San Francisco bald ohne eigene Zeitung?

There a bad news, and there are worse news. Manche dieser Zeitungen, die wir heute vorstellen, leben zwar noch ein bißchen, sind aber eigentlich schon tot. So wie die “Seattle PI” oder der “San Francisco Chronicle”. Würde das Traditionsblatt vom Markt genommen, wäre "SF" die erste US-Großstadt ohne eigene Zeitung. Die “Rocky Mountain News” hat die Einstellung schon hinter sich. Ein Modell mit Zukunft hat der “Christian Science Monitor” gefunden, der ab April wochentags auf die Print-Ausgaben verzichtet, dafür aber online weitermacht.

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There a bad news, and there are worse news. Manche dieser Zeitungen, die wir heute vorstellen, leben zwar noch ein bißchen, sind aber eigentlich schon tot. So wie die “Seattle PI” oder der “San Francisco Chronicle”. Die “Rocky Mountain News” hat die Einstellung schon hinter sich. Ein Modell mit Zukunft hat der “Christian Science Monitor” gefunden, der ab April wochentags auf die Print-Ausgaben verzichtet, dafür aber online weitermacht.
Seattle PI: Einstellung in den nächsten Tage, dann nur noch Internet 
Die 170 Angestellten zittern. Schon in dieser Woche werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach ihren Job verlieren. 146 Jahre ist die “Seattle PI” alt. 14 Millionen Dollar hat sie 2008 Verlust gemacht, in diesem Jahr würden es wegen der Rezession deutlich mehr werden. Soweit will es der Hearst Konzern nicht kommen lassen. Deshalb hatte man Anfang des Jahres angekündigt, es gäbe drei Optionen:
1) Seek a buyer. Man versucht 2 Monate lang, einen Käufer zu finden
2) Go Digital. Man bringt die Zeitung nur noch im Web heraus
3) Close. Die“Seattle PI” wird endgültig geschlossen, sowohl im Print wie auch im Web. Die 2 Monate sind um, bis heute ist die Suche erfolglos geblieben. Das ist wenig überraschend. Wer bindet sich im Internet-Zeitalter auch noch eine Zeitung ans Bein?  

Nun hat Hearst angekündigt, die Angestellten-Verträge zwischen 18. März und 1. April auslaufen zu lassen. Immerhin haben einige wenige Mitarbeiter in den letzten Tagen “provisional offers” erhalten, eine Internet-Only-Version der Zeitung zu produzieren. Deshalb spricht vieles dafür, dass die “Seattle PI” zumindestens im Internet fortgeführt wird. Dann aber wohl nur noch mit einem Miniteam von etwa 20 Mann.  
 
San Francisco Chronicle: eine Großstadt ohne eigene Zeitung?

San Francisco könnte die erste Großstadt der USA werden, die bald keine eigene Zeitung mehr hat. Der Hearst Verlag verliert zur Zeit mit dem “San Francisco Chronicle” nämlich rund eine Million Dollar pro Woche, also 50 Millionen Dollar im Jahr! Und das ist selbst für einen potenten Konzern wie Hearst (“Cosmopolitan”, “Esquire”) viel zu viel Geld, zumal ja auch das Zeitschriften-Geschäft schlecht läuft. 
Zwar hatte die Gewerkschaft, die California Media Worker Guild, Mitte letzter Woche weitgehende Zugeständnisse, wie längere Arbeitszeiten, weniger Urlaub und schlechteren Kündigungsschutz, gemacht, trotzdem werden jetzt wohl zunächst 150 Jobs gestrichen. Viele zweifeln daran, ob damit der “Chronicle” wirklich gerettet werden kann. 
 
Rocky Mountain News: im Februar eingestellt 
16 Millionen Dollar hatte der E.W.Scripps Verlag im letzten Jahr mit der zehntgrößten Zeitung des Landes verloren. So ist die “führende Stimme von Denver”, die älteste Zeitung im Staate Colorado, am 26. Februar eingestellt worden. Für immer. Nur 55 Tage vor dem 150. Geburtstag. Man sei Opfer der großen Wirtschaftskrise geworden, erklärte Verlagschef Rich Boehne.  
Auch die Internet-Seite wird nicht fortgeführt, sie wirkt heute wie ein Grabstein. “It is with great sadness that we say goodbye to you today”, steht dort. Dazu gibt es eine Foto-Slideshow von dem Moment, als die Angestellten von ihrem Schicksal erfuhren. Das sieht alles sehr professionell und gut gemacht aus, aber was hilft es?

The Christian Science Monitor (Auflage: 52.000):  
Schon Ende letzten Jahres hat die überregionale “The Christian Science Monitor” aus Boston verkündet, dass man ab April die tägliche Druckausgabe einstellen und nur noch einen Internetauftritt und ein Sonntagsmagazin produzieren werde. 
“The Christian Science Monitor” ist eine sehr renommierte Zeitung, über 100 Jahre alt, die viele Pulitzer-Preise gewonnen hat. Sie ist eine Publikation der “First Church of Christ”, ist aber keine religiöse Zeitung im engeren Sinne. Die Auflage betrug in besten Zeiten mal 200.000 Exemplare, zuletzt sind davon nur 50.000 übrig geblieben. Dafür haben sich die Verluste aufgetürmt. Im letzten Jahr waren es 19 Millionen Dollar.  
Erstaunlich ist, dass von den 130 Mitarbeitern, davon 100 in der Redaktion und 30 im Verlag, nur wenige gehen sollen. “We have the luxury – the opportunity – of making a leap that most newspaper will have to make in the next five years”, sagte John Yemma der Chefredakteur. “Everybody’s talking about new models. This is a new model”. 
Bisher wird die recht brave Website nur rund 3 Millionen mal im Monat angesteuert. Diese Zahl will man in den nächsten Jahren auf 20-30 Millionen Visits erhöhen.    
Weitere Titel, die wohl nicht überleben werden
Gannett, der größte Zeitungsverlag der USA, wird wohl Ende März The Tuscon Citizen” schließen. In Philadelphia, immerhin einer Stadt mit 1,5 Millionen Einwohnern, sind gleich beide Zeitungen bankrott. Sowohl der “Inquirer”  als auch die “Daily News” stehen unter “Restructuring Protection”. Ebenfalls unter “bankruptcy protection” stehen The Star Tribune” aus Minneapolis und “The New Haven Register”. McClatchy, der Verleger der “Miami Herald”, “Sacramento Bee” und “Anchorage Daily News hat gerade ankündigt, 1600 Jobs zu streichen. Auch um die McClatchy-Zeitungen gibt es deshalb viele Gerüchte. 
In der letzten Woche brachte die “New York Times” auf der Titelseite (!) einen großen Bericht: “As Cities Go From Two Papers to One, Talk of Zero” zur Zeitungskrise. Das große Sterben der Tageszeitungen hat erst begonnen, die Todesliste wird noch deutlich länger werden.  

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