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„Über Marktführer zu meckern, ist Trend“

Zwölf Millionen Mitglieder können nicht irren. Das Image von StudiVZ, SchuelerVZ und MeinVZ ist nicht das Beste und auch bei den Klicks verlieren die drei Portale beständig. Aber noch sind sie Nummer eins in Deutschland. Die Nutzer sind mit dem Produkt zufrieden. Michel Honold weiß warum. Der Oberstufenschüler betreibt mit Mehrblog.net das größte deutsche VZ-Watchblog. Im MEEDIA-Interivew verrät er das Erfolgsgeheimnis von StudiVZ & Co.

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Finden Sie, dass die VZ-Angebote besser sind, als ihr Ruf?
Die VZs sind auf jeden Fall besser als ihr angeblich so schlechter Ruf, es ist aber auch nicht so, dass StudiVZ alles richtig macht. Und wären die VZs so schlecht wie immer gesagt wird, dürften sie auch keine Nutzer haben. Aber über Markführer zu meckern ist zur Zeit einfach im Trend.
Warum haben StudiVZ & Co. mit einem so schlechten Ruf und Image zu kämpfen?
Der Ruf von StudiVZ ist erst einmal gar nicht so schlecht wie häufig gesagt wird. Der Grund für das Imageproblem ist eindeutig die AGB-Änderung im letzten Dezember. Damals wollte sich StudiVZ erlauben lassen Werbeemails zu verschicken, über Instant-Messenger zu Werben und auch personalisierte Werbung einzuführen. Durch den Aufschrei der Nutzer wurden die Werbeemails und die IM Werbung wieder gestrichen. Geblieben ist aber die personalisierte Werbung. Interessant ist dabei, dass gerade die Leute, die immer über StudiVZ schimpfen, Facebook-Fans sind und gerade dort viel mit personalisierter Werbung gearbeitet wird. Ein wirkliches Image-Problem hat allerdings SchülerVZ bei vielen Eltern. Das liegt vor allem an vielen einseitigen Presseberichten z.B. bei Sat.1 oder im „Spiegel“. In ihnen werden häufig nur ein oder zwei Mobbingfälle herausgegriffen, ohne zu sagen, dass solche Fälle selten sind. Das beunruhigt natürlich viele Eltern. Darüber hinaus haben auch viele Schulen Angst vor zuviel Kritik im Netz und versuchen deshalb ihren Schülern per Schulordnung zu verbieten, SchülerVZ zu Nutzen.
Sollten sich die Berliner mehr Mühe geben und gegen dieses schlechte Image vorgehen oder ist das den Nutzern letztendlich egal?
Ein gutes Image ist immer wichtig, wenn eine Plattform wachsen will, aber nicht, wenn sie schon so groß ist wie StudiVZ. Wie schon gesagt. Das Problem ist nicht so gravierend, dass es StudiVZ nachhaltig schadet. Natürlich wäre StudiVZ aber gut beraten, wenn sie an ihrem Image arbeiten, was für Medienimperium wie Holtzbrinck durchaus zu schaffen sein müsste. 
Warum sind so viele Menschen Mitglied bei einer der drei VZ-Plattformen?
Bei StudiVZ ist der Grund sicherlich, dass man anfangs in Deutschland allein auf weitem Feld stand. Es gab keine echte Konkurrenz. Von Facebook wussten nur die wenigsten etwas, und so konnte StudiVZ 2006 schnell groß werden. Ist dann ein gewisser Punkt erreicht, kommen neue Nutzer einfach weil „schon jeder da ist“. Und der Erfolg von StudiVZ hat schließlich auch SchülerVZ und MeinVZ mitgezogen. Ein weiterer Grund ist, dass StudiVZ es seinen Mitgliedern so einfach wie möglich macht es zu nutzen.
Was ist das Erfolgsgeheimnis von StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ?
Die deutschen Internetnutzer sind eher für einfache Dienste zugänglich, das hat StudiVZ erkannt und erfolgreich genutzt, während die Konkurrenten ständig neue Features einführen. Wenn man sich Facebook oder MySpace anschaut, dann gibt es dort unzählige Funktionen und die Apps machen es nicht gerade einfacher zu benutzten. StudiVZ hingegen, ist sehr aufgeräumt und hat eine klare Line, während Facebook ständig versucht sich neu zu erfinden.
Welche Funktion finden Sie auf der Plattform am gelungsten?
Ziemlich gut fand ich die erste Version der Fotoalben, die ganz einfach und schlicht war, ohne irgendwelche Ajax-Effekte. Im Sommer wollte StudiVZ dann modern sein und hat die Fotoalben so umgebaut, dass alles in einer Art Lighbox geladen wurde. Das gefiel vielen Mitgliedern nicht, so dass es jetzt eine Mischung aus beidem gibt die ich für sehr gelungen halte.
Was nervt bei StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ am meisten?
Seit ein paar Tagen stört mich die „Du hast dich beim letzten Mal nicht abgemeldet“-Meldung, die man aber durch einen Adblocker ausblenden kann. Ziemlich nervig sind auch die vielen JavaScript Fehler die es in manchen Teilen gibt, wenn man mehr als ein Fenster offen hat.
Glauben Sie, dass es möglich ist, ein Social Network zumindest kostendeckend zu betreiben?
Natürlich und StudiVZ ist auf einem guten Weg dahin. Denn 10 Millionen Euro Umsatz, bei 10 Millionen Euro Verlust sind für ein Web 2.0 Angebot ziemlich gut. Zur Zeit kostet jeder Nutzer StudiVZ 1,7€ pro Jahr und dass sollte sogar über Google AdSens zu schaffen sein. Kleinere Angebote laufen bereits jetzt kostendeckend, das Problem bei den großen ist häufig nur, dass ihre Werbeflächen nicht gut ausgelastet sind.
Macht die VZ-Gruppe bei der Vermarktung ihrer Seiten alles richtig?
Die VZs machen bei ihrer Vermarktung vieles richtig, aber bei weitem nicht alles. Gut sind auf jeden Fall die Communitywerbeformen wie die Edelgruppen. Damit hat StudiVZ ein in Deutschland einmaliges Werbemodell geschaffen.
Was könnten die Portale noch besser machen?
Was StudiVZ besser machen könnte wäre ein Modell wie „Do Ad yourself“ von AdNation, wo man mit wenigen Klicks ab 49 Euro Werbung in erfolgreichen Blogs buchen kann. dafür wird einfach nur ein wenig Text eingegeben, ein Bild hochgeladen, eine Farbe ausgesucht und ein Link bestimmt und über PayPal bezahlt. Das wäre auch eine Möglichkeit eine kleine Werbefläche bei StudiVZ zu verkaufen. Eventuell ließe sich vielleicht sogar einstellen, woher der Nutzer kommen soll der die Anzeige sieht, durch die Möglichkeit der Werbung z.B. nur für einen Ort ist StudiVZ als Werbeträger auch z.B. für das Kino in der Stadt oder eine Bar attraktiv. Damit lassen sich vor allem kleinere Werbekunden ohne Arbeitsaufwand erreichen, womit man wiederum eine höhere Auslastung erreichen könnte.
Was halten Sie von den Verkaufsgerüchten?
Prinzipiell ist ein Verkauf von StudiVZ natürlich nicht unmöglich, aber wie wir aus verschiedenen Interviews und unseren sehr zuverlässigen Quellen wissen, betrachtet Holtzbrinck StudiVZ als sehr langfristiges Investment, dass sich vielleicht erst in 10 oder 20 Jahren richtig auszahlt. Einen Verkauf an Facebook halte ich für absolut ausgeschlossen, da Facebook zur Zeit selbst nach Kapital sucht, um seine eigenen Kapazitäten auszubauen, da die letzte Finanzierungsrunde komplett in die Infrastruktur gesteckt wurde, so dass Facebook zur Zeit fast ohne Barvermögen dasteht. Auch andere Käufer halte ich aufgrund der Finanzkrise für schwierig, da Holtzbrinck sicher nicht unter 100 Millionen Euro geht, die außer Apple, News Corp. und Google niemand einfach so rumliegen hat und alle drei sind keine geeigneten Käufer für StudiVZ. 
Welche Schlagzeile würde Sie gerne in den nächsten Wochen und Monaten über StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ lesen?
„StudiVZ kauft Facebook“, nur damit alle Blogger außer uns sich ärgern können, wie falsch sie doch lagen.

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