„FAZ“: Neuer Ärger mit Perlentaucher

Wie weit geht das Zitatrecht? Diese Frage liegt dem neuerlichen Streit zwischen Perlentaucher und "FAZ" zugrunde: Weil die Feuilleton-Website "Inhalt aus den Publikationen unseres Hauses" bereitstellt, schickte die "FAZ" kurzerhand eine Rechnung über 590 Euro. Der Autor des Textes glaubt, es gebe keinen Vertrag zwischen ihm und der Zeitung – und erlaubt der Website die weitere Veröffentlichung. Die "FAZ" dagegen sagt zwar, der Autor habe die Nutzungsrechte abgetreten, zog die Rechnung aber trotzdem zurück.

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Der Perlentaucher ist und bleibt für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ein Problem. In der aktuellen Sache hatte Perlentaucher.de einen Ausschnitt aus dem Text der Schweizer Autors Thomas Hürlimann auf der eigenen Webseite und via Spiegel Online veröffentlicht. Der Artikel über die deutsche Kritik am Schweizer Bankgeheimnis war am 25. März in der „FAZ“ erschienen. Der Perlentaucher zitierte einen zusammenhängenden Textausschnitt – 1.100 von insgesamt rund 18.000 Zeichen.

„Das scheint mir kein Zitat mehr zu sein, das ist schon eine einszueins-Übernahme“, sagt der Hamburger Medienrechtler Dirk-Hagen Macioszek gegenüber MEEDIA. Zulässig sei allenfalls die verkürzte Wiedergabe. Die Veröffentlichung im Perlentaucher ist somit nicht mehr durch das Zitatrecht gedeckt: Die „FAZ“ kann grundsätzlich Geld verlangen.

Nachdem die „FAZ“ die Rechnung geschickt hatte, nahm der Perlentaucher den Textausschnitt am 1. April von seiner Webseite. Am selben Tag schrieb Hürlimann an die Feuilleton-Website, zwischen ihm und der „FAZ“ habe nur eine „per Mail getroffene Vereinbarung“ aber kein Vertrag bestanden. Der Autor glaubt deshalb, dass er das Copyright an dem Text besitze und erlaubte deshalb ausdrücklich die weitere Veröffentlichung. Die „FAZ“ hat daraufhin auf die Begleichung der Rechnung verzichtet.

Aber: „Schon eine mündliche Abmachung ist ein Vertrag“, so Macioszek. Hürlimann geht offenbar davon aus, dass der Inhalt der E-Mails die exklusiven Nutzungsrechte am Text nicht den Frankfurtern sichert.

In einer Mitteilung der „FAZ“ an MEEDIA heißt es allerdings: „Natürlich fällt der Text nach Auffassung unseres Justitiariats und auch dem des ‚Spiegels‘ nicht unter das Zitatrecht. Was die Nutzungsrechte anbelangt, hat Herr Hürlimann diese vollständig an die ‚FAZ‘ abgetreten. Im übrigen werden wir auch in Zukunft bei übernommenen Textausschnitten weiterhin im Einzelfall prüfen.“

Bereits in den vergangenen Jahren war das Blatt juristisch gegen die Website vorgegangen, die regelmäßig aus der „FAZ“ zitiert. In zweiter Instanz entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Main im Dezember 2007 schließlich, dass „die verkürzte Wiedergabe von journalistischen Beiträgen auf Websites ist unter bestimmten Voraussetzungen urheberrechtlich zulässig“ sei.

Anders als die „FAZ“ sieht der Autor die Internet-Publikation positiv: „Dank dem Zitat im Perlentaucher kam die ‚FAZ‘ zu Käufern, ich zu vielen Lesern und zu einem wichtigen Nachdruck – im Zürcher ‚Tages-Anzeiger‘.“

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