Die immensen Probleme von YouTube & Co.

Das Web2.0 wird von seinen Kosten aufgefressen. Laut Analysten könnte die Google-Tochter YouTube in diesem Jahr rund 470 Mio. Dollar Verlust einfahren. Grund: astronomische Serverkosten in Höhe von rund 360 Mio Dollar. Das weltweit führende Soziale Netzwerk Facebook sucht derweil händeringend nach einer 100 Mio. Dollar Finanzspritze – ebenfalls um Serverkosten zu finanzieren. Und beim beliebten Microblogging-Dienst Twitter sind die Serverkosten der Bilanz-Posten mit den größten Steigerungsraten.

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Lange galt im Web die Regel „money follows eyeballs“ als Maß aller Dinge. Zuerst solle man sich darum kümmern, die Nutzer auf seine Seite zu ziehen, die Erlöse würden dann schon irgendwann folgen. Mag sein, allerdings stellt sich für die großen Web2.0-Vorzeige-Unternehmen mittlerweile die Frage: „How much money follows how many eyeballs?“ Und vor allem: wann? Denn explodierende Serverkosten, um Unmengen an Streaming-Videos zu zeigen, stehen in keinem Verhältnis zu den nach wie vor eher bescheidenen Werbe-Erlösen.

So prognostiziert der CreditSuisse-Analyst Spencer Wang für YouTube im laufenden Jahr zwar einen Anstieg der Erlöse um 20 Prozent auf 240 Mio. Dollar – dem stehen aber rund 710 Mio. Dollar an Kosten gegenüber. Laut Wikipedia werden täglich rund 65.000 Videos bei YouTube hochgeladen und 100 Millionen Clips angesehen. Und das ist der Stand von 2006! Ähnliche Probleme hat Facebook – mit rund 200 Mio. Mitgliedern das größte Soziale Netzwerk der Welt. Laut Wikipedia werden dort täglich rund 30 Mio. neue Bilder hochgeladen. Hinzu kommen immer mehr Videos. Der Umsatz bei Facebook beläuft sich nach Schätzungen von Experten auf bis zu 300 Mio. Euro pro Jahr. Das wäre mehr als bei YouTube aber zu wenig, um das enorme Wachstum auf Dauer aus eigener Kraft weiter zu finanzieren und den Hunger nach Server-Kapazitäten zu stillen.

Der angesagte Microblogging-Dienst Twitter hat mittlerweile über sechs Mio. Nutzer und wuchs 2008 um rund 1.000 Prozent. Zwar haben die Twitter-Server lediglich kleine Textnachrichten zu stemmen, es reichte aber, um noch vor kurzem für zahlreiche Server-Ausfälle zu sorgen. Nun hat Twitter 35 Mio. Dollar frisches Wagnis-Kapital erhalten und muss sich um die Finanzierung zunächst keine Sorgen machen. Ein tragfähiges Geschäftsmodell ist aber immer noch nicht in Sicht.

In Sachen Werbung besser aufgestellt als die Web2.0-Vorreiter ist das klassische Video-Portal Hulu.com, ein Joint Venture der US-Medienhäuser NBC Universal und Rupert Murdochs News Corp. Bei Hulu.com können US-Amerikaner im Web kostenlos und ganz legal TV-Shows und Serien anschauen, inklusive Werbung. Hulu.com zeigt dabei ausschließlich professionelle TV-Ware wie die „The Daily Show“, „Die Simpsons“, „Heroes“ oder „30 Rock“. Angeblich verhandelt Hulu zudem über einen Einstieg von Disney, so dass bald Hit-Serien wie „Lost“ und „Desperate Housewives“ bei Hulu.com zu sehen sein könnten, die von Disneys TV-Tochter ABC produziert werden. Hulu.com erfreut sich inzwischen in den USA einer großen Popularität, die Website kommt auf rund 40 Mio. regelmäßige Nutzer.

Hulu-com wurde von den TV-Networks als Antwort auf die Herausforderung durch YouTube gegründet. Für die Google-Tochter ist das ein weiteres Problem. Die attraktiven TV-Inhalte zeigen die Sender nun lieber auf der eigenen Plattform, statt sie YouTube zur Verfügung zu stellen. Für YouTube bleiben somit in erster Linie die Millionen Amateur-Clips, die für die Werbewirtschaft wenig attraktiv sind.

Hulu.com hat bisher noch keine Finanzdaten veröffentlicht, einige Markbeobachter rechnen jedoch damit, dass das Video-Portal bereits in diesem Jahr mehr Umsätze machen könnte als YouTube. Eine gewagte Prognose. Für YouTube und Co. wird das lange Warten aufs Geld, das irgendwann den Nutzern folgen soll, immer mehr zur Überlebensfrage.

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