Facebook verliert dramatisch an Wert

Was für ein Unterschied ein Jahr macht: Mit enormen 15 Milliarden Dollar wurde das am schnellsten wachsende Social Network der Welt im vergangenen Herbst noch bewertet – rein rechnerisch, auf Basis einer Beteiligung von Microsoft. Inzwischen ist der Firmenwert dramatisch zusammengeschrumpft, rechnen verschiedene US-Medien vor. Gerade mal noch 1,3 Milliarden Dollar werden aktuell im außerbörslichen Handel für Facebook-Aktien bewilligt.

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Status-Update: Bewertung im Sturzflug. So dürfte das gefragteste Start-up der Web 2.0-Ära in diesen Tagen seinem Freundesnetzwerk wohl seine Befindlichkeit mitteilen. Und wie sollte es auch anders sein: Während sich der Aktienmarkt seit Monaten im freien Fall befindet und die Vorzeige-Unternehmen des Silicon Valleys wie Google oder Apple längst mehr als die Hälfte ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt haben, hat der Crash auch beim noch nicht börsengelisteten Social Network tiefe Spuren hinterlassen.

Über die Mond-Bewertung von 15 Milliarden Dollar staunte die Internetwelt noch im vergangenen Jahr, als der Software-Riese Microsoft für einen 1,6-prozentigen Anteil erstaunliche 240 Millionen Dollar hinblätterte. Hoch gerechnet käme Facebook damit also auf eine Bewertung von 15 Milliarden Dollar.

Was dabei jedoch gern vergessen wurde: Mit dem Investment, das Microsoft aus der Portokasse bezahlen kann, sicherte sich der Softwareriese den Einstieg beim heißesten Social Network des Valleys – und kam Google damit zuvor. Mit der Übernahme von nur 1,6 Prozent erhielt das Dow Jones-Mitglied für 240 Millionen Dollar Eintritt zu 120 Millionen Usern, die über Microsofts Live.com im Internet suchen und in Zukunft über MSN miteinander chatten sollen.

Entsprechend vermessen erscheint es, die 1,6-Prozent-Beteiligung auf die restlichen 98,4-Prozent hochzurechnen: Warum sollte Microsoft den vollen Preis bezahlen, wenn es bereits bei 1,6 Prozent seine Handschrift hinterlässt?

Virtueller Wertverlust: Mehr als 90 Prozent

Doch wie viel wert ist Facebook nun? Offenbar nicht einmal mehr 4 Milliarden Dollar, wie der versuchte Verkauf von Mitarbeiteroptionen in diesem Herbst beweist. CEO Mark Zuckerberg wollte es seinen verdienten Mitarbeitern ermöglichen, Firmenanteile zu dieser Bewertung zu veräußern, fand aber am Ende keine institutionellen Abnehmer. Auch die Fundraising-Tour von CFO  Gideon Yu im Nahen Osten wurde von der Branche kritisch beäugt: Drohen Facebook gar Liquiditätsengpässe?

In der Zwischenzeit ist der Kurs der Aktie im außerbörslichen Handel weiter massiv eingebrochen und wird momentan nur noch zwischen 2,50 Dollar und 4 Dollar gehandelt. Am unteren Ende der Bewertungsspanne beträgt der Wert des Social Networks damit nur noch 1,3 Milliarden Dollar – also weniger als ein Zehntel der Microsoft-Beteiligung vor einem Jahr.

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