Anzeige

US-Zeitungskrise (3): „Newsday“ mit 800 Verlust in 3 Jahren

Nach den drei Zeitungs-Flaggschiffen und den Wackel-Kandidaten, analysieren wir im dritten Teil unserer Serie zum US-Zeitungsmarkt die Schlusslichter der Zeitungs-Top-Ten. Murdochs "The New York Post", "Chicago Tribune", "Houston Chronicle" und das Tabloid "Newsday" kämpfen teilweise seit Jahren mit roten Zahlen. Und Besserung ist nicht in Sicht. Einstellungen, Verlust der Eigenständigkeit, Kooperationen - alles ist möglich. Ein Titel hat es sogar geschafft, in 3 Jahren 800 Mio. Dollar zu verlieren.

Anzeige

In dritten Teil unserer Serie über die “US-Zeitungskrise” schauen wir auf die Plätze 7-10 der größten Zeitungen des Landes. Dabei ist ein Blatt, das in 3 Jahren fast 800 Mio. Dollar verloren hat, wenigstens auf dem Papier. Auch ansonsten sieht es ziemlich traurig aus: die Stichworte heißen einmal mehr rote Zahlen, hohe Abschreibungen und Insolvenz.
7) The New York Post (625.000 Verkauf): seit Jahren rote Zahlen

Das Boulevard-Blatt von Rupert Murdoch hat sich lange Zeit heftige Auflagenschlachten mit “The Daily News” geliefert – und ist dabei meistens Zweiter geblieben. Aber nicht nur das, der “New York Tabloid War” hat auch dazu geführt, dass die “Post” tief rote Zahlen schreibt, und das seit vielen Jahren. Bisher war Murdoch bereit, 50 Mio. Dollar p.a. zu tragen. Die “New York Post” verlieh ihm in der wichtigsten Stadt der USA viel Macht. Und – er konnte sich die Verluste leisten. Aber die Zeiten haben sich geändert, inzwischen muss auch ein Murdoch aufs Geld schauen. Hinzu kommt, dass für ihn die “Post” heute nicht mehr den Stellenwert hat wie früher. Murdoch hat ein neues Spielzeug: das “Wall Street Journal”. 
Hinter den Kulissen laufen deshalb Kooperationsgespräche mit dem Rivalen “The Daily News” und “Newsday”. Die Zukunft der “Post” als eigenständige Zeitung gilt als ungewiss – allen gegenteiligen Beteuerungen der Verleger zum Trotz. 
 
 

8) Chicago Tribune (541.000 Verkauf): insolvent 
Das Schicksal der 1847 gegründeten “Chicago Tribune” ist eng mit dem der “LA Times” verbunden, beide Zeitungen gehören nämlich zum gleichen Verlag. Und insofern hängt jetzt alles davon ab, wie es im Insolvenzverfahren der Tribune Gruppe weitergeht. Ein Konkurs des Blattes, das sich einst “The World’s Greatest Newspaper” nannte, ist deshalb nicht auszuschließen. 

Das hat die “Chicago Tribune” aber nicht daran gehindert, im Januar ein interessantes Experiment zu starten: während die Zeitung an Abonnenten weiterhin im Normalformat (Broadsheet) versandt wird, geht sie in einem neuen, kleineren “Tabloid”-Format in den Einzelverkauf.  

Damit wiederholt die Zeitung den Schritt, den die Londoner “Times” 2004 vorexerziert hat: sie ist eine gewisse Zeit in zwei Formaten erschienen, um die Leserreaktion zu testen. Am Ende hat sich bei der Times das lesefreundlichere Tabloid-Format durchgesetzt. So wird es wohl auch bei der “Chicago Tribune” sein – wenn sie denn noch die nächsten Jahre erscheint. 
 
 

9) Houston Chronicle (494.000 Verkauf): großes Zittern 
Der “Houston Chronicle” ist die größte Tageszeitung von Texas. Sie gehört zum Hearst-Konzern, einem der großen Medienkonzerne des Landes, der nicht nur bekannte Zeitschriften wie “Esquire” oder “Cosmopolitan” herausgibt, sondern auch 16 Zeitungen. Den “Hoston Chronicle” hat Hearst 1987 für stolze 400 Mio. Dollar gekauft.  
Hearst ist die letzten Monate wegen seiner Zeitungsprobleme in die Schlagzeilen gekommen: zum einen hat der Konzern im Januar bekanntgegeben, dass man sich zwei Monate Zeit geben wollte, für das “Seattle PI” (128.000 Verkauf) einen Käufer zu finden. Seitdem ist nichts passiert. Jetzt rechnet man damit, dass die “Seattle PI” in Kürze nur noch im Internet erscheint. 

Ähnliches hat Hearst im Februar in San Francisco verkündet: wenn dort das Sparprogramm nicht fruchtet, will man den “San Francisco Chronicle”, mit 339.000 verkauften Exemplaren die zwölfgrößte Zeitung des Landes, verkaufen, bzw. einstellen. Und das, obwohl man vor ein paar Jahren noch 600 Mio. Dollar dafür gezahlt hatte. Heute macht sie über 50 Mio. Dollar p.a. Verlust…  

Auch der Hearst-Zeitung “Houston Chronicle” geht es nicht gut. Nachdem man in den letzten Jahren bereits über 400 Redakteurstellen abgebaut hat, ist man gerade dabei, die Mannschaft nochmal um 10% zu reduzieren. Nun geht in Houston die Furcht um, demnächst werde man Ankündigungen wie in San Francisco und Seattle hören. 
 
 
10) Newsday (380.000 Verkauf): Atemberaubende Abschreibungen! 
Das sind Zahlen, die einem den Atem stocken lassen: Weltrekord-verdächtige 778 Mio. Dollar hat “Newsday” von 2005-2007 verloren, zumindestens auf dem Papier. Trotzdem hat die Zeitung 2008 einen Käufer gefunden. Und noch dazu jemand, der für sie unglaubliche 650 Mio. Dollar bezahlt hat!  
Aber der Reihe nach: “Newsday” ist ein Tabloid, das die Region von Long Island und den New Yorker Vorort Queens bedient. Im Gegensatz zu Rupert Murdochs “Post” oder Mort Zuckerman “Daily News” ist sie aber weniger boulevardesk und blutig, sondern gilt als seriös. 19 Pulitzer-Preise sprechen eine deutliche Sprache.  
Bis 2008 gehörte “Newsday” zum maroden Tribune Konzern (“LA Times”, “Chicago Tribune”). Als Tribune-Eigner Zell die Zeitung zu Geld machen musste, hatte er das Glück, dass sich gleich drei Interessenten gegenseitig überboten: Murdoch mit seiner “Post”, Zuckerman mit seinem “Daily News” und die Cablevision Gruppe, einer der großen Kabelnetz-Betreiber des Landes. 
Im letzten Jahr machte “Newsday” fast 500 Mio. Dollar Umsatz  – und heftige Verluste. Auf dem Papier betrugen die roten Zahlen 414 Mio. Dollar für 2005, 280 Mio. in 2006 und 81 Mio. in 2007, aber hier sind einmalige Abschreibungen auf den Wert der Zeitung enthalten.  

Den Zuschlag für “Newsday” erhielt schließlich Cablevision, die mit einem Angebot von 650 Mio. alle anderen Interessenten überboten. Die US-Medienszene verstand die Welt nicht mehr: zum einen konnte keiner nachvollziehen, warum sich ein Kabelnetz-Betreiber unbedingt eine Zeitung ans Bein binden musste, zum anderen erschien der Preis von 650 Mio. Dollar total überhöht. 
Letzte Woche ging nun durch die Presse, dass Cablevision beabsichtige, Teile der  Newsday-Website kostenpflichtig zu machen. Verleger Tim Knight sprach davon, man sei “in the process of transforming Newsday’s Web site into an enhanced, locally focused cable service”.  
Dass der neue Eigentümer über den Kauf längst höchst unglücklich ist, kann man Gerüchten entnehmen, dass alle drei New Yorker-Tabloids – “Post”, “The Daily News” und “Newsday” – zur Zeit über Kooperationen, bzw. sogar einem Merger verhandeln.
——————————— 

Im nächsten Teil unserer Serie beschäftigen wir uns mit  US-Zeitungen, die kurz vor dem Aus stehen, bzw. vor kurzen das Zeitliche gesegnet haben, wie z.B. die „Rocky Mountain News“ oder den „San Francisco Chronicle“.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige