Wikia Search: das Ende des Google-Killers

Nach einem guten Jahr ist Schluss: Wikia Search, die Mitmach-Suchmaschine von Wikipedia-Entwickler Jimmy Wales, wird eingestellt. Das Search-Tool sollte mittels Crowdsourcing zu besseren Suchergebnissen kommen als die Konkurrenz – konnte aber von Anfang an nicht überzeugen. Selbst ein umfassender Relaunch im Juni 2008 brachte nicht die gewünschte Reichweite. Letztlich seien allerdings nicht mäßige Userzahlen, sondern die Wirtschaftskrise Grund für das Aus gewesen, so Wales. Das klingt nach einer Ausrede.

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Einleuchtender erscheint das Ende der werbefinanzierten Suchmaschine, wenn man sich den Verlauf der vergangenen Monate einmal anschaut. Wikia Search wurde im Januar 2008 als Google-Killer gelauncht, doch vom Start weg unterlagen die Seiten-Zugriffe extremen Schwankungen, sowohl bei den Suchanfragen als auch bei den Beiträgen, also den Modifikationen, der User.

Auf genau die kam es aber bei Wikia Search an, immerhin wollte Wales das Wikipedia-Prinzip hier auf die Suche ausweiten, soll heißen: Jeder User konnte Suchergebnisse modifizieren und Verbesserungen, etwa weiterführende Links, hinzufügen. Außerdem konnten User die Suchergebnisse bewerten und auf diese Weise dabei helfen, die Suche zu optimieren.

Doch gerade da hakte es. Seit September 2008 schwankten diese „Contributions“ – bis auf wenige Ausnahmen – zwischen 5.000 und 10.000 pro Tag, Tendenz stark sinkend. Auch davor war die Aktivität der Community nicht gerade überwältigend. Im Schnitt besuchten im letzten halben Jahr 10.000 User die Seite pro Monat. Nicht genug, wie auch Jimmy Wales im CNET-Interview befand. Die derzeitige wirtschaftliche Situation habe ihn gezwungen, alle Dienste des kommerziellen Mutter-Unternehmens Wikia zu prüfen und alles zu tun, um profitabel zu arbeiten, so Wales. „Es würde mindestens ein bis zwei weitere Jahre dauern, bis Wikia Search so weit ist, dass eine breitere Öffentlichkeit die Suchmaschine nutzen kann“, so Wales. „Das können wir uns im Moment nicht leisten.“ Zwei Vollzeit-Mitarbeitern, die sich ausschließlich mit Wikia Search beschäftigen, wurden gekündigt.

Woran mag es liegen, dass dieselben User, die Wales Wikipedia mit Einträgen  überhäufen, an dem Erstellen von Suchergebnissen keine Lust finden? Die Antwort könnte lauten: Weil eine Auflistung von Suchergebnissen längst kein so schönes Potential zur Selbst-Profilierung hat, wie das Schreiben ganzer Wikipedia-Beiträge. Jimmy Wales glaubt dennoch an eine durch Crowdsourcing  gesteuerte Suchmaschine, und verriet CNET, dass er auf jeden Fall darauf zurückkommen werde, wenn es wirtschaftlich wieder bergauf ginge.

Im Februar launchte Wales mit Wikianswers (nicht zu Verwechseln mit WikiAnswers.com!) stillschweigend einen Frage-Antwort-Dienst. Den Medienrummel, der den Launch von Wikia Search begleitete, vermied er diesmal lieber.

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