So funktioniert das Facebook-Universum

Publishing Mit allen Freunden vernetzt sein, Fotos tauschen oder miteinander chatten: Das Social Network boomt und boomt und macht süchtig. Doch was erwartet Neulinge eigentlich nach der erfolgreichen Anmeldung? Der generelle Unterschied zu anderen Networks: Facebook zielt im Gegensatz etwa zu MySpace nicht darauf ab, neue Bekanntschaften zu machen, sondern bestehende zu pflegen. Oberste Regel dabei: Nicknames sind unerwünscht, Facebook setzt auf authentische Profile.

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Bescheidenheit, so scheint es, ist wohl noch nicht unbedingt die ganz große Stärke des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg: “Wir haben Facebook gegründet, weil wir fest daran glauben, dass unsere Kommunikationsplattform der Welt einen Dienst erweisen wird. Und das ist eine langfristige Aufgabe.” So klingt Sendungsbewusstsein. Seit viereinhalb  Jahren arbeitet das Team von Facebook an dieser Aufgabe – und zwar mit immer mehr Erfolg. Mehr als 132 Millionen Unique User – also: eindeutig identifizierbare Besucher – besuchen das boomende Social Network inzwischen. Das sind erstaunliche 150 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. MySpace, der große Rivale, der noch im Jahr zuvor scheinbar uneinholbar vorne lag, ist damit erstmals distanziert worden  (118 Millionen Besucher).

“Das Koordinatensystem bestehender sozialer Verbindungen”

Zuckerberg selbst sieht den Schlüssel zum enormen Erfolg, den Facebook in den vergangenen Jahren erzielt hat, in der Wandlung vom Social Network zur Social Utility  – also vom Netzwerk zu einer Plattform, die Kommunikationsprozesse optimiert. “Wir nennen das den Social Graph, das Koordinatensystem bestehender sozialer Verbindungen”, erklärt der Facebook-Gründer den eigenen Anspruch unlängst selbstbewusst gegenüber dem Lifestyle-Magazin Vanity Fair. “Facebook zielt im Gegensatz zu MySpace oder anderen Social-Networking-Websites nicht darauf ab, neue Bekanntschaften zu machen, sondern bestehende zu pflegen, nur auf einer neuen Kommunikationsebene”.

Wie sieht diese neue Kommunikationsebene nun aus?  Die erste Beschreibung, die der User zu lesen bekommt, wenn er das minimalistisch designte Facebook besucht, lautet etwas kryptisch: “Facebook ist eine Plattform, die dich mit den Leuten um dich herum verbindet”, verkündet die deutschsprachige Website lapidar.

Und das geht so: Registrieren kann sich jeder, der bereit ist, seine eMail-Adresse, seinen vollständigen Namen, sein Geschlecht und sein Alter anzugeben. Die Notwendigkeit der letzteren Angabe wird wie folgt begründet: “Facebook benötigt von allen Benutzern ihr wahres Geburtsdatum, sowohl als Sicherheitsmaßnahme als auch, um die Integrität der Seite zu wahren. Wenn du möchtest, kannst du diese Information in deinem Profil ausblenden”.



Facebook : Beste aller Web 2.0-Welten

Wer sich einmal zur Anmeldung entschlossen hat, betritt ein Netzwerk-Universum, das seinesgleichen sucht. Schnell wird klar, dass Facebook das Beste aus den Web 2.0-Welten vereint:

• Es bietet alle Killerapplikationen des Web 2.0 bzw. integriert per einfacher Installation die Inhalte führender Anbieter wie YouTube, Flickr oder Twitter.

• Es ist eine Netzwerk-Community  für geschäftliche, vor allem aber private Kontakte – kommt dabei aber viel  interaktiver und lässiger daher als Xing oder LinkedIn

• Es besitzt die Coolness und Anziehungskraft des großen Rivalen MySpace, kann dabei aber fast durchweg reale Kontakte aufweisen.  

• Es hilft dabei, alte Schul- und Studienfreunde wiederzufinden, ist dabei aber nicht so lokal begrenzt wie Stayfriends.de oder studiVZ.

• Er spielt mit dem versteckten Reiz des Online-Flirts, kommt dabei aber ohne die Zielgerichtetheit von Dating-Websites aus

• Es bringt echte Menschen rund um den Erball zusammen, kommt aber ohne den bisweilen etwas missionarischen Eifer von Couchsurfing oder des HospitalityClubs.org daher.

Profil: Pflicht Basisangaben, Kür Interaktion  

Wer in der Praxis an Facebook Spaß haben will, sollte im Profil über ausführlichere Angaben zu sich selbst nachdenken. Wie im wirklichen Leben gilt: Je mehr man von sich selbst preisgibt, desto interessanter wird man für andere. Nach der Wahl eines Netzwerkes, das nach der Nationalität oder dem gewärtigen Wohnort erfolgt (etwa: Germany Network, dem gegenwärtig über 500.000 Mitglieder angehören),  können im Menü-Bereich “Info” Basis-Informationen zur Ausbildung, zum Arbeitgeber und Persönliches wie Interessen und Hobbys (“Lieblingsmusik, -filme- und -sendungen”) angegeben werden.

So weit, so relativ formell. Der eigentliche Spaß fängt bei Facebook jedoch bei den unzähligen Zusatzfunktionen an, mit denen man das eigene Profil aufpeppen kann. Das sind neben den unzähligen Applikationen von Dritt-Anbietern zum Beispiel die Twitter-esquen Statusupdates: “Bin gerade in München gelandet”, schreibt da etwa ein Nutzer artig in Business-Sprech, während  eine andere Userin ihre Freunde wissen lässt: “…is at home and she’s a happy like blond girl!” Wieder eine andere Facebookerin fordert unterdessen Interaktion: “I’m bored and want you to write me a message :)”.

Ebenfalls immer interaktiver geht es in Bereichen zu, die ursprünglich gar nicht danach aussehen – der Pinnwand oder dem Foto-Menü. Wenn es einen neuen sozio-psychologischen Trend gibt, den die Interaktion in Social Network zutage fördert, dann ist es wohl das hier offen ausgelebte Mitteilungsbedürfnis, das Kritiker blanken Exhibitionismus nennen mögen. Fotos werden bis in die intimsten Details kommentiert, die nach Zustimmung, Widerspruch, aber fast immer Erwiderung trachten. Und andersherum wird Kommunikation, die früher in der vertraulichen 1:1-Gesprächssituation ausgetragen wurde, immer öfter auf Pinnwände verlegt, in denen interessierte Freunde, manchmal aber auch das ganze Netzwerk von Verabredungen, Treffpunkten oder Gesprächsinhalten lesen können.

Dass manchem Facebooker dabei schon mal die Gäule durchgehen und die Profil-Seite zur offen ausgelebten Profil-Neurose wird, ist eine andere Frage.

Im nächsten Teil lesen Sie mehr über diese neue Lust an der Selbstentblößung.   

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