Lycos Europe gibt auf: 500 Jobs weg

Es ist das absehbare Ende einer einzigen Talfahrt. Mehr als achteinhalb Jahre nach dem Börsendebüt gibt der notorisch defizitäre Portalbetreiber Lycos Europe auf. Wie das Internet-Unternehmen heute mitteilte, sollen die Geschäftsbereiche Domain und Shopping und das dänische Portal verkauft und die Portal- und Webhostingaktivitäten eingestellt werden. 500 der 700 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Barbestände in Höhe von 50 Millionen Euro werden an die Aktionäre ausgeschüttet.

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Paukenschlag in der deutschen Internet-Landschaft: Der Portalbetreiber Lycos Europe, an dem Bertelsmann noch zu 20 Prozent beteiligt ist, gab heute vor Börseneröffnung die nicht mehr wirklich überraschende Trennung von zwei Dritteln seines Kerngeschäfts bekannt. Dem Schritt fallen 500 Arbeitsplätze zum Opfer.  „Das Management bedauert diese schmerzliche Entscheidung sehr, da das Lycos-Team hochqualifiziert, motiviert und engagiert ist“, erklärt Vorstandschef Christoph Mohn.

Vorausgegangen war der Entscheidung „eine strategische Prüfung“, um zu beschließen, „welches der beste Weg vorwärts für die Gesellschaft und ihre Aktionäre sei“. So wurden „Möglichkeiten eines Wechsels der Anteilseignerbasis oder Anteilseignerstruktur geprüft sowie Möglichkeiten für den Verkauf des Geschäfts als Ganzes, sowie der separate Verkauf einzelner Geschäftsbereiche oder Vermögenswerte, Restrukturierung und Teilliquidation des Geschäfts“.

„Nicht gelungen, unsere Geschäftsmodelle in steigendem Maße zu monetarisieren“

Das Ergebnis der internen Analyse liest sich wie eine Kapitulationserklärung. „Obwohl Lycos Europe – gemessen an der Reichweite – zwischenzeitlich größtes europäisches Internet-Portal war, ist es uns nicht gelungen, unsere Geschäftsmodelle in steigendem Maße zu monetarisieren“, muss Mohn eingestehen. Bis zuletzt hatte das Portal immer wieder rote Zahlen geschrieben. Allein in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres waren Verluste in Höhe von 20 Millionen Euro angefallen – bei Umsätzen von gerade mal 47 Millionen  Euro.

1997 wurde Lycos Europe als Joint Venture zwischen Bertelmann mit dem US-Internetunternehmen Lycos gegründet. Als der Gegenwind in der New Economy-Krise immer größer wurde, hat Bertelsmann-Erbe Christoph Mohn auch privates Vermögen investiert. „Ich wollte zeigen, dass ich an das Internet glaube“, erklärte der heute 43-Jährige seinerzeit im Gespräch mit dem „Manager Magazin“. Internetexperten bemängelten jedoch immer wieder, Mohn habe es versäumt, eine klare Unternehmensstrategie zu präsentieren.

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