Von Peichl bis „Big B“: die Köpfe der Woche

Die On-Off-Beziehung zwischen dem "Spiegel" und Markus Peichl fand in dieser Woche ihr vorläufig versöhnliches Ende. In allerletzter Sekunde zückte man beim „Spiegel“ das Portemonnaie, und die Lead Awards gingen sparsam aber planmäßig über die Bühne. Und sonst: Die selbstbewussten Worte des Mathias Döpfner fielen bei der „New York Times“ auf fruchtbaren Boden, die ARD spielte beleidigte Leberwurst, Bernd Buchholz redete viel und sagte wenig in der „SZ“, und bei den DuMonts ist man nicht genervt.

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Das Stehaufmännchen der Woche war Markus Peichl, der personifizierte Lead Award. Das „Zeit Magazin“ wurde mit Preisen überhäuft, und der gute alte „stern“ landete auf dem dritten Treppchen als „Lead Magazin des Jahres“. Die Preisträger freuten sich. Und Markus Peichl hat es in buchstäblich allerletzter Sekunde geschafft, die Preisverleihung in diesem Jahr zu retten. Der „Spiegel“ wollte als Sponsor eigentlich nicht mehr zur Verfügung stehen, aber Peichl wühlte, wirbelte und nervte so lange, bis die Verlagsmanager von der Brandstwiete aufgaben und doch noch die Geldbörse zückten, so dass eine abgespeckte Lead-Awards-Verleihung abgehalten werden konnte. Die „FAZ“ schrieb über Peichl, die Lead Awards und die Verlage: „Sie brauchen ihn. Sie wollen ihn.“ Da hat die „FAZ“ in letzter Konsequenz recht. Man nennt so etwas wohl Hassliebe.

Die großen Ankündigungen und Worte von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner während der vergangenen Bilanz-Pressekonferenz waren hier ja schon einmal kurz Thema. Die Taktik, erst mal tüchtig Wind in eigener Sache zu machen, kommt gut an. Im Ausland. Während sich hochrangige Rivalen im deutschen Medien-Business inoffiziell vergrätzt äußerten, veröffentlichte die „New York Times“ zum Wochenbeginn einen Artikel, in dem die kreativen Wege der europäischen Zeitungsverleger mit der Krise umzugehen gelobt wurden. Mitten drin im Lobgesang: Mathias Döpfner und die Axel Springer AG. Döpfner wird damit zitiert, dass er sogar in den USA Zukäufe für möglich hält, „sollte sich eine bedeutsame Position in einem signifikanten Markt ergeben.“ Der Artikel wurde wohlgemerkt VOR dem Aprilscherz von Turi2 veröffentlicht, Springer würde Twitter kaufen.

Nicht mehr gebraucht wird Oliver Pocher. Jedenfalls von Harald Schmidt. Die ARD hätte ihn gerne behalten, aber Pocher geht nun lieber zu Sat.1, weil die dort ihre Sendeplätze besser planen können. Schon übte sich die ARD in der Rolle als öffentlich-rechtlich beleidigte Leberwurst. Die WDR-Intendatin fabulierte, dass das marode Sat.1 ja viel mehr zahlen könne als die „arme“ ARD, Programmdirektor Volker Herres durchkreuzte Pochers PR-Strategie und kam seinem einstigen Hoffnungsträger für die junge Zielgruppe mit einer Pressemitteilung zuvor. Dann wurden aus der letzten „Schmidt & Pocher“-Sendung auch ausgerechnet noch Passagen wegen Überlänge rausgeschnitten, die sich zufällig kritisch mit Herres auseinandersetzten. Souverän ist das nicht.

Bernd Buchholz gab sein mit Spannung erwartetes Antrittsinterview nach seiner ersten Bilanzpressekonferenz in seiner neuen Rolle als Nummer eins bei Gruner + Jahr der „Süddeutschen Zeitung“. Die räumte fast die gesamte Medienseite für „Big B“ frei. Er redete viel, sagte aber fast nichts. Das muss man auch können, als Vorsitzender. Was soll man auch groß sagen, wenn Umsatz und Ergebnis im vergangenen Jahr runtergerauscht sind und im laufenden Jahr mutmaßlich weiter runterrauschen werden – „Mit Produkten, die eine Zielgruppe richtig ansprechen, kann man weiter gute Geschäfte machen“, das Ergebnis sei „okay“, auf Entlassungen bei der Wirtschaftspresse sei man nicht stolz aber es war „notwendig“, man wolle „mit Qualitätsmedien unterwegs sein“ etc.pp. Es sind schwierige Zeiten für einen neuen Vorstandschef, der Duftmarken setzen will.

In schwierigen Zeiten für viele Schlagzeilen gesorgt hat auf jeden Fall der Kölner Alt-Verleger Alfred Neven DuMont (82). Man könnte den Eindruck gewinnen: Für manche sogar zu viele Schlagzeilen. In dieser Woche berichtete MEEDIA darüber, dass es bei den beiden jungen Verlagsbossen Konstantin Neven DuMont (der Sohn) und Christian DuMont Schütte Irritationen über die geballte Medienpräsenz des Alten gibt. Beide haben sich mit Briefen bei Zeitungen beklagt, die groß über Alfred Neven DuMont und die Übernahme der „Berliner Zeitung“ berichtet hatten. Laut einer DuMont-Sprecherin stimme es aber nicht, dass die beiden Jungen „genervt“ über die große Medienresonanz ihres Vaters und Onkels seien, vielmehr würden sie sich darüber freuen. Also alles genau anders herum. In den bewussten Artikeln in der „Zeit“ und der „Frankfurter Rundschau“ seien vielmehr die „internen Kompetenzen und Verantwortlichkeiten“ bei DuMont falsch dargestellt worden. In dieser Frage dürften die Meinungen wohl weiter auseinandergehen.

Geteilter Meinung kann man auch darüber sein, ob Wolfgang Büchners Einstand in der dpa-Chefredaktion glücklich ist. Ende des Jahres soll er den scheidenden langjährigen Chefredakteur Wilm Herlyn beerben. Nun tritt Büchner früher bei der dpa an als geplant, nämlich zum 1. Juli. Er fängt aber nicht, wie man vermuten könnte, als Co-Chefredakteur an, sondern im Range eines stellvertretenden Chefredakteurs. Seltsam, dass die dpa ihren Hoffnungsträger gleich zum Amtsantritt so unnötig düpiert. Frischen Wind in die behäbigen Strukturen der Riesen-Agentur zu bringen, könnte ein noch härteres Stück Arbeit für Büchner werden als ohnehin schon gedacht.

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