Telefónica attackiert Christoph Mohn

Großer Name, kleiner Erfolg und nun auch noch jede Menge Ärger: Christoph Mohn, Sohn des Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn, wird von den eigenen Gesellschaftern angegriffen. Der spanische Telefonkonzern Telefónica lässt die Geschäftspolitik des kriselnden Internetunternehmens Lycos und dessen Vorstandschef Mohn bei der Unternehmenskammer in Amsterdam gerichtlich durchleuchten – ein Affront gegen die Gütersloher Mediendynastie, die zuletzt schwere Verluste vermeldet hatte.

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Das Verhältnis zwischen Bertelsmann und Telefónica, die zusammen 52,1 Prozent der Lycos-Aktien halten, galt bislang als ausgesprochen gut und entspannt. Beide Konzerne machten Seite an Seite jahrelang gute Geschäfte. Dass die Spanier nun den Mohn-Sohn Christoph angreifen, dürfte das harmonische Miteinander abrupt beenden. Offensichtlich glaubt Telefónica nicht mehr daran, dass Mohn die schwer defizitären Lycos-Bilanzen in den Griff bekommt. Die Telefónica-Tochter LE Holding stellte gestern Nachmittag einen Antrag auf eine Untersuchung der Unternehmenspolitik von Lycos bei der Unternehmenskammer des Berufungsgerichts in Amsterdam. Lycos ist seit dem Börsengang im Jahr 2000 in den Niederlanden notiert. Aus dem Börsengang verfügt das Unternehmen noch über Reserven von rund 145 Millionen Euro.

Auslöser für die beantragte Untersuchung und den „Vertrauenslust“, so das „Handelsblatt“, sind die desaströsen Zahlen im ersten Halbjahr 2008 in einer insgesamt boomenden Branche: Lycos fuhr trotz eines Sparkurses ein Minus von 9,8 Millionen Euro ein, der Umsatz ging wegen schwacher Werbeeinnahmen um 19,8 Prozent auf 33,3 Millionen Euro zurück. Hauptgrund für die roten Zahlen waren die enttäuschenden Werbeeinnahmen, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent zurückgegangen sind. Auch die Ankündigung des Internetportalbetreibers durch „straffes Kostenmanagement“ die Bilanzen freundlicher gestalten zu wollen, konnte den spanischen Telefonriesen nicht mehr von seinem unpopulären Vorgehen abhalten. Beim Mitgesellschafter Bertelsmann reagierte man wenig erfreut auf die spanische Attacke: „Wir haben das zur Kenntnis genommen“, heißt es in Gütersloh.

Lycos Europe wird seit der Gründung 1997 vom glücklosen Christoph Mohn geleitet, der selbst rund zwölf Prozent der Anteile am Unternehmen hält und seit Ende 2006 auch im Aufsichtsrat von Bertelsmann sitzt. „Eine Katastrophe“ sei die unternehmerische Bilanz des „Miliardärssohnes“, urteilte „Handelsblatt“-Medienexperte Hans-Peter Siebenhaar in seinem Weblog. Mohn habe es „weder im Web 1.0 noch im Web 2.0 geschafft, seinen börsennotierten Konzern in eine gesunde wirtschaftliche Zukunft zu führen. Andere Vorstandschefs hätten die miserable Performance nicht überlebt“, urteilt Siebenhaar.

Der Gütersloher Medienkonzern und Telefónica versuchen schon seit Monaten ohne Erfolg, die wenig geliebte Tochter Lycos zu verkaufen. Christoph Mohn hatte darauf spekuliert, dass Lycos für asiatische Firmen eine günstige Möglichkeit biete, in Europa Fuß zu fassen – eine Hoffnung, die sich bislang nicht erfüllte. Was auch daran liegen könnte, dass die beiden Großaktionäre einen Kaufpreis von rund 200 Millionen Euro erzielen wollten. Trotzdem soll der Verkauf von Lycos bis Ende des Jahres abgeschlossen sein, dann wohl zu einem deutlich geringeren Kaufpreis als bislang angenommen. Auch für Christoph Mohn dürfte das Fiasko Lycos nicht ohne Konsequenzen bleiben: Seiner Schwester Brigitte werden im Unternehmen mittlerweile größere Perspektiven eingeräumt als ihm.

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