versilbern, Stefan von Holtzbrinck machen die Sozialen Netzwerke der VZ-Gruppe und das Platinnetz Sorgen. Und die "stern"-Chefs Petzold und Osterkorn mussten lernen, dass Sex auf dem Cover die Auflage nicht mehr hochbringt.

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Den „stern“-Titel zur Geschichte des Heiratsschwindlers, der die Milliardärin Susanne Klatten erpresste, zierte ein nacktes Pärchen in wildem Liebesspiel in schwarzweiß. Beste „stern“-Cover-Ästhetik der ausgehenden 80er und frühen 90er Jahre. Blöd nur, dass nackte Haut heute an jeder Ecke im Internet und im Fernsehen zu sehen ist. Die eigentlich banale Erkenntnis, dass Sex als Auflagen-Viagra nicht mehr taugt, können die „stern“-Chefredakteur Thomas Osterkorn und Andreas Petzold jetzt in nackten Zahlen studieren. Der „stern“ mit den Schwarzweiß-Nackten verkaufte am Kiosk 317.529 Exemplare. Das ist das viertschlechteste Ergebnis bisher in 2009.

Springer-Chef Mathias Döpfner geht es angesichts der Krise nach eigener Aussage zwar weiterhin „erschreckend gut“, die Mitarbeiter der Redaktion seines Billig-Frauentitels „Frau von heute“ dürften sich in dieser Woche aber doch etwas erschrocken haben. Die Redaktion wird aufgelöst, „Frau von heute“ wird künftig von „Bild der Frau“ mitproduziert. Zack, Bumm, so läuft das. Laut Springer handelt es sich dabei um eine „Maßnahme zur Qualitätssteigerung“. Die Zeiten sind schwierig, es muss gespart werden, das weiß jeder. Man muss aber nicht jede Spar-Aktion gleich als neue Qualitätsoffensive anpreisen.

Im Verfassen kryptischer Verlagsmitteilungen hat es die Öffentlichkeitsabteilung des Hauses Burda zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. Aktuell hat man es geschafft, die Einstellung der „Amica“ (die niemanden so richtig überrascht haben dürfte), ganz ganz unten in der Pressemitteilung zu verstecken. Vorher konnte man davon lesen, dass in München eines der größten deutschen Medienunternehmen entsteht. Vorstand Philipp Welte sagte, dass Spielräume geschaffen werden für „offensive und innovative Strategien“, dass die „publizistische Schlagkraft“ und „Innovationsfähigkeit“ gesteigert werden. Und dann ganz unten: Ach so, die Verlage Arabellastraße und die Burda People Group werden fusioniert und die „Amica“ eingestellt. „Bunte“-Chefin Patricia Riekel wird nun also Herausgeberin für alle Titel der neuen Burda Style Group, auch „Elle“, „Freundin“ und „Burda Moden“. In der Pressemitteilung steht explizit, dass sie direkt an Vorstand Welte „berichtet“. Ob das die selbstbewusste Redaktionsdirektorin gerne gelesen hat?

Recht überraschend kam in dieser Woche die Nachricht, dass sich ProSiebenSat.1 von fast allen Online-Beteiligungen trennen würde – wenn der Preis stimmt. Autsch! Konzernvorstand Marcus Englert beeilte sich, der „Financial Times Deutschland“ gleich zu versichern: „Von einem Notverkauf kann keine Rede sein.“ Genau so sieht es aber aus, wenn ein hoch verschuldeter Konzern in Krisenzeiten zukunftsträchtige Beteiligungen wie Wer-weiss-was.de oder die Lokalisten zum Verkauf stellt. Was nützt das schöne Zukunftsgeschäft, wenn man akut Bargeld braucht?

Ähnliches mag sich Stefan von Holtzbrinck fragen. Der musste/durfte/wollte ja gerade seine Print-Flaggschiffe wieder in die Obhut seines Halbbruders entlassen, um sich von drückenden Finanz-Verpflichtungen zu befreien. Sein Zukunftsgeschäft, die Sozialen Netze der VZ-Gruppe und das Senioren-Netzwerk Platinnetz, machen aktuell aber auch keine Freude. Bei Platinnetz maulen die Silver-Surfer über den aktuellen Relaunch – bei den IVW-Klickzahlen sackte das Platinnetz um 12 Prozent bei den Visits nach unten. Das Landeier-Netz aus dem Hause RTL, Wer-kennt-wen.de, ist laut der aktuellen IVW zudem am bisherigen Klick-Primus SchuelerVZ vorbeigezogen. Bei den täglichen Nutzern liegt StudiVZ mit 500.000 täglichen Nutzern nur noch in etwa gleich auf mit dem Shooting-Star Wer-kennt-wen.de. Dabei hat die RTL Group viel weniger für Wer-kennt-wen-gezahlt als Holtzbrinck für StudiVZ.

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