Befreiungsschlag unter Brüdern

Es ist der spektakulärste Deal des Medienjahres 2009: Mit dem Verkauf der überregionalen Printtitel sowie eines 50 %-Anteils an der „Zeit“ an Dieter von Holtzbrinck hat der Stuttgarter Konzern einen Befreiungsschlag vorgenommen. Für Stefan von Holtzbrinck entfällt die Bürde der millionenschweren jährlichen Abfindungen an den 2006 ausgeschiedenen Bruder; Dieter von Holtzbrinck bringt seine ganze Printkompetenz ein, um die überregionalen Flaggschiffe des Verlages durch die Krise zu steuern.

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Es ist der spektakulärste Deal des Medienjahres 2009: Mit dem Verkauf der überregionalen Printtitel sowie eines 50 %-Anteils an der „Zeit“ an Dieter von Holtzbrinck hat der Stuttgarter Konzern einen Befreiungsschlag vorgenommen. Für Stefan von Holtzbrinck entfällt die Bürde der millionenschweren jährlichen Abfindungen an den 2006 ausgeschiedenen Bruder; Dieter von Holtzbrinck bringt seine ganze Printkompetenz ein, um die überregionalen Flaggschiffe des Verlages durch die Krise zu steuern.
Das ist die gute Nachricht, wenn man so will. Allerdings schrumpft das Stuttgarter Traditionshaus durch den Verkauf kräftig, und gleichzeitig tritt mit der Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH ein neuer, mächtiger Player im Printgeschäft auf den Plan. Die Preisfrage: Wie harmonisch war der Übergang wirklich? Es ist ja keineswegs selbstverständlich, dass ein 67-Jähriger ins Geschäft zurückkehrt, das über Jahre sein 22 Jahre jüngerer Halbbruder verantwortet hatte. Das nährt Spekulationen über einen Feuerwehreinsatz des Alt-Verlegers, der passender Weise bekennt: „Ich hatte nicht vor, nochmals als Verleger tätig zu werden.“

Das wissen natürlich auch die Beteiligten. Und wohl deshalb wird im um Punkt 15 Uhr publizierten Doppelinterview mit der Hauszeitung „Handelsblatt“ vor allem die Harmonie beschworen. Unter der Headline „In bewährten Familienhänden“ betonen beide Brüder die Kontinuität, die auch in der neuen Konstellation gewahrt werde. Dass die operative Führung auch der „Zeit“ künftig bei Dieter von Holtzbrinck liegen wird, spricht aber Bände. Stefan von Holtzbrinck wird beim renommierten Wochenblatt mitverdienen, aber wohl nicht mehr mitreden.

 Was auf Stefan von Holtzbrinck zukommt, ist neben dem verbleibenden angestammten Verlags-Business das unsichere und volatile Webgeschäft. Kein anderer ist beim Thema Internet so mutig gewesen wie der 45-Jährige, aber er hat seine Vorreiterrolle auch teuer erkauft und im Internet nicht immer glücklich agiert. Auch wenn er wohl zu Recht behauptet, dass die Summe der Online-Projekte profitabel sei, so fragt man sich doch, auf welchem Niveau. Und dass nun der von ihm vor Jahren ausgemusterte Geschäftsführer Michael Grabner wohl zurückkehren wird, dürfte die Stimmung des jungen Verlegers nicht aufhellen. Mit von Partie könnte auch Arno Mahlert sein, ehemals Finanzchef der Holtzbrinck-Gruppe und derzeit bei Maxinvest (Tchibo) tätig.

Der öffentlichkeitsscheue Rückkehrer Dieter von Holtzbrinck, der Segeltörns auf dem Bodensee Gala-Empfängen stets vorgezogen hat, geht die neue Aufgabe ruhig und analytisch an. Dem „Handelsblatt“ sagte er: „Zunächst werde ich jetzt gemeinsam mit den Geschäftsführern und Chefredakteuren eine Bestandsaufnahme machen. Langfristig betrachtet, bin ich nicht pessimistisch wegen der Krise, denn jede Krise geht einmal vorbei. Bezogen auf die Handelsblatt-Gruppe, die im Anzeigengeschäft jetzt besonders Federn lassen muss, sollte man sehen, dass gerade die Bedeutung professioneller Wirtschaftsinformationen und von zuverlässiger Orientierung eher zu- als abnimmt. Gleiches gilt für den Qualitätsjournalismus von ‚Zeit‘ und ‚Tagesspiegel‘.“ In Düsseldorf, Hamburg und Berlin wird man dies mit Erleichterung vernommen haben.

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