Testversion der ARD-Mediathek enttäuscht

Die ARD-Mediathek ist am Wochenende mit einer Testversion gestartet. Die großen Erwartungen an den gemeinsamen Internet-Auftritt der Anstalten öffentlichen Rechts wurden zum Start nicht erfüllt. Zunächst kam der Launch der Mediathek deutlicher Verspätung und dann ist er auch noch wenig überzeugend. Das Angebot ist bislang wenig einheitlich, man findet sich schwer zurecht und oft gibt es statt ganzer Sendungen nur Schnipsel. Kein Vergleich zur ZDF Mediathek.

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Die Navigation bei der ARD-Mediathek ist nicht, wie man es von aufgeräumten Seiten gewohnt ist, in einem Balken vertikal oder horizontal oben auf der Seite platziert; die Menüpunkte sind als „Headlines“ in untereinander stehenden Themen-Blöcken aufgelistet. Das führt dazu, dass man scrollen muss, um überhaupt zu sehen, welche Themen angeboten werden: „Highlights“, „Thema des Tages“, „Kategorien“, „Die neuesten Clips“, „Podcast der Woche“ und „Das Beste aus…“. Hinter der Kategorie Nachrichten verbergen sich über 12.600 Beiträge, die auf 789 monotonen Indexseiten aus „Tagesschau“- und „Tagesthemen“-Logos angekündigt sind. Über den Inhalt der Sendungen erfährt man nichts.

Die Sortierung auf den Unterseiten ist missraten. Intuitive Bedienbarkeit sieht anders aus. Die vielen Videos und Podcasts sind weder nach Formaten noch nach Sendern geordnet. Da findet sich ein dreiminütiger Podcast-Schnipsel des „Inforadio rbb“ über die Parlamentswahl in Serbien direkt neben einem viertelstündigen „Bayern 2“-Beitrag über Freecycling. Frank Plasbergs „Hart aber fair“ gibt es beispielsweise fast ausschließlich als Audio-Podcast.

Der Auftritt des Bayrischen Rundfunks, der für die „Das Erste“-Mediathek verantwortlich zeichnet, macht noch die beste Figur beim Senderkonglomerat der Öffentlich-Rechtlichen. Hier sind die Clips nach Sendungen geordnet und vollständig abspielbar.

Dennoch: Das Chaos überwiegt. Es entsteht unwillkürlich der Eindruck, dass die unterschiedlichen Anstalten hier um die beste Platzierung ringen. Die ARD leidet unter ihrem Föderalismus. Auf der Seite herrscht noch heilloses Durcheinander. ARD-Chefintendant Fritz Raff ist naturgemäß ganz anderer Meinung: „Die ARD Mediathekmacht deutlich, was die ARD als Gemeinschaft für die moderne Wissensgesellschaft leisten kann.“

Der ZDF-Auftritt ist da um einiges besser. Das Zweite ging mit seiner Mediathek deutlich früher online und hat inzwischen eine angenehme Darstellungsform gefunden.

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