Google-Schmidt: Mobile hui, Web2.0 pfui

Google-CEO Eric Schmidt hat in einem ausführlichen „FAZ“-Gespräch die künftige Strategie des Such-Riesen dargelegt. Demnach setzt Schmidt in Zukunft vor allem auf mobile Werbung. Social Networks des Web2.0, wie Myspace, haben dagegen seiner Einschätzung nach weit weniger Potenzial. „Die Werbung, die in sozialen Netzwerken läuft, muss erst noch erfunden werden“, so Schmidt. Große Chancen sieht er auch in der Auslagerung von Computer-Anwendungen ins Internet.

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Ein Beispiel für das sogenannte Cloud Computing sind die Google-Programme „Text & Tabellen“, die einfache Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen kostenlos online ermöglichen. Auch das Speichern von Daten „in the cloud“ ist laut Schmidt ein großes Thema. Google sei hier nur noch nicht aktiv, weil die Server-Kapazitäten der Firma derzeit ausgeschöpft seien. Ein interessantes Bekenntnis vom Google-Chef.

Das große Ding der Zukunft soll aber Googles Android werden, ein offenes Betriebssystem für mobile Endgeräte, vulgo Handys. Werbung auf mobilen Geräten könne sehr viel persönlicher und wirkungsvoller sein als bisher, so Schmidt in der „FAZ“. Und weiter: „ Aus der Verbindung von GPS und Landkarten werden Dinge entwickelt, die mich positiv überraschen.“ Ein deutlicher Hinweis, dass Google künftig Werbung auch örtlich personalisieren möchte. Schmidt gibt in dem Gespräch noch einen Hinweis auf eine mögliche neue Google-Anwendung: Mit Daten, die „in the cloud“ gespeichert sind, lasse sich ein globaler Kalender entwickeln. „Dort ist dann zu sehen: Was passiert am Dienstag – überall in der Welt.“ Man darf davon ausgehen, dass Google in diesem Moment an genau einer solchen Anwendung strickt. In einigen Jahren, so prognostiziert Schmidt, werden die Werbe-Erlöse aus Mobile die des Web überholen.

Von dem eigenen, ziemlich teuren, Einkauf YouTube und sozialen Netzwerken wie Myspace, Facebook und Co. Verspricht sich Schmidt dagegen in Kürze weit weniger – rein monetär. „Es gibt sicher Chancen in Video-Werbung und in der graphischen Werbung. Einige Dinge funktionieren, aber andere funktionieren eben nicht“, so Schmidts nüchternes Fazit. Ähnliches gilt für soziale Netze. Hier hat Google einen umfangreichen Kooperations-Deal mit Rupert Murdochs Myspace, der bisher offenbar weit weniger Geld bringt, als erwartet. Schmidt bringt es auf den Punkt: „Es ist schwieriger als gedacht, unser Werbenetzwerk in sozialen Netzwerken zum Laufen zu bringen. Wer in seinem sozialen Netzwerk unterwegs ist, denkt eben nicht daran, eine Waschmaschine zu kaufen.“ Vor genau dem selben Problem steht in Deutschland der Holtzbrinck-Konzern mit seinem klickstarken aber umsatzschwachen sozialen Netzwerken StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ.

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