Die Favoriten für den Grimmepreis

Heute werden in der Landesmedienanstalt von Nordrhein-Westfalen die Preisträger des 45. Adolf-Grimme-Preis bekanntgeben. Wer dieses Mal das Rennen macht, ist nur schwer abzusehen. Die Bandbreite ist riesig. Favoriten auf den Award sind die Comedyshow "Switch Reloaded". Außerdem sind gleich drei Filme aus der "Tatort"-Reihe und die Schrottplatz-Dokusoap "Die Ludolfs" nominiert. Der Ehrenpreis geht in diesem Jahr an Claus Kleber und Marietta Slomka.

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Aus 695 eingereichten Vorschlägen in den drei Wettbewerbskontingenten des Adolf-Grimme-Preises haben die drei Vorauswahl-Kommissionen in mehrwöchigen Sitzungen insgesamt 60 nominierte Beiträge gefiltert. In der jetzt anstehenden Endrunde werden die Jurys heute zwölf Trophäen in den Kategorien Fiktion, Information & Kultur sowie Unterhaltung vergeben.
ARD-Produktion vertreten

In der Sparte Fiktion liegen vor allem ARD-Produktionen vorn. Die Spannbreite der nominierten Beiträge reicht dabei von „Hurenkinder“ (ARD/NDR, Regie: Andreas Kleinert) mit Nina Kunzendorf über „Mütter, Väter, Kinder“ mit Katja Flint und Matthias Brandt bis hin zu „Mogadischu“ (ARD/SWR/BR) von Regisseur Roland Suso Richter. Auch Regisseur Dominik Graf, mit bislang sieben Trophäen der am häufigsten ausgezeichnete Grimme-Preisträger, ist mit „Das Gelübde“ (WDR/arte) im Rennen.

Grimme-Direktor Uwe Kammann: „Auch der aktuelle Jahrgang bestätigt: Viele Fernsehfilme haben in Deutschland ein sehr hohes Niveau“. Die starke Präsenz von Kriminalfilmen erklärt er sich „als spannende Verhandlung zeitkritischer Stoffe.“ Allein drei Ausgaben des ARD-„Tatort“, darunter auch die Folge „Auf der Sonnenseite“ (ARD/NDR) mit dem neuen Hamburger Kommissar Cenk Batu (gespielt von Mehmet Kurtulus), haben eine Chance auf den Grimme-Preis.

„Doctor`s Diary“: Nach dem Comedypreis jetzt der Grimme-Preis?

Die Nominierten im Bereich Information zeigen, dass auch deutsche Journalisten das Schicksal ihrer ausländischen Kollegen berührt. „Komplexe politökonomische Themen und investigative journalistische Recherchen kennzeichnen maßgeblich das Informationsgenre des TV-Jahres 2008“, fasst Dr. Ulrich Spies, verantwortlicher Referent für den Adolf-Grimme-Preis, die Trends bei den Informationssendungen des vergangenen Jahres zusammen.

Bei vielen der nominierten Beiträge spielt der Blick ins Ausland eine zentrale Rolle: „Ein Artikel zuviel – Anna Politkowskaja und das System Putin“ (3sat/ZDF/SF/MDR/rbb), „Die Jungs von Bagdad High“ (BBC/ZDF/arte), „Rubljovka – Straße der Glückseligkeit“ (rbb/arte/WDR), „Die Weggeworfenen“ (ZDF) oder „Losers and Winners“ (WDR/arte) zeigen die enorme Bandbreite der internationalen Themen. Bei den Serien liegen kaum überraschend die Privaten gut im Rennen. Neue, preiswürdige Formate sind „Doctor’s Diary“ (RTL), „Dr. Molly und Karl“ (Sat.1) und „Mord mit Aussicht“ (ARD/WDR) für den diesjährigen Grimme-Preis nominiert.

Unterhaltung: Im Fernsehen wenig Neues

In der Sparte Unterhaltung ist wieder einmal die TV-Comedy „Switch Reloaded“ (ProSieben) nominiert, ebenso wie die Reihe „Guildo und seine Gäste“ (SWR), in diesem Jahr mit der Folge „Hausbesuch“. „Leider gilt weiter: In der Unterhaltung gibt es nicht viel Neues oder Innovatives“, fasst Grimme-Direktor Uwe Kammann die Diskussionen der Nominierungskommission zusammen. Einen Ausreißer gibt es dann aber doch. „Die Ludolfs“, eine Doku-Soap über vier Brüder auf einem Schrottplatz, ist ebenfalls in der Kategorie Unterhaltung nominiert.

Fünf Nachnominierungen: Restauranttester Rach dabei

Als wenn 60 Konkurrenten um den begehrten Grimme-Award nicht schon genug wären, wurden kurz vor Ende der Vorschlagsfrist auch noch fünf Produktionen nachnominiert. Damit machten die drei Jurys in den Wettbewerbskategorien Information & Kultur, Fiktion und Unterhaltung von ihrem Recht Gebrauch, die bereits 60 für die Endausscheidung nominierten Sendungen und TV-Einzelleistungen zu ergänzen. Unter den Nachnomierungen ist auch ein quotenträchtiger Kandidat, der gute Chancen auf den Preis hat: „Rach, der Restauranttester“ (RTL) mit dem Hamburger Sterne-Koch Christian Rach, der in sechs neuen Folgen versucht, Gaststätten und Restaurants vor dem Ruin zu retten.

Besondere Ehrung für Kleber und Slomka

Zwei Preisträger sind schon bekannt. Die „heute journal“-Moderatoren Marietta Slomka und Claus Kleber erhalten in diesem Jahr die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) als Stifter des Grimme-Preises „für die Vermittlung des komplexen Nachrichtengeschehens auf hohem professionellen Niveau und mit persönlicher Handschrift“. „Im immer bunteren Geschäft der deutschen Fernsehnachrichten stehen Marietta Slomka und Claus Kleber für die Kunst, das aktuelle Tagesgeschehen prägnant zu präsentieren, die Geschehnisse gekonnt und verständlich einzuordnen, die ausgewählten Informationen plausibel darzustellen und ihnen erkennbare Konturen zu geben“, lobt der Ausschuss die Arbeit der „heute journal“-Moderatoren weiter.

In den vergangenen Jahren ging die Auszeichnung an die Schauspielerin Iris Berben und den Entertainer Hape Kerkeling. Die Nominierungen zeigen allerdings eine große Bandbreite bei den Möglichkeiten des Genres. Der Kinder-Klassiker „Die Sendung mit der Maus“ ist mit einem Spezial zur Türkei ebenso im Rennen wie die Coaching-Serie „Die Ausreißer – Der Weg zurück“ (RTL), „Menschen bei Maischberger: Helmut Schmidt“ (WDR) oder die satirische Reisedokumentation „Unterwegs nach woanders“ (3sat). Für seine „authentische, engagierte und uneitle Coaching-Tätigkeit als Schuldnerberater in ‚Raus aus den Schulden’ (RTL)“ ist Peter Zwegat nominiert. Am 03. April wird der Adolf-Grimme-Preis dann im Theater der Stadt Marl vergeben.

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