Yahoo-Chef immer stärker unter Druck

Yahoo-Chef Jerry Yang hat am Wochenende wieder ein Angebot von Microsoft abgelehnt. Microsoft-Chef Steve Ballmer und Carl Icahn hatten Yahoo ein gemeinsames Kaufangebot für das Such- und Online-Werbegeschäft von Yahoo unterbreitet. Außerdem hätten sie Yahoo über zwei Mrd. Dollar Werbe-Einnahmen pro Jahr garantiert. Dafür wollte Icahn aber die Kontrolle über Yahoo übernehmen. Nun muss Yang seinen Aktionären erklären, warum er schon wieder eine Offerte ausgeschlagen hat.

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Das „Wall Street Journal“ berichtet Details zu dem jüngsten Microsoft/Icahn-Kaufangebot. So habe Microsoft das Such-Geschäft für 1 Mrd. Dollar kaufen wollen. Zusätzlich hätte sich das Unternehmen mit knapp 4 Mrd. Dollar an Yahoo beteiligt und 2,8 Mrd. Dollar an Schulden übernommen. Außerdem hätte Microsoft 2,3 Mrd. Werbe-Einnahmen für die kommenden fünf Jahre und 1,6 Mrd. Minimum-Werbegelder für die nächsten fünf Jahre garantiert. Icahn hat ausgerechnet, dass alles zusammengenommen in etwa einem Wert von 33 Dollar pro Aktie für das gesamte Unternehmen Yahoo entspricht.

Klingt nicht übel, aber Yahoo hat abgelehnt. Das Angebot mag finanziell reizvoll gewesen sein, die Yahoo-Vorstände wären aber ihre Jobs losgeworden. Der als „Corporate Raider“ gefürchtete Icahn hat bereits eine Liste mit eigenen Kandidaten für den Yahoo-Verwaltungsrat aufgestellt. Sein erklärtes Ziel ist es, das aktuelle Management um Gründer Jerry Yang zu stürzen und selbst das Ruder bei Yahoo zu übernehmen. Im Zuge des jüngsten Angebots, hätte Icahn mit seinen Leuten die Kontrolle über den Rest von Yahoo, außerhalb des Such-Geschäftes, bekommen. „Diese merkwürdige und opportunistische Allianz von Microsoft und Icahn ist nicht im Interesse der Yahoo-Aktionäre“, teilte Yahoo am Wochenende in einer Stellungnahme mit. Das Angebot sei schlechter als die Kooperation mit Google.

Die bereits geschlossene Anzeigen-Kooperation mit Google bringt Yahoo „nur“ maximal 800 Mio. Dollar pro Jahr an Mehreinnahmen. Allerdings ist der Google-Deal nicht exklusiv. Will heißen: Yahoo kann parallel noch weitere Vermarktungsdeals abschließen und so in Summe höhere Einnahmen erzielen.

Bei Yahoo bevorzugt man allerdings einen kompletten Verkauf- oder aber das Angebot für das Such-Geschäft müsste deutlich verbessert werden. Microsoft hatte im Juni schon einmal einen Vorstoß unternommen, über eine Kooperation oder einen Kauf an das Such-Geschäft von Yahoo heranzukommen. Laut Reuters war Microsoft damals bereit, 9 Mrd. Dollar für das Such-Geschäft zu zahlen und Yahoo 1 Mrd. Dollar Werbe-Einnahmen für drei Jahre zu garantieren.

Mittlerweile könnte sich der Yahoo-Verwaltungsrat offenbar mit den schon einmal von Microsoft gebotenen 33 Dollar pro Aktie für das komplette Paket anfreunden. Nur: Microsoft will nicht mehr soviel zahlen. Jerry Yang hat sein Blatt im Verhandlungspoker schlicht überreizt. Zurzeit steht der Kurs einer Yahoo-Aktie bei rund 23,50 Dollar.

Der Druck auf das derzeitige Yahoo-Management um Firmengründer Yang ist gewaltig. So befasst sich der US-amerikanische Senat am Dienstag mit der Anzeigen-Kooperation zwischen Yahoo und Google. Yahoo will bei dieser Kooperation Google-Werbung auf eigenen Seiten schalten und so bis zu 800 Mio. Dollar zusätzlich pro Jahr einnehmen. Die Kooperation ist zunächst auf vier Jahre angelegt. Experten bezweifeln, ob eine solche Zusammenarbeit zwischen der Nummer eins (Google) und der Nummer zwei (Yahoo) in Sachen Online-Werbung kartellrechtlich unbedenklich ist. Sollten die US-Kartellbehörden Bedenken anmelden, verliert Yahoo womöglich seine letzte Trumpfkarte im Verhandlungspoker mit Microsoft. Außerdem muss Yang den Aktionären erklären, warum er schon wieder ein finanziell lukratives Angebot von Microsoft ausgeschlagen hat.

Am 1. August findet die Hauptversammlung von Yahoo statt, bei der Carl Icahn versuchen will, den bestehenden Verwaltungsrat zu stürzen und seine eigene Leute zu installieren. Der Wirtschaftskrimi um Microhoo nähert sich dem Showdown.

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