„Massenmedien werden zu Medienmassen“

„Shift happens“, der Medienwandel passiert. Unter diesem Motto treffen sich drei Tage lang 1.400 Blogger und Netz-Enthusiasten auf der re:publica in Berlin. Im Gegensatz zu den typischen Panel-Veranstaltungen, sind hier die Internet-Praktiker unter sich. In Berlin fehlen die Manager, Berater und Investoren, die sonst einen Großteil der typischen, deutschen Web-Event-Teilnehmer ausmachen. Höhepunkt des zweiten Tages: Ein Vortrag von Peter Glaser, der die Konferenzbesucher begeisterte.

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„Shift happens“, der Medienwandel passiert. Unter diesem Motto treffen sich drei Tage lang 1.400 Blogger und Netz-Enthusiasten auf der re:publica in Berlin. Im Gegensatz zu den typischen Panel-Veranstaltungen, sind hier die Internet-Praktiker unter sich. In Berlin fehlen die Manager, Berater und Investoren, die sonst einen Großteil der typischen, deutschen Web-Event-Teilnehmer ausmachen. Höhepunkt des zweiten Tages: Ein Vortrag von Peter Glaser, der die Konferenzbesucher begeisterte.
Der Autor, Bachmannpreisträger und Online-Vordenker, beschäftigte sich eingehend mit dem real stattfindenden Medienwandel. Seine lakonische Analyse: „Massenmedien werden gerade zu Medienmassen.“ Glaser glaubt, dass „Blogger gerade zu Mitkämpfern der klassischen Medien werden. Denn im Internet sind wir alle dazu verdammt, gute Journalisten zu sein.“
Als Kehrseite dieser Revolution sieht Glaser „mehr staatliche Kontrolle, die im Salamitaktik-Verfahren eingeführt wird“. Ein besonderer Dorn im Auge des Netz-Denkers ist Macht Googles und die undurchsichtigen Regeln, nach denen die Suchmaschine vorgeht. „Wir sollten darüber nachdenken, wie man für die vielen guten kleinen Alternativen einen lockeren Verbund schafft, der Google vermeidbar macht.
Übersetzt wurde der Glasers Vortrag simultan in Gebärdensprache. Alleine dieses Detail zeigt: Die re:publica und ihre Teilnehmer sind anders. Früher erinnerte diese besondere Gästezusammensetzung an ein Klassentreffen. Für dieses Feeling ist die Veranstaltung mittlerweile zu groß. Trotzdem unterscheidet sich die Stimmung noch immer von den seriösen bzw. gewollt lockeren Business-Events wie SinnerSchraders Next oder Burdas DLD.
Im Vergleich zu den professionellen Branchen-Treffen gelang der re:publica ein echtes Kunststück: Sie hatte bislang die Fähigkeit, Trends zu setzten. So erlebte Twitter im vergangenen Jahr nach der re:publica seinen ersten echten Boom. Denselben Effekt ließ sich bei den Mini-Laptops von Asus beobachten.
Ob das Blogger-Treffer auch in diesem Krisenjahr wieder Trends beschleunigen kann, lässt sich noch nicht abschätzen. Die Macher hoffen darauf. Nach zwei Tagen zeichnet sich aber ab: Auch in diesem Jahr ist Twitter das Thema der Stunde. Gefolgt von Fragen rund um Politik und Web – kaum verwunderlich, wenige Monate vor der Bundestagswahl.
Am gestrigen Mittwoch – dem ersten Konferenz-Tag – schlug die Stunden der deutschen Blogstars. Die Bühne gehörte Robert Basic, Markus Beckedahl, Stefan Niggemeier oder dem Blogwerk-Chef Peter Hogenkamp. Für Aufsehen sorgte der Auftritt von Jakob Augstein.
Der „Freitag“-Macher lobte die deutschen Blogs, die für sein Blatt auch wichtiger Content- und Ideenlieferant seien. “Ich kann mir gut vorstellen, dass vom ‘Freitag’ nur Online überlebt. Aber ich will das gar nicht. Zeitungen können Sachen, die das Netz nicht kann. Am besten macht man beides und setzt die jeweiligen Vorteile ein”, zitiert Medienlese Augstein. Weiter sagte er: „Es braucht Institutionen und investigativen Journalismus. Mit Spassblogs kontrollieren sie keine Behörden.” Denn: “Politiker interessiert, wenn Heribert Prantl etwas sagt, aber nicht, wenn Don Alphonso etwas sagt.”
Zum Star des Tages avancierte Sascha Pallenberg. Von seinem Blog Netbooknews konnte er bereits nach drei Monaten leben. Da sich der damals in Bosten lebende Deutsche schnell nur noch aufs Bloggen konzentrierte, verlor er seine Green Card und Aufenthaltsgenehmigung. Die Folge: Er zog nach Taiwan und arbeitet nun von dort aus weiter.

>> Hier gibt es den ganzen Vortrag von Peter Glaser

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