Vickys (un)heimliche Medienmacht

Jetzt rauscht sie wieder durch den Blätterwald. Vicky Leandros, der Engel der Medien. Kaum hat die aus Griechenland stammende Schlagersängerin („Theo, wir fahr‘n nach Lodz“) eine neue Platte gemacht, stehen „Bild“ und „Bunte“ Gewehr bei Fuß. Egal ob Boulevard, People-Presse, RTL oder NDR - „die Vicky“ hat sie alle im Griff. Über sie liest man kein schlechtes Wort. In Medienkreisen gilt Vicky Leandros als die bestvernetzte Frau des deutschen Showbiz. Eine Annäherung an ein Medien-Phänomen.

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Als Vicky Leandros jüngst „Bild.de“-Reporter zum Video-Interview anlässlich ihrer neuen Platte „Möge der Himmel“ empfing, geriet der Bericht zur Hymne. „Internationaler Weltstar“, „Internationale Ausnahmekünstlerin“, „55 Millionen Tonträger verkauft“, „Auf einer Stufe mit Robbie Williams“ – so die Worte, die die „Bild“-Reporter für die Sängerin fanden. Andere Medien sind kaum weniger zurückhaltend. Wenn es um Vicky Leandros geht, wird bei vielen Medienmachern, ein Schalter umgelegt, weicht die Kritikfähigkeit einer rückhaltlose Bewunderung.

„Vicky Leandros wird zum Weihnachtsengel“, „eine der erfolgreichsten Sängerinnen Deutschlands“, „kein Scheidungskrieg bei Vicky Leandros“, textete beispielsweise der öffentlich-rechtliche NDR über die Sängerin. Während bei anderen Promis anlässlich einer Scheidung gerne mal öffentlich im Kübel mit Schmutzwäsche gerührt wird, ist bei Vicky immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Noch-Ehemann Enno von Ruffin schwärmt in „Bunte“: „Ich bin ihr größter Fan.“ Hach! Undenkbar, dass in der Presse über einen neuen Mann an ihrer Seite berichtet werden würde, so lange die Trennung noch nicht formvollendet vollzogen ist.

Woher kommt diese Hingabe der Medien ausgerechnet an Vicky Leandros? Schwer zu sagen. Vicky Leandros gilt bereits seit Jahren als extrem gut in der Medien- und Politikszene vernetzt. Legendär sind ihre Einladungen zu privaten Partys, bei denen sich gerne die geballte Hamburger Medienprominenz tummelte. „Bild“-Chef Kai Diekmann, der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust, Andreas Fritzenkötter, der Sprecher der Bauer Media Group zählten u.a. zu ihren Gästen, die Vicky bei privaten Ständchen begeisterte. Doch nicht nur Journalisten, auch Politiker verfallen dem Vicky-Virus. 2001 war sie schon einmal als Kultursenatorin für Hamburg im Gespräch, 2006 wollte der CDU-Politiker Friedbert Pflüger sie in Berlin zur Kultursenatorin machen. In Griechenland war sie sogar von 2006 bis 2008 Vize-Bürgermeisterin von Piräus. Stets begleitet vom Applaus der deutschen Medien-Elite.

Bei der Vorstellung ihres neuen Albums lud Vicky Leandros erneut zu einem privat-öffentlichen Happening in ihre Wohnung, diesmal noch größer aufgezogen. In ihren Berliner Räumlichkeiten ließ sie Moussaka und Schaumwein reichen und kredenzte Lieder aus ihrer neuen Platte. Ihre Zuhörerschaft hätte kaum exklusiver sein könnte. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit applaudierte mit Sektglas auf dem Boden, Bertelsmann-Chefin Liz Mohn lauschte mit geneigtem Kopf, FDP-Chef Guido Westerwelle, „Bild“-Kai Diekmann, seine Ehefrau Katja Kessler, die Autorin und Friede-Springer-Freundin Inga Griese, „Bild“-Vize Florian von Heintze, Helmut Markwort und Patricia Riekel, Barbara Schöneberger – alle waren da. „Bild“ und „Bunte“ überschlugen sich kurz darauf erwartungsgemäß mit Jubel-Berichten zu Vickys neuem Album. Die Platte nahm sie übrigens gemeinsam mit den „Söhnen Mannheims“ auf, die sie laut „Hamburger Abendblatt“ zuvor mit Sauerfleisch und Knoblauch bekochte und betörte. Auch die Mannheimer Musiker sind jetzt vom Vicky-Virus befallen. Die Frau ist ein Phänomen.

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