Ebay revolutioniert sein Geschäftsmodell

Die erfolgreiche Zeit als Volks-Auktionsplattform ist vorbei. Ebay wandelt sich zum Online-Shop. „Wir schaffen ein neues Geschäftsmodell für gewerbliche Anbieter“, kündigt Deutschland-Chef Stefan Groß-Selbeck in der „FAZ“ an. Die Profi-Verkäufer bekommen jetzt eine Einstell-Flatrate bei gleichzeitig langen Laufzeiten. Dazu beschließt die Firma viele weiterer Neuerungen. Hintergrund: Das Wachstum schwächelt, die Powerseller wandern ab und die Frustration unter den Privat-Kunden nimmt zu.

Anzeige

Die Einführung der neuen Einstell-Flatrate ist aber nur ein Teil der kommenden Veränderungen. Geplant ist auch eine Aufhebung der Trennung zwischen Auktionen und Festpreis-Angeboten auf der einen Seite und den Shop-Angeboten andererseits. „Damit senken wir die Zahl der Formate auf Ebay von drei auf zwei. Es gibt dann nur noch Auktionen und Festpreise“, sagt Groß-Selbeck. Angenehmer Nebeneffekt: Das klassische Angebot der Plattform verdoppelt sich automatisch. Weitere Stellschrauben, an denen gedreht wird, sind eine Verbesserung der Suchfunktion und die Einführung fester Versandgebühren.

Starttermin für die Neureungen ist der 25. September. So hofft die Plattform auf einen zusätzlichen Schub für das Weihnachtsgeschäft.

Drei große Faktoren sorgten für den Strategiewandel. Erstens: Die Wachstumsdynamik flacht sich ab. Ebay hat alleine in Deutschland 14,5 Millionen aktive Mitglieder. Bei so vielen Kunden ist es kaum möglich, noch zweistellige Zuwächse zu erzielen. Zweitens: Der große Erfolg von Amazon. Der US-Rivale schreibt Rekordumsätze. So steigerte der Online-Versandhändler seine Erlöse gegenüber dem Vorjahr um 41 Prozent auf 4,06 Milliarden Dollar. Der Reingewinn verdoppelte sich sogar. Dritter Grund, der Ebay zum Handeln zwingt, ist die Abwanderung vieler Händler zu anderen Marktplätzen. Innerhalb der letzten Monate steigerte sich der Unmut der wichtigen Powerseller-Gruppe.

Überhaupt agierte Ebay gegenüber seiner Community nicht immer glücklich. Erst sorgte der neue CEO John Donahoe für viel Verärgerung, als er die Käuferbewertungen abschaffte, dann gab es immer wieder Vorwürfe, dass Großkunden bevorzugen würden. Jüngstes Beispiel: Die Bahn versteigerte Anfang August über eine Million Tickets. Nach wenigen Tagen bereits hatte der Staatskonzern nur noch 72,9 Prozent positive Bewertungen – ein Wert, bei dem eigentlich erste Konsequenzen von Seiten Ebays drohen würden. Aber bei der Bahn machte die Plattform eine Ausnahme und ließ den Großkunden ohne Strafe davonkommen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige