Ippens „HNA“ ab heute dpa-freie Zeitung

Schwere Zeiten für die Deutsche Presse-Agentur: Nachdem Anfang des Jahres bereits der Essener WAZ-Konzern die Verträge kündigte, probt jetzt ein zweites Regional-Imperium den dpa-freien Zeitungsjournalismus. Die „Hessische / Niedersächsische Allgemeine“ (HNA) von Verleger Dirk Ippen wird ab diesem Montag ohne Agenturmeldungen erscheinen. Sechs Wochen dauert das Experiment. Dann soll entschieden werden, wie es künftig weitergeht. Laut „Süddeutscher Zeitung“ ist Ippen „gespannt auf das Ergebnis“.

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Zwar ist im Kasseler Raum erscheinende „HNA“ mit einer Auflage von rund 230.000 Exemplaren für die Deutsche Presse-Agentur angesichts der langen Kundenliste nur ein kleines Karo. Doch weitere Ippen-Blätter könnten folgen. Der Verleger, Eigentümer einiger auflagenstarker Titel („Münchner Merkur“), hatte schon im Herbst erklärt, er könne sich vorstellen, aus Kostengründen auf die Dienste der dpa zu verzichten.
Sollte der Test bei der „HNA“ aus Verlagssicht erfolgreich verlaufen, könnte es also zu einem Domino-Effekt kommen. Und dann würden vermutlich Manager weiterer Verlage über einen Verzicht auf Agenturtexte nachdenken. Zwar machte „HNA“-Chefredakteur Jan Schlüter gegenüber der „SZ“ deutlich, dass er von einem „dpa-Bashing“ nichts halte und der Versuch ergebnisoffen sei. Andererseits ließen sich durch eine Kündigung der Agentur jährlich sechsstellige Summen einsparen.
Wolfgang Büchner, der designierte dpa-Chefredakteur, wird sich bei seinem Amtsantritt neben redaktionellen Problemen wohl auch dem Verlagsmarketing widmen müssen, um zu verhindern, dass die Kündigungen zum Trend werden. Großes Problem dabei: Dadurch, dass viele Online-Sites dpa nutzen, sind die Meldungen auch für Printjournalisten bereits am Vortag der Veröffentlichung nutzbar, Urheberrechtsverletzungen zudem schwer nachweisbar. Zudem können viele Meldungen auch über das Zitatrecht legal gebracht werden. Dann heißt es beispielsweise einfach: Wie xy unter Berufung auf dpa berichtet…
Noch lebt die dpa von der Solidarität der Verlage, die ja auch als Gesellschafter am traditionsreichen Zulieferer beteiligt sind. Doch in Krisenzeiten wird in den Medienhäusern spitz gerechnet und wohl auch mit den Angeboten der günstigeren Konkurrenz verglichen. Auf die dpa, so viel scheint klar, kommen unruhige Zeiten zu.

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