Larass soll DuMonts Boulevardreich ordnen

Kaum haben sich die DuMonts als neue Herren bei „Berliner Zeitung“, Berliner Kurier“ und „Hamburger Morgenpost“ vorgestellt, schon gibt es die erste hochkarätige Personalie. Claus Larass soll bei der Verzahnung der drei Boulevardtitel „Mopo“, „Kurier“ und Kölner „Express“ beratend tätig werden. Der ehemalige „Bild“-Chef und Springer-Vorstand Larass kennt den Verlag gut. Er war schon mal Mitglied des Aufsichtsrats bei DuMont.

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Verleger Alfred Neven DuMont hält große Stücke auf den erfahrenen Larass. Neben seiner Tätigkeit im Aufsichtsrat der Kölner Verlagsgruppe hat Larass DuMont auch schon 2005 bei der Weiterentwicklung des hauseigenen Tabloid-Titels „Direkt“ geholfen. Das Projekt wurde aber letztlich nicht fortgeführt. Bei den neu erworbenen Boulevard-Zeitungen von DuMont findet Larass aus Synergie-Sicht ein gut bestelltes Feld.

So haben die „Hamburger Morgenpost“ und der „Berliner Kurier“ bereits eine gemeinsame Politikredaktion. Die überregionale Politik-Berichterstattung wird von Hamburg aus erledigt. Auch das Ressort Digitrend kommt für beide Titel von der „Mopo“-Redaktion. Der „Kurier“ steuert dafür die Ressorts Vermischtes, Auto/Reise und große Teile der Sonntagsausgabe bei. Bisher war „Kurier“-Chef Hans-Peter Buschheuer für die Umsetzung der Synergien zwischen den Titeln zuständig.

Larass‘ Hauptaufgabe wird nun sein, den Kölner „Express“, der wie alle Boulevardtitel mit großen Auflagenproblemen kämpft, in diese Redaktionsgemeinschaft einzubinden. Außerdem fehlt es den drei Boulevardzeitungen noch an einer gemeinsamen Online-Strategie. „Express.de“ erzielt mittlerweile hohe Reichweiten, die Online-Angebote von „Mopo“ und „Kurier“ wurden bisher aber eher stiefmütterlich behandelt. Laut Aussage von Verleger Alfred Neven DuMont gilt zunächst die Devise: pro Blatt ein Chefredakteur. Die drei Boulevardzeitungen dürften ihre Chefs also behalten. Bei der „Hamburger Morgenpost“ ist dies Frank Niggemeier, beim „Express“ Rudolf Kreitz und beim „Berliner Kurier“ Hans-Peter Buschheuer, der schon einmal als „Express“-Chef unter DuMont tätig war.

Die nötige Erfahrung, um DuMonts Boulevard-Titel neu aufzustellen, bringt Larass auf jeden Fall mit. Er war von 1992 bis 1997 Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, anschließend stieg er bei Axel Springer zum Zeitungsvorstand auf. Lange Zeit galt Larass auch als designierter neuer Vorstandschef nach dem glücklosen Gus Fischer, wurde dann aber von Shooting-Star Mathias Döpfner ausgestochen. Zwei Jahre lang saß er anschließend im Vorstand der ProSiebenSat.1 Media AG und war u.a. für den Nachrichtenkanal N24 zuständig. Larass hat auch schon die Verlagsgruppe Handelsblatt bei deren mittlerweile beendetem Tabloid-Projekt „News“ beraten.

Seine Rückkehr in die Dienste der DuMonts deutete sich bereits zu Jahresbeginn an. Da hielt Claus Larass die Laudatio auf die „Berliner Zeitung“, die beim Medienpreis „Journalisten des Jahres“ als Redaktion des Jahres ausgezeichnet wurde. Seine Ansprache geriet zu einem Loblied auf das Haus DuMont. Ein Verlag, so Larass, der die Würde seiner Mitarbeiter achte. Vielleicht ahnte er damals schon, dass auch er bald wieder zum Kreis dieser Mitarbeiter zählen würde.

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