„Bild“-Offensive: Leser-Videos ein Flop

Publishing Es sollte der Start in eine neue "Bild"-Ära werden. Vom Verkauf der "Volkskamera" beim Discounter Lidl erhoffte sich Chefredakteur Kai Diekmann eine Flut an Video-Beiträgen aus der Leserschaft. Die erste Bilanz ist ernüchternd. Eine Woche nach dem Start lautet das Ergebnis: weder Masse noch Klasse. Die meisten der 19 bei Bild.de zu findenden Filmchen drehen sich um die Haustiere der Amateur-Reporter. Das kann auch an der Bezahlung liegen. Denn nur für das "Video der Woche" gibt es Geld.

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Am Donnerstag vergangener Woche starte „Bild“ den Verkauf seiner Leserreporter-Cam in über 3.000 Lidl-Filialen. „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann prognostizierte nichts Geringeres als den „nächsten Schritt in der Medienevolution“. Eine Woche später sieht es auf Bild.de mit dem 1414-Videoangebot mehr als mau aus. 18 Videos werden auf der 1414-Seite gelistet. In den anderen Ressorts fand sich selbst nach längerer Suche nur ein weiteres Leser-Video. Brisantes Material, die von Journalismus-Verbänden befürchteten Unfallbilder oder Wackel-Aufnahmen von gehetzten Prominenten sind nicht dabei.

Jede Menge „Katzen-Content“

Das gedrehte Material ist an Trivialität kaum zu überbieten. Der intern „Diekmann-TV“ titulierte Leserkanal sendet Clips wie „Kater Scooby ermittelt unterm Gullydeckel“ oder „Flotte Maus im Fitness-Fieber“. Neben so viel Katzen-Content finden sich gleich mehrere Hunde-Videos: Hunde mit Luftballons, Hunde mit Plüschtieren oder Hunde, die Laserpointern hinterherjagen.

‚>BildBlog bescherte. Dass so wenige Videos auf der Seite sind, liegt laut Springer in der Klärung der Persönlichkeitsrechte: „Bei jedem eingegangenen Video müssen zuerst die Urheberrechte sowie die Persönlichkeitsrechte jeder gezeigten Person geklärt werden. Ansonsten stellen wir die Videos nicht ins Netz. Auf unseren Servern sind bereits über hundert Videos gelagert“, teilte Springer-Sprecher Christian Garrels MEEDIA mit.

„Bilds“ billige Reporter

Die Kamera gab es für die Leserreporter zwar zum Schnäppchenpreis, allerdings ist auch die Bezahlung von veröffentlichten Beiträgen überaus bescheiden. Im Prinzip wird für die Videos kein Geld gezahlt, nur wenn der Film von den Nutzern zum „Video der Woche“ gewählt wird, gibt es 1000 Euro. Wer bei dieser Lotterie leer ausgeht, verdient null Euro. Zum Vergleich: Wird ein Leserreporter-Foto in der Bundesausgabe der „Bild“ gedruckt, wird dies mit 500 Euro honoriert. Die gleiche Summe gäbe nur es, wenn ein Standbild des Videos abgedruckt wird…
Immerhin werden sämtliche User-Videos von Redakteuren betextet. „Bild“ hatte bereits für die 1414-Leserreporter-Fotoaktion eine eigene Redaktion geschaffen und will diese weiter ausbauen. Ob die Videoreporter jetzt an den Erfolg der Hobbyfotografen anknüpfen können, ist fraglich. Seit dem Start waren mehr als 1.000 Bilder von Leserreportern Seitenaufmacher, wie der Stellvertretende Chefredakteur Michael Paustian kundtat. Auf Anfrage, wie erfolgreich die Aktion für den Verlag läuft, teilte der Springer MEEDIA mit, dass es jetzt „noch zu früh sei, um Bilanz zu ziehen“. Auch eine Lidl-Sprecherin wollte sich zu den Verkaufszahlen nicht äußern.

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